Altkluge Ratschläge einer Zwillingsmutter an werdende Zwillingsmütter

Das Folgende basiert nur auf meiner ganz persönlichen Erfahrung als Zwillingsmutter, niemand muss es nachmachen oder sich danach richten.
Aber vielleicht hilft es der ein oder anderen werdenden Zwillingsmutter ja vielleicht. Zumindest hätte ich mich damals über einige Ratschläge sehr gefreut, vieles wäre leichter gewesen ohne die lange Phase des Selbst-Herausfindens..

Also, hier kommen die Weisheiten, die Reihenfolge ist willkürlich und nicht nach Wichtigkeit sortiert:

1) Der Wickeltisch ist für mich im Nachhinein eine totale Fehlanschaffung gewesen. Er nimmt extrem viel Platz ein und wird bei Zwillingen selten benutzt. Bei uns zumindest war das so. Warum? Weil man zwei Wickelkinder hat, eins nicht alleine im anderen Raum liegen lassen will, und somit am besten beide auf dem Teppich/Spieldecke etc. gleichzeitig wickelt, das spart Zeit und keiner fühlt sich alleine. Vor allem, wenn die Kleinen anfangen, sich fortzubewegen, ist Zwilling Nr.2 zu lange ohne Aufsicht, und extra beide Kinder in den Raum zu befördern, in dem der Wickeltisch steht, war mir immer zu anstrengend. Lieber 2 Windeln und Feuchttücher in den Raum schaffen, in dem sich die Kinder am meisten aufhalten.
Und spätestens wenn die Kinder total mobil werden und sich gar nicht mehr wickeln lassen wollen, wickelt man sowieso überall, ob auf der Couch, im Bett, Parkbank, Wiese etc.

2) Ich habe meine Kinder nicht gestillt und es auch nie bereut. Es gibt sicherlich nichts besseres für ein Baby als Muttermilch, das stelle ich gar nicht in Frage. PUNKT. Aber bei uns hat alles ohne Stillen bestens funktioniert. Mein Mann konnte sich nachts um 1 Kind kümmern und mir damit 50% der Arbeit abnehmen. Meine Kinder sind sehr gut entwickelt, groß, kräftig, neugierig, brav und glücklich. Und – sie waren ganz sicher nicht öfter krank als Stillkinder, ganz und gar nicht. Meine Arbeitskolleginnen, die alle gestillt haben, fehlten im ersten Kita-Winter genauso häufig wie ich.

3) Mein Mann und ich haben uns, als die Kinder 2 Monate alt waren, entschlossen, getrennt zu schlafen. Jeder mit 1 Kind im Raum neben dem Bett. Das war die beste Entscheidung EVER! Jeder hatte sich nur auf 1 Kind zu konzentrieren, konnte wickeln oder Füttern wann es nötig war und den Rest der Nacht IN RUHE SCHLAFEN! Die Kinder haben sich nicht gegenseitig gestört und es wurden nicht auf einmal gleich 3 Menschen wach, wenn einer weinte. Ich kann das jedem nur ans Herz legen, vor allem euch Müttern. Die Tage sind anstrengend genug und die Nächte sind auch oft mit 1 Kind nicht leicht. Je mehr Hilfe man kriegen kann umso besser ist es. Spart so viele Kräfte bzw. Energie wie möglich, denn….

4) Der Schlafmangel wird mit den Jahren nur bedingt besser. Das ist wohl besonders individuell, da der Schlafrhythmus jedes Kindes total unterschiedlich ist. Bei uns war das 1.Jahr eigentlich ganz okay, 2-3 x hatten sie nachts Hunger. Als sie dann durchschliefen, dachten mein Mann und ich ganz naiv, dass wir es überstanden hätten und sahen es als ganz normal an, wieder richtig schlafen zu können. Wir hätten diese Zeit total genießen müssen, denn sie war einzigartig. Monatelang hatten wir nachts Ruhe, die Kinder schliefen komplett durch (außer wenn sie krank waren natürlich) und schliefen auch alleine ein. Ich machte sie fürs Bett zurecht, legte sie in ihre Schlafsäcke, machte ihnen Einschlafmusik an, dimmte das Licht, küsste sie – und ging einfach hinaus. Tja, das waren schöne Zeiten. Irgendwann wollen die Kinder nicht mehr alleine einschlafen, sie entwickeln Ängste, bekommen ein räumliches Bewusstsein, werden anhänglicher. Sie wollen nicht mehr im Gitterbett eingesperrt sein, finden den Schlafsack blöd und schlafen alleine überhaupt noch blöder. Sie kommen nachts ins Elternbett, wollen nachts auch gerne mal spielen, haben Alpträume oder etwas von ihrem Tag zu verarbeiten. Die Liste der Gründe ist sehr lang und deren Fazit ist Punkt 3: spart eure Energien und schlaft so viel ihr könnt!

5) Ich bin eine Glucke und total empathisch. Ich habe in diesem Blog schon oft darüber geschrieben, dass ich es nicht gelernt habe, die Kinder loszulassen. Aber, wenn es eure Kinder zulassen und sie nicht fremdeln, holt euch eine Babysitterin oder die Oma ins Haus und schafft euch Freiräume! Gleich von Anfang an. Meine Tochter und mein immer zu großes Mitleid haben es bei mir nie zugelassen und ich habe dadurch nie die Kurve gekriegt – und es oft bereut. Zum Teil hat auch meine Ehe sehr darunter gelitten. Neben all dem Kinderkram muss auch mal Platz dafür sein, nur die Ehefrau zu sein und nicht die Mama.

6) Hört auf euer Bauchgefühl! Schafft euch nicht zu viele Kinder-Ratgeber an, die dann doch nur im Schrank verstauben. Man bekommt im Laufe der Zeit viele gut gemeinte Ratschläge, meistens von Menschen die keine Kinder haben, die wissen es immer am besten. Der beste Ratgeber wird aber immer euer eigenes Bauchgefühl sein.

7). Strukturiert eure Wochen, schafft Abwechslung. Das fördert nicht nur die Kinder sondern tut auch der Mama-Seele gut. Ich gehe seitdem die Kinder das Laufen gelernt haben mit ihnen zum Kinderturnen und in den Musikgarten. 2 Nachmittage in der Woche haben wir dadurch eine feste Struktur und lernen andere Kinder und Mütter kennen. Wir lernen viel, und auch wenn es oft anstrengend ist sind diese Tage sehr kurzweilig

8). Seid stolz! Auch wenn es oft schwierig ist. Wenn man vor Erschöpfung weint, sich nach Schlaf verzehrt, manchmal sein altes Leben zurück haben will – es ist etwas ganz Besonderes, Zwillinge zu haben und ich würde meine Kinder für nichts auf der Welt wieder hergeben wollen…

11 thoughts on “Altkluge Ratschläge einer Zwillingsmutter an werdende Zwillingsmütter

  1. Ich gebe dir Recht und zwar in all den Punkten, die du aufgeschrieben hast.
    Meine Mädchen sind jetzt 3 1/2 und wir haben diese Phasen auch alle durch. Ich fand es in den letzten 3 Jahren immer schön deine Geschichten zu lesen … denn es ging uns zur gleichen Zeit geanu wie eucht.
    Im Moment muß ich auch sagen, dass es einfacher ist. Aber wer weiß wie lange.
    Zwillinge sind so toll … ich bin froh diese Erfahrung zu machen und ich bin SO STOLZ auf meine Mädels. Sie sind einfach toll, auch wenn sie einen schon manchmal auf die Palme bringen können.

    lg Silvana

  2. Das sind tolle Tipps, auch wenn ich das Ein oder Andere anders handhabe.
    Ja, es ist etwas Besonderes, ich würde niemals tauschen wollen. 🙂

  3. Auch von mir noch alles Gute zum Geburtstag.
    Schön das es leichter wird (Bekannte von uns haben nach 4 Jahren noch einen kleinen Jungen bekommen…) Ich empfinde das zweite Jahr schon als leichter und freu mich auf das Dritte in dem vielleicht diese nervenden Dauerkrankphasen vorbei sind?!

    Genieß noch die leichte(re) Zeit, ich gönne sie dir von Herzen. Vielen Dank für deinen wundervollen Blog
    Milla

  4. Liebe Grüße von einer Zwillingsmamas im ersten Jahr.
    Meine sind noch keine 8 Monate, aber in einigem finde ich mich wieder, bei anderen Sachen habe ich andere Erfahrungen gemacht.

    1.) Ja, die Kleinen krabbeln nun und ich muss immer beide im Auge haben. Ich nutze trotzdem immer den Wickeltisch. Einer wird gewickelt und der andere muss ins Bettchen oder den Laufstall. Ich trage aber auch oft eben beide von Raum zu Raum. Das gehört in meinem Empfinden nicht zu den anstrengenden Dingen.

    2.) Man muss nicht stillen und sollte sich damit schon gar nicht stressen, es zu müssen. Für mich war es aber lange Zeit der richtige Weg. Ich musste nichts mitschleppen und es klappte super. Als es nicht mehr super klappte und ich es nicht mehr wollte, habe ich ohne schlechtes Gewissen nach fünf Monaten abgestillt. Prompt haben mich die Flaschen, die ich immer mitschleppen, Spülen und sterilisieren musste, ein wenig genervt. Jeder sollte da seinen Weg finden. Zwillinge kann man stillen und es kann auch ganz entspannt sein, aber ich verstehe auch die Entscheidung dagegen völlig. Es hat Vor- und Nachteile.

    3.) Unsere lagen immer gemeinsam. Erst in einer Wiege und später in einem Bettchen im Schlafzimmer. Seit einiger Zeit nun im Kinderzimmer jeder in seinem Bett. Sie wecken sich extrem selten gegenseitig. Trotzdem haben wir es uns auf eine andere Art aufgeteilt und teilen die Nächte in Schichten, so dass jeder wenigstens eine halbe Nacht schlafen kann. Ohne Arbeitsteilung wäre es echt hart.

    Den restlichen Punkten kann ich uneingeschränkt zustimmen, soweit ich sie schon erlebt habe. Meine sind wie gesagt noch nicht so alt. Aber besonders das “abgeben können” ist sehr wichtig. Sich helfen lassen! Auch wenn es sehr schwer zu lernen ist.

    LG

  5. Wie lang habt ihr denn das mit der Aufteilung jeder ein Kind gemacht? Kann mir nicht vorstellen, dass das funktioniert, wenn einer wieder arbeitet – bei uns war zumindest so, so dass ich dann die Nächte allein gemacht hab…

  6. Ich finde, dass 1Tag mit 2 Babys alleine anstrengender ist als 1 Tag in der Arbeit. Deshalb haben wir diese Aufteilung 1 Jahr lang gemacht, bis die Kinder durchgeschlafen haben. Von da an haben die Kinder dann zusammen in ihrem Kinderzimmer geschlafen und mein Mann und ich wieder im Ehebett.
    Fürs erste Jahr war es die perfekte Lösung…

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  8. Ich bin auch schwanger mit Zwillingen. Mit der Aufteilung das finde ich Klasse. Bei uns wird das nicht gehen. Wir haben eine 3-Raum-Wohnung und schon eine 3-jährige Tochter zu Hause;-) Da müsste einer im Wohnzimmer schlafen. Wir bleiben auch erstmal hier wohnen. Trotz 2 Verdiener sind ja deutsche Großstädte “familienfreundlich” ohne Ende.
    Bis jetzt hatte ich geplant, das Papa und die Große im Ehebett schlafen und ich mit den Kleinen im Kinderzimmer…
    Das mit dem Wickeltisch finde ich interessant. Wir hatte den quasi ununterbrochen im Einsatz. Mal sehen was das wird.
    Vor dem Schlaf habe ich keine Sorgen. Ich arbeite rund um die Uhr – wenig schlaf bin ich gewohnt.

    Wie erging es eigentlich den Großeltern beim Gedanken auf 2 aufzupassen? Ich habe mir die Frage schon gestellt, bei 2 Geschwistern. Aber bei Zwillingen???
    Bei uns wird das sicher noch zum Problem. Wir müssen die 3 dann sicher im aufteilen, falls wir mal was machen wollen;-)

  9. Meine Bekannte bekommt auch Zwillinge und ich finde es hilfreich und gut, wenn ein Gedankenaustausch stattfinden kann. Es scheint ja doch ein riesiger Unterschied zu sein, zwischen einem Kind und gleich 2 auf einmal. Ich werde Ihr die Seite empfehlen, z.Zt. scheint sie sich diesbezüglich keine großen Sorgen zu machen…was auch gut so ist. Gruß Susi

  10. Halli Hallo alle zusammen,

    wir sind stolze Eltern eines Pärchens im Alter von 2 1/4! Für mich war eine der schlimmsten Erfahrungen VOR der Geburt der Zwillinge: Mütter mit einem Kind!
    Sätze wie: “Na dann viel Glück!” oder ” Das hätte ich nie geschafft!” können einem verdammte Angst machen – vor allem, wenn man noch keine Kinder hat und direkt Zwillinge bekommt.
    Gestillt habe ich nicht, aber 90% der Nächte im ersten Jahr alleine gemacht – denn mein Mann war tagsüber der perfekte Vater, nachts jedoch zu nichts zu gebrauchen 😉 Bei uns haben die Großeltern ca. 1 mal pro Monat die Zwillinge für 2 Nächte am Stück genommen und das war für uns perfekt! Ich könnte in diesen Nächten tief schlafen und tagsüber dem Haushalt fröhnen 😉
    Unsere Räuber schlafen sehr gut, natürlich nicht während des Zahnens, aber das haben wir hinter uns! Ich hatte immer Angst, wie ich denn ZWEI Kindern auf einmal z.B das Treppensteigen beibringen soll … Aber meiner Erfahrung nach lernen die Kinder wahnsinnig viel von einander und auch das Treppensteigen wir NIE ein Problem 😉
    Wenn es nicht so lange gedauert hätte überhaupt schwanger zu werden, würde ich es auch noch einmal mit Zwillingen wagen! Es ist die schönste Zeit meines Lebens!

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