Zwillinge – eine ganz besondere Bindung

Ich merke, wie sich Max und Emma immer mehr aneinander binden. Wie sehr sie sich gegenseitig brauchen.
Sie sind nie allein, immer zu zweit, Tag und Nacht.

Ich war immer dagegen, dass Zwillinge getrennt werden, in der Kita oder der Schule, aber mittlerweile bröckelt dieser Vorsatz ein wenig.

Denn, es ist mittlerweile fast unmöglich, ein Kind in die Kita zu bringen, wenn das andere krank ist.

Gerade betrifft das Max, denn Emma hat (mal wieder) Streptokokken. Er musste gestern und heute alleine in die Kita. Und es war die Hölle für mein Mutterherz.

Bereits beim Aufwachen hat er geweint und ließ sich auch mit nichts überreden. Er hat dort viele Freunde, aber nicht nur das, auch nette Erzieher. Im Moment sogar 3 davon, verteilt auf 12 Kinder.
Aber ohne Emma will er nicht gehen. Ich habe ihn bestochen, er würde einen Betonmischer bekommen, den er sich schon lange wünscht, so verzweifelt war ich irgendwann.
Mit diesem Versprechen ließ er sich dazu bewegen, mitzukommen, aber als wir in der Kita ankamen, war ihm sogar der Betonmischer egal, denn ohne Emma ist „alles blöd“.

Ich blieb noch ein Weilchen, redete mit ihm, aber es half alles nichts. Am Ende mussten sie ihn mir aus den Armen reißen, denn er wollte mich nicht loslassen. Er weinte bitterlich und herzzerreißend.
Ich fuhr in die Arbeit und vergoss ebenfalls ein paar Tränen auf dem Weg. Mein Mann hütete die kranke Emma.

Nach der Kita hielt ich mein Versprechen. Der Betonmischer ist der Knaller, er liebt ihn so sehr, dass er ihn gestern sogar mit ins Bett nahm. Und wir reden hier nicht von einem kleinen Modell, nein, das Ding ist riesig! Und er war teuer, sehr teuer, aber das ist unser Geheimnis, das darf Papa nicht wissen.

Nachdem er darüber so happy war, dachte ich, es würde heute Morgen besser laufen, aber es war leider das gleiche Szenario, es war fürchterlich… Obwohl er gestern laut eigener Aussage einen schönen Tag dort hatte. Trotz des geliebten neuen Spielzeugs.
Ohne Emma fühlt er sich allein. Obwohl er es nicht ist.

Die Frage ist nun, ob ich ihn morgen daheim lasse, bei mir und Emma (denn morgen bin ich dran) oder ob ich ihm zeige, dass er auch allein gehen und Spaß haben kann, ohne seine Schwester.
Damit er lernt, auch mal ohne sie etwas zu tun, ohne sie stark sein kann und nicht so auf sie fixiert ist.

Ich bin mir grad nicht sicher, was das Beste für ihn ist.

Ich dachte immer, dass die Bindung zwischen zweieiigen Zwillingen, noch dazu ein Pärchen, nicht zu stark sein würde.
Max und Emma sind so unterschiedliche Persönlichkeiten, mit ganz anderen Interessen, ganz anderen Gewohnheiten, Max ist ein typischer Junge, Emma ist ein typisches Mädchen. Das bedeutet sie spielen ganz anders, interessieren sich für ganz verschiedene Dinge.

Und trotzdem. Sie lieben und brauchen sich sehr. Sie sind immer beieinander und nie allein. Und das ist so wunderschön, es ist besonders, und ich bin stolz, Zwillinge zu haben.

Muss man nun diese besondere Bindung räumlich trennen? Spätestens in der Schule? Oder entwickeln sich Zwillinge trotzdem eigenständig und unabhängig, auch wenn man sie nicht trennt?

Ich bin mir nicht sicher, ganz und gar nicht…

11 thoughts on “Zwillinge – eine ganz besondere Bindung

  1. Diese Frage stelle ich mir auch immer wieder obwohl meine zwei Jungs erst 1 Jahr alt sind. Vor ein paar Wochen haben sie sich oft gegenseitig wach gemacht nachts und ich War drauf und dran sie räumlich zu trennen damit jeder seinen Schlaf bekommt. Dann war es auf einmal wieder vorbei.
    Ich weiß es sind zwei völlig verschiedene Menschen und trotzdem finde ich es schön, wenn sie mit enger Bindung aufwachsen. Da bin ich vielleicht auch egoistisch aber entgegen der vielen Ratschläge , sie doch zu trennen , schlafen sie weiterhin in einem Raum und ich denke , das es ihnen damit zumindest nicht schlecht geht…

  2. Ich habe auch Junge/Mädchen (5 Jahre) und würde meine Beiden genauso beschreiben. Sehr individuell, typische Junge, typisch Mädchen. Im Kindergarten sind sie zusammen in einer Gruppe, inzwischen gehen sie dort individuell ihren eigenen Weg.
    Trennung käme für mich nicht in Frage.
    Das Thema ein Kind krank und Kita und das andere nicht hatten wir hier auch im gleichen Alter. Ich habe ihnen ihr Tempo überlassen. Heisst, wollte Zwilling 1 bei Zwilling 2 bleiben, weil Zwilling 2 krank, dann habe ich das so akzeptiert.
    Heute ist das überhaupt gar kein Thema mehr. Schon länger gehen sie auch mal getrennt wohin. Und ich glaube fest, dass es darum so ist, weil ich damals eben die Akzeptanz hatte und ihnen “erlaubt” habe, sich zu brauchen.
    Kinder wissen so unglaublich intuitiv, was sie wollen und brauchen.

  3. Das ist ja wirklich herzzerreissend! Und ich denke nicht, dass man Zwillinge räumlich trennen muss, um ihnen besonderen Raum zur Entfaltung zu geben. Den holen sie sich schon von selbst, früher oder später.
    Meine Erfahrung berufen sich dabei weniger auf meine eigenen Zwillinge (erst 1 Jahr alt, ohnehin bis dato kaum getrennt), sondern auf das Zwillingspärchen meines Bruders (inzwischen 10 Jahre alt), auch ein Junge und ein Mädchen. Sie sind immer noch in der gleichen Schulklasse und haben somit einen großen Teil ihres Alltags gemeinsam, aber sie haben sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Hobbies, Freunde und Interessen angeeignet. Und sind sind auch sehr eigenständige Charaktere geworden, auch wenn sie als Kleinkinder natürlich sehr eng miteinander verwoben waren. Ich denke, das bringt die Zeit einfach von selbt, eine gewissen “Abnabelung” voneinander – die besondere Verbindung bleibt darüber dennoch erhalten.

  4. Ich habe gerade ein ähnliches Problem. Meine kleinen Zwillingstöchter sind erst 3 und wollen nichts alleine machen. Aber ich denke, es wird sich von alleine regeln.
    Aber eng verbunden werden die meisten Zwillinge immer bleiben.

  5. Es ist schön, dass sich die Kinder nahestehen. Es ist eine wertvolle Beziehung, die die beiden haben. Jene durch unterschiedliche Klassen zu trennen, ist nicht nötig, da die Kinder lernen müssen, zu zweit und trotzdem ein “Ich” zu sein. Durch erzwungene Trennung in Kindergarten oder Schule erreicht man das nicht. Unsinn.
    Ich unterrichtete vor drei Jahren Zwillinge in einer Klasse. Sie waren stolz darauf, gleich zu sein und legten viel Wert darauf, dass man auch ihre Unterschiede erkennt. Und in Ethik hatte ich Klasse 6 und 7 gemeinsam: so kam zu den Zwillingen auch noch die jüngere Schwester ins gleiche Klassenzimmer.
    Es war eine Bereicherung für alle.
    Max muss gerade lernen, dass er auch ohne seine liebe Schwester wertvoll ist. Unterstütze ihn, bestärke ihn und mache ihm Mut auf die Kindergartengruppe. Er schafft
    das. Für sich und seine Emma.
    Viel Glück

  6. Man will immer das Beste für seine Kinder… und trotzdem kann man sich nie ganz sicher sein dass es das Richtige ist…
    Ich hatte nie einen fixen Vorsatz ob Trennen oder nicht, und als im September der Kiga begonnen hat haben wir uns für getrennte Gruppen entschieden. Zum einen weil der ‘Große’ ganz gern das Kommando übernimmt und seinen Bruder nie zu Wort kommen lässt, zum anderen weil sie einzeln einfach irgendwie anders sind und wir jedem die Möglichkeit geben wollten seine eigenen Freunde zu finden.
    Entgegen unseren Erwartungen tut sich nun unser ‘Kleiner’ deutlich leichter. Ihm gefällt es dass er mal eigene Geschichten zu erzählen hat und seine eigenen Tanten genießen kann. Sein Bruder weint manchmal weil er seinen Zwilling braucht, und mir blutet das Herz.
    Mein Mann meint es ist besser er lernt jetzt sich alleine in einer Gruppe zu behaupten als später… Mal sehn wie lang mein Mutterherz sich das anschaut.

  7. Hm unsere Zwillinge sind zwar inzwischen schon 14., aber an diese Situationen kann ich mich noch zu gut erinnern. Wir haben es dann doch meistens durchgesetzt, dass sie auch mal getrennt sind, eben grad bei Krankheit, ich fand es irgendwie schon wichtig und es tut ihnen doch auch mal gut, mal die alleinige Aufmerksamkeit zu bekommen. Allerdings haben wir unsere ab Schulbeginn auch in den Klassen getrennt, dass sie eben auch mal alleine wahrgenommen werden und sich verschiedene Freunde suchen … (allerdings sind unsere eineiig). Und sie sind trotzdem immer noch sehr verbunden, find ich immer wieder aufs neue faszinierend …

  8. Hallo Katrin
    Ich habe selber eine zweieiige Zwillingsschwester. Als wir klein waren, waren wir auch unzertrennlich & wollten gar nicht ohne die andere Person sein. Doch als wir in die Schule kamen, wollte die Schule uns nicht trennen (das sollte heutzutage aber kein Problem mehr sein). Ich glaube es ist besser, wenn man Zwillinge in der Schule trennt, denn es besteht immer ein Druck, das der/die andere besser ist in der Schule. & man hat auch nicht eigene Freunde, man hat gemeinsame Freunde. (was ich nicht so toll finde…)
    Das war schlussendlich dann auch der Grund, das wir dann doch ab dem 6. Schuljahr “getrennte Wege” (Parallelklasse) gehen durften. Am Anfang war es sehr schwer, denn ich (ich kann nur aus meiner Sicht sprechen) hab das noch nie gemacht. Ich war noch nie “alleine” (ohne Schwester).
    Ich glaube diese Eifersucht die wir bis anhin hatten (die besteht immer), hat unsere Beziehung zueinander ein bisschen zerstört, denn das danach folgende Schuljahr wollten wir gar nichts voneinander wissen. Danach ging es dann wieder bergauf. 🙂
    Ich kann nur sagen, ich bin froh diesen Schritt gemacht zu haben, auf eigenen Beinen zu stehen, denn das brauche ich auch im späteren Leben. Und umso früher die Kinder das Lernen, desto eigenständiger werden sie.
    Ich wünsche dir viel Spass mit deinen Kindern & es kommt schon alles Gut :))

  9. Mir treibt es gerade die Tränen in die Augen, weil mich dein Beitrag so berührt….

    Ich bin Ende 16. SSW und mache mir auch jetzt schon viele Gedanken, wie es später mal mit meinen Zwillingen sein wird.

    Deine Beiträge sind so toll geschrieben, dass man richtig mitfühlen kann.

    Einen schönen 3. Advent für dich und deine Familie
    wünscht Jana.

  10. Hallo Katrin,
    ich habe 2 Jungs 5 Jahre alt und kenne das “Problem”…ist der eine mal krank, will der andere auch nicht in den Kindergarten :-)…manchmal bestehe ich drauf, dass der andere trotzdem geht, aber ein Kampf ist es jedes Mal und manchmal wähle ich auch den einfacheren Weg und lass den anderen auch zu Hause. Vielleicht muss ich noch erwähnen, dass beide sowieso nicht gerne in den Kindergarten gehen. Im ersten Jahr MUSSTEN wir sie trennen, das hat uns der örtliche Kindergarten vorgeschrieben (“Wir machen das immer so und es gibt keine Ausnahme”), im zweiten Jahr haben wir dann den KG gewechselt, dann konnten Sie beide in der gleichen Gruppe zusammen sein. Ausserhalb des Kindergartens haben die beiden gemeinsame, aber auch eigene Interessen…Einer der beiden spielt gern Fussball, der andere nicht, der andere interessiert sich dafür für Karate…. und gehen dort auch alleine – ohne den Bruder – hin. Sie haben auch unterschiedliche Freundschaften geschlossen und wir haben Zeiten eingerichtet in denen wir mal im Team Mama mit dem einen Kind und Papa mit dem anderen Kind und andersherum was unternehmen und dann wieder mal alle zusammen. Eine sehr nette afrikanische Mutter von einem anderen KG-Kind hat mir neulich auf meine Zweifel bezüglich “beide Kinder in diesselbe Klasse oder in getrennte Schulklassen schicken” schlicht geantwortet: “Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen”! Ich finde das einen sehr schönen Gedanken.
    Ganz liebe Grüsse aus Norditalien Claudia

  11. Hallo liebe Zwillingsmama,

    meine Jungs sind eineiige Zwillinge und werden im nächsten Monat schon elf Jahre alt! Unglaublich, wie die Zeit rennt…
    Wir hatten sie im Kindergarten in getrennten Gruppen, das wurde uns von der Kita-Leitung so empfohlen (aber kein Muss!). Wir hatten zum Glück nie Probleme damit. In der Schule dann das Gleiche. Da hatten wir Eltern befürchtet, im absoluten Chaos zu versinken, weil jeder Lehrer anders vorgeht, aber an unserer Schule wurde das sehr gut gehandhabt. Ich muss dazu sagen, dass in dem Jahrgang vier Zwillingspaare eingeschult wurden, und sich die Schulleitung darauf eingestellt hat. Die Kinder haben ganz viel zusammen erlebt (viele Ausflüge, Klassenfahrt, Projekte…), aber eben auch den Schulalltag ganz individuell, jeder für sich.
    Im Nachhinein kann ich nicht sagen, dass die Trennung bei meinen beiden von erheblichem Vorteil war. Sie verbringen noch immer die meiste Zeit zusammen, haben gemeinsame Freunde und sind sich selbst genug. Nachteilig war es aber auch nicht.
    Nun kommen sie im September aufs Gymnasium, beide in eine Klasse. Ich sehe keinen Vorteil in einer Trennung, im Gegenteil.
    Meine beiden brauchen sich, sie schlafen seit jeher in einem Bett – es ist die größte Strafe überhaupt, wenn sie in getrennten Betten – und Zimmern! – schlafen müssen!
    Ich glaube auch nicht, dass man grundsätzlich eine falsche Entscheidung diesbezüglich treffen kann. Immer aus dem Bauch heraus, wenn es dann doch nicht funktionieren sollte, gibt es auch immer eine Möglichkeit, die Situation zu ändern.
    Ganz liebe Grüße
    Sabine

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