Ein Meilenstein

Meine Kinder sind nun 3 Jahre und 8 Monate alt. Und genauso lang hat es gedauert, bis ich endlich ein Stück von meiner Freiheit wieder gewonnen habe. Ich kann mich ohne Kinder aus dem Haus trauen. Ich kann ausgehen.

Ich weiß nicht genau, bei wem zuerst der Knoten geplatzt ist. Bei Emma, meinem Mann, mir oder der Oma. Wir haben wahrscheinlich alle unseren Teil dazu bei getragen.

Emma geht plötzlich auch mal gerne mit ihrem Papa ins Bett. Das ist eigentlich unfassbar für mich. Nach all den Jahren, in denen sie kaum jemand an sich ran lassen wollte außer mir, nach der totalen Selbstaufgabe meinerseits meinem Kind zuliebe, ist er auf einmal da, der Moment des Loslassens. Max war ohnehin nie ein Problem, ob Papa oder Mama ihn ins Bett bringen ist ihm egal. Aber für Emma kam niemals jemand anderes in Frage. Nur die Mama.

Nur mal so zum Vergleich, damit ihr wisst, wovon wir hier reden: im gesamten Jahr 2013 war ich genau 2x abends weg und 2 Nächte auf Geschäftsreise. Im Jahr 2014, das ja nun noch nicht besonders alt ist, war ich bereits 4x abends nicht da. Es ist total erstaunlich und etwas ganz Besonderes für mich. Ein Meilenstein.

Es ist nicht so, dass es mir mein Mann nicht angeboten hätte, mich mit meinen Freundinnen zu treffen, endlich mal wieder raus zu kommen etc. Er würde schon klar kommen, hieß es dann immer. Ich wusste aber, das dem nicht so war. Natürlich kam er klar, aber Emma nicht. Wie es sich während der letzten Geschäftsreise zeigte – Emma schrie beim Zu Bett gehen 1 Std lang nach mir bis sie endlich vor Erschöpfung einschlief. 1Std ist ganz schön lang. Mir brach es im Nachhinein das Herz und mir wurde erneut klar, dass ich eben nicht so einfach gehen kann. Unter diesen Umständen wollte ich das nicht.

Mein Mann gab mir des Öfteren zu verstehen, dass ich ja selbst Schuld sei, wenn ich nie raus käme, ich könnte ja gehen.
Er hat dabei aber nie verstanden, dass es nicht dasselbe ist: so wie er einen Abend mit Freunden zu verbringen und dabei gar nicht an die Kinder denken zu müssen, weil er SICHER SEIN KANN, das daheim alles gut und harmonisch ist. Oder so wie ich bisher: mit Tränen in den Augen das Haus zu verlassen in der Gewissheit, dass Emma stark darunter leiden wird, dass ich nicht da bin und sich dabei einfach nur mies zu fühlen und kaum Freude an dem Abend zu haben, weil man weiß, auf welche Kosten er geht. Andere Voraussetzungen, oder? Nicht nur ein anderes Freiheitsempfinden, sondern auch andere Möglichkeiten.

Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Ich war in den letzten 6 Wochen bereits 4x aus, vor allem aber auch, weil ich Geburtstag hatte.
Ich wurde 40.
Schreckliche Wahrheit, aber so ist es eben.
Und nachdem das ein runder und besonderer Geburtstag ist, motivierte mein Mann seine Mutter – sprich die Oma – die Kinder ins Bett zu bringen. Das allererste mal übrigens. Meine Schwiegermutter ist die Allerbeste und ein Stützpfeiler in meinem Alltag mit den Kindern, da sie uns 1x in der Woche besucht und mit den Kindern spielt, oder mit uns zum Schuhe kaufen oder dem Kinderarzt geht. Aber, sie war bisher kaum alleine mit ihnen, ich war fast immer mit dabei und davon, sie abends in Bett zu bringen, so dass mein Mann und ich ausgehen können, war bisher noch nie die Rede. Oder sagen wir mal: der Wille war da aber der Weg zu weit.

Nun, so hatten wir doch alle etwas dazu zu lernen, so dass es tatsächlich möglich für mich war, das Haus zu verlassen.
Und siehe da – absolut jeder Abend war ein voller Erfolg, sowohl bei meinem Mann als auch bei der Oma haben die Kinder sich hervorragend ins Bett bringen lassen.

Das schönste Geburtstagsgeschenk, das man mir machen konnte.

5 thoughts on “Ein Meilenstein

  1. Du sprichst einem wie immer aus der Seele und dem Herzen. Unsere Zwillinge werden im Mai zwei Jahre alt und ich kann es auch an zwei Händen abzählen wann ich abends aus war. Woanders geschlafen haben unsere Kinder auch noch nicht. Aber so ist das nun mal. Morgen wollte ich mich mit Freundinnen treffen. Mal schauen. Unser Püppchen ist ein wenig krank…Danke für deinen Blog. Du bist immer ehrlich und beschnoenigst nichts. Und das machen die wenigsten. Liebe grüße

  2. Liebe Katrin! Erstmal, alles alles Gute zum Geburtstag. Ich finde es toll, dass du dir allmählich wieder mehr Freiheiten nimmst und ich habe auch oft das Gefühl, dass Väter anders fühlen als wir Mütter. Vielleicht ist es auch etwas beruhigend für dich, zu lesen, dass auch in anderen Familien mal der Haussegen schief hängt: Ich vertraue mich mal dieser Gruppe an, weil mein Mann für mein Gejammer langsam kein Ohr mehr frei hat und Omas und Opas die “lieben Kleinen” oft nur von ihrer guten Seite kennen. Unsere morgendliches Kindergartenprozedere ist soo anstrengend- ich würde die drei am liebsten manchmal nur anschreien und sonstnochwas….ahhhh! Dann frage ich mich immer, wie soll es denn im Sommer werden, wenn ich wieder zur Arbeit muss!?
    Hier ein kurzer Ausschnitt: EEENNNDDDLIIICH sind ALLE angezogen und gut gelaunt, wir wollen zum Auto gehen, da ruft Milli(Tochter 2 Jahre alt): “Mama, ich habe Pippi in die Hose gemacht!” Also umziehen- natürlich muss ich von oben die Lieblingsunterhose holen, in der Zeit fangen Hannes(Sohn 3 Jahre) und Linus (Sohn 3Jahre) sich wieder das Streiten an. Ich höre schon an Hannes Schreien, er kriegt gleich einen Anfall. Linus ist das alles zu laut. Er zieht sich wieder aus und legt sich aufs Sofa. Nun will er nicht mehr in den Kindergarten, hat Bauchweh und ist müde. Ich überrede Milla schon mal rauszugehen. Sie hat Mausi (Lieblingskuscheltier)aber noch nicht. Sie soll sie suchen, kommt dann heulend wieder, weil sie sie nicht findet. Ich laufe schnell los und hole ihre Maus. Auf dem Rückweg schnappe ich mir Linus und rede ihm gut zu usw. usw.
    Bin ich die EINZIGE Mutter, der es mal so geht? Ich wünsche mir von Euch Durchhalteparolen und kleine Mutmacher!

  3. Liebe Svenja,
    Bei uns ist jeder Morgen stressig, ich kenne das nur zu gut. Ich habe mir angewöhnt, wirklich alles vorzubereiten was wichtig ist und natürlich stehe ich sehr früh auf.
    Aber auf bestimmte Situationen kann man sich nicht vorbereiten, vor allem wenn die Kinder gerade sauber werden.
    Ich kann dir nur raten, ruhig zu bleiben und zu versuchen, dich in die Kinder rein zu versetzen. Kinder kennen keine Eile, in ihrer Welt ist alles entschleunigt und sie sehen die Dinge anders.
    Die schlimmsten Tage sind für mich die, an denen ich sie morgens angemotzt habe und wir in der Kita total unharmonisch auseinander gehen – nur damit ich pünktlich in die Arbeit komme… Auf dem Weg in die Arbeit fühle ich mich oft wie schlechteste Mutter der Welt und sage mir, dass Geduld für meine Kinder 10000x wichtiger ist als jeder Job.
    Alles Liebe!

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