Hochsensible Kinder

Ich habe vor circa 1,5 Jahren durch Zufall erfahren, dass ich hochsensibel bin. Ich habe bei einer Bloggerkollegin gelesen, was die Symptome beziehungsweise die Eigenschaften dieser Veranlagung sind.
Ich weiß jetzt, warum ich mich ständig zurückziehen muss und sehr viel alleine sein will.
Ich weiß jetzt, warum ich auf Lärm und zusätzliche laute Einflüsse von außen, extrem gereizt reagiere. Warum ich fast wahnsinnig werde, wenn mehrere Menschen gleichzeitig reden. Ich weiß, warum ich zu Depressionen neige und warum ich starke Verlustängste habe. Warum ich extrem emphatisch bin und und mit anderen Menschen sehr mitleide, generell sehr tiefe Emotionen empfinde.  Ich weiß jetzt, warum ich so ordentlich bin und einen Putzfimmel habe, warum alle Dinge ihren festen Platz haben müssen in der Wohnung. Warum ich einen starken Gerechtigkeitssinn habe. Warum ich ein sehr ängstlicher Mensch bin und mit Veränderungen sehr schlecht umgehen kann. Warum ich alles um mich herum sehr stark wahrnehme, alles sehe, manchmal Dinge voraus sehe. Die Liste ist noch länger. Aber um mich soll es hier eigentlich nicht gehen.

Sondern um den Menschen, an den ich meine Hochsensibilität vererbt habe. Um Emma.Max ist es auch ein wenig, aber lange nicht so ausgeprägt wie Emma. Wenn die Hochsensibilität ein Tornado wäre, könnte man sagen, dass der Tornado Max nur leicht gestreift hat, und Emma ihm genau ins Auge gesehen hat.

Alle Eigenschaften, die ich nun beschreibe, sind allesamt klassisch für hochsensible Kinder.

Emma ist sehr impulsiv, entweder himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt. Das heißt, sie hat starke Gefühlsschwankungen und Gefühlsausbrüche. Wenn man sie unter Druck setzt, kann sie todtraurig, jähzorning oder aggressiv reagieren.

Sie verzweifelt schnell, wenn man sie nicht versteht oder wenn ihr etwas nicht gelingt. In Überreizungszuständen überdreht sie total und findet kein Ende mehr. Wenn sie leidet, ist es sehr dramatisch. Sie ist einfühlsam, mitfühlend, zeigt große Dankbarkeit und einen starken Gerechtigkeitssinn. Sie erschrickt schnell und ist lichtempfindlich. Sie ist ein schlechter Schläfer und braucht sehr lange zum Einschlafen.

Sie nimmt Konflikte in ihrem Umfeld intuitiv war, ist davon schnell verängstigt, braucht Harmonie. Sie reagiert sehr stark auf Stimmungen anderer und adaptiert diese. Sie denkt komplex und stellt viele Fragen. Sie braucht sehr viel Körperkontakt und Aufmerksamkeit. Sie hat gar keine Frustrationstoleranz. Sie ist kreativ.

Ständig muss sie sich versichern, dass ihre Beziehung zu den wichtigsten Bezugspersonen noch aktiv ist. Das heisst in ihrem Fall, dass sie mir mehrmals am Tag sagt, dass sie mich lieb hat. Dass sie mit personellen Veränderungen im Kindergarten gar nicht klar kommt, einen sogenannten erhöhten Betreuungsbedarf hat.

Ich lese gerade das Buch “Hochsensible Mütter” von Brigitte Schor. Zwei Absätze möchte ich hier zitieren, da sie zu 100% auf Emma und mich zutreffen, Tatsachen, die mich jeden Tag beschäftigen:

” Während normal sensible Kinder bereits selbstständig nach draußen spielen gehen, braucht Ihr besonderes Kind noch Ihre Anwesenheit, um sich sicher zu fühlen. Ihr Kind begnügt sich nicht damit, dass Sie einfach nur herum sitzen, sondern möchte auf Sie als Spielgefährtin zurück greifen können, obwohl andere Kinder da sind. ”

“Es kommt vor, dass Sie sich als hochsensible Mutter mit Freude und Begeisterung in eine Aktivität mit Ihrem Kind stürzen, anfangen zu basteln, zu backen oder Ähnliches, und ganz plötzlich wird Ihnen alles zu viel. Eventuell leiden Sie darunter, wenn Sie merken, dass Ihr Kind eine gewisse Vorsicht Ihnen gegenüber entwickelt, weil es die Erfahrung gemacht hat, dass Sie als Mutter von jetzt auf gleich angespannt, ungeduldig und gestresst sind. Dieser plötzliche Wechsel von Freundlichkeit und Nähe hin zu Schroffheit, Rückzug und Distanz wirkt sehr verunsichernd auf Ihr Kind.”

Es ist schwierig für mich, so vielen Ansprüchen gerecht zu werden und gleichzeitig auf Emmas besondere Bedürfnisse einzugehen. Ich liebe sie abgöttisch und will sie nur glücklich sehen, reagiere aber durch meine eigene Hochsensibilität oft falsch und unangebracht. Es ist keine Krankheit, nur eine Veranlagung, aber diese muss man ernst nehmen und dementsprechend reagieren und erziehen. Und das ist nicht einfach.

4 thoughts on “Hochsensible Kinder

  1. Ich danke auch für diesen Artikel und auch für den Buchtipp!! Ich bin definitiv auch hochsensibel. Wie du dich beschrieben hast, passt 1 zu 1 auch auf mich. Mir wurde es erst kürzlich wirklich klar, das sich hochsensibel bin, als ich auch bei einer Bloggerin darüber gelesen habe. Bis dahin dachte ich, ich bin halt etwas eigen bei manchen Dingen, ist halt Charaktersache. Dass diese Veranlagung definiert wird und besonderer Beachtung bedarf, wusste ich nicht. Nun fange ich langsam an mich damit zu beschäftigen und bin froh, dass auch andere Menschen darüber sprechen und, dass es so viele Informationen dazu gibt.
    Alles Gute!!!

  2. Hallo Zwillingsmama!Ich hoffe ihr seid durch mit der Krankheitswelle!
    Ja, als hochsensible Zwillingsmutter steht man vor noch größeren Herausforderungen als sowieso schon. Aber ich sehe es als Geschenk. Auch wenn es uns häufig an unsere Grenzen bringt, gibt es uns eine andere Sicht auf die Welt. Alleine das Wissen darum lässt dich ganz anders auf deine Kinder eingehen. Mir wurde als Kind immer gesagt wie kompliziert ich bin. Ein Satz den ich nie weitergeben werde.
    Ich finde deine Berichte immer besonders, mutig, einfühlsam und freue mich immer von dir zu lesen! Liebe Grüße Milla

  3. Ihr sprecht mir aus der Seele! Ob es mit der Hochsensibilität tatsächlich auf mich zutrifft, weiß ich nicht genau. Einige beschriebene Merkmale erkenne ich zwar, dennoch bin ich mir nicht sicher.
    Ich finde deine und auch die Ehrlichkeit der Mitleserinnen sehr beruhigend und es tut gut zu wissen dass ich nicht alleine bin!
    Tausend dank!

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