Nachtrag

Nachdem ich so viele liebe Kommentare und Emails bekommen habe zu meinem „Emma Kita Problem“ und sich alle Zeit genommen haben, mir Ratschläge zu geben und Mut zu machen, möchte ich heute kurz berichten, was der Stand der Dinge ist.

Die Kurzfassung ist: es hat sich nichts getan. Weder hat sich Emmas Verhalten gebessert, noch ist ihre Angst oder meine Verzweiflung weniger geworden.

Seit fast 4 Wochen geht der Spuk nun schon und seit 2 Wochen wird einfach nicht mehr darüber gesprochen. Kein Kommentar seitens der Erzieher, kein Kommentar von mir beim Abgeben. Wir hatten ausgemacht, ein bisschen abzuwarten, ob es sich von selber legt. Und das tut es nicht.
Letzter Stand beim 2.Elterngespräch war, dass Anton versucht, mehr mit Emma zu spielen, zu zweit, um das Vertrauen wieder aufzubauen. Ich weiß nicht, ob er das tut, aber er selber sagte mir erst, dass Emma „ja so gerne mit ihm spielt und malt“. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen.
Mit wem soll ich denn auch darüber reden? Seit 2 Wochen scheint sich ja keiner mehr dafür zu interessieren!

Die Kita Erzieher scheinen eine verschworene Truppe zu sein, die sich einfach ihr eigene Meinung gebildet hat:
Emma ist ja emotional nicht einfach. Sie ist ja soooo schnell beleidigt, da kann man ja nichts machen. Diese Emma.
Und ich als Mutter bin ja auch Schuld, weil ich Emmas Ängste zulasse, Emma spürt meine Unsicherheit, ich übertrage diese ja auf sie… blablabla. Ich kann diesen Schwachsinn nicht mehr hören!
Wenn ihr wüsstet, wie tough ich beim Abgeben mittlerweile bin!

Zu Hause tröste ich sie, ja. Wenn sie plötzlich wie aus dem Nichts zu weinen anfängt und mir sagt, wie sehr sie mich vermisst in der Kita und dass sie nicht hin will, dann kuschle ich mit ihr und sage immer wieder, dass es in der Kita doch so schön ist, alle sie lieb haben etc etc. Das mache ich zu Hause, damit sie weiß, dass ich für sie da bin.
Beim Abgeben versuche ich aber, es so kurz wie möglich zu machen. Also woher möchten diese angeblich pädagogisch geschulten Menschen denn wissen, dass ich daran Schuld habe? Warum sich nicht mal an die eigene Nase fassen und erfragen, was man tun könnte, damit es DEM KIND besser geht? Sollte denn nicht DAS KIND im Mittelpunkt stehen? Komisch zum Beispiel, dass jeder Erzieher und Praktikant in unserer Gruppe mal Frühdienst und mal Spätdienst hat. Der Einzige, der wirklich IMMER morgens da ist, ist Anton.

Ich denke seit Wochen über kaum etwas anderes nach, ich bin total in mich gekehrt und habe die Vorwürfe der Kita ernst genommen. Ich habe mein Verhalten hinterfragt, jeden Tag. Habe mir Gedanken gemacht, was ich bei Emma falsch gemacht habe. Bin ich Schuld daran, dass sie kein Nein akzeptiert, dass sie alles als Schimpfen bezeichnet, dass sie so schnell beleidigt ist?
Ich habe die Schuld bei mir gesucht und indirekt bei Emma, weil man es mir gesagt hatte. Ich habe an mir gezweifelt und mich total verstellt. Schlussendlich dachte ich, dass Emma in Wirklichkeit nur mich vermisst, und dieses negative Gefühl auf Anton projiziert hat. Dass es in Wahrheit gar nicht um ihn geht, sondern um mich. Dass Emma starke Trennungsängste hat und ich vielleicht doch mal zum Kinderpsychologen gehen sollte.

Und heute Morgen hatte ich den Beweis dafür, dass mein ursprüngliches Bauchgefühl richtig war und immer noch ist!

Emma weint wieder, als wir uns anziehen um los zu fahren, sie weint bitterlich und herzzerreißend.
Als wir in der Kita angekommen sind, guckt sie durch die Glastür in den Gruppenraum und kommt freudestrahlend zu mir gelaufen.
Ich bin um die Ecke an der Garderobe und verstaue frische Wechselsachen in ihrem Beutel. Sie lacht über das ganze Gesicht! Anton ist nicht da! Sie läuft sie an mir vorbei den Flur entlang. Sie guckt in jeden Raum, sucht anscheinend jemanden. „Was ist denn, Emma, wen suchst du denn?“ frage ich.
„Ich gucke nur, ob Anton wirklich nicht das ist. Ich freu mich so.“

Wir gehen in den Raum, sie gibt mir einen Kuss und fängt an zu spielen. Total happy. Sie ist meine alte Emma, als ob die letzten 4 Wochen nicht existiert hätten. Heute war zum ersten mal kein Anton beim Abgeben anwesend. Heute musste man sie mir nicht weinend aus dem Arm reißen.

Und ich bin sauer. Sauer auf mich selbst, dass ich an mir und an meiner Tochter gezweifelt habe. Sauer auf die Gruppenleiterin, die denkt, sie hätte Psychologie studiert und wüsste über alles und jeden Bescheid!
Ich stand an der Garderobe, als Emma entdeckte, dass er nicht da ist. Ich wusste das nicht. Ich konnte also keine Gefühle auf Emma übertragen, da sie ihr eigenen Gefühle zuerst gezeigt hat.

Ich bin zwar genauso ratlos wie zuvor, denn morgen wird Anton wieder da sein. Aber ich weiß jetzt wenigstens, dass mein Bauch mir immer die Wahrheit sagt. Und meine Tochter auch!

Es liegt an ihm. Und NUR an ihm!

Wir schaffen das, mein Maus. Ich weiß noch nicht wie, aber wir schaffen das!

11 thoughts on “Nachtrag

  1. Also ganz ehrlich, wenn du dir so sicher bist und ich an deiner Stelle wäre das spätestens heute, würde ich massiv Druck machen oder sie notfalls aus der Kita nehmen. Ich arbeite auch, 80% in einem anspruchsvollen Job und das ist organisatorisch alles andere als leicht, ich weiß das. Aber lieber wäre ich arbeitslos als meine Tochter da weiter hingehen zu lassen wo sie doch offensichtlich ANGST hat!!! Ich drück dir die Daumen und hoffe sehr das Du in irgend einer Form etwas erreichen kannst, deine Tochter sollte nicht länger Angst haben müssen… Glaube an sie!

  2. Liebe Zwillingsmama
    Ich glaube, was ich machen würde ist folgendes: Ich würde mir einen morgen frei nehmen. Emma (und auch Anton) nichts davon sagen und einfach mal in der Kita bleiben und beobachten. Somit siehst du ja live, wie Emma sich fühlt.
    Ich finde es wichtig und gut, dass du Emmas Gefühle ernst nimmst.
    Es kommt schon alles gut!
    Liebe Grüsse aus NYC,
    Annette

  3. Das klingt ganz und gar nicht gut und ihr Verhalten hat so wie du es geschildert hast dann auch nichts grundlegendes mit dir zu tun. Kannst du es irgendwie einrichten, sie etwas im Kindergarten zu beobachten? Es hört sich wirklich irgendwie nach Angst an und da muss doch etwas gewesen sein. Sprichst du die Erzieherinnen jetzt noch einmal darauf an? Mich würde die Situation auch innerlich zerreissen…

  4. Eine Kita kostet Geld.
    Eine Kita in München kostet sehr viel Geld.
    Ihr bezahlt zwei Plätze.
    In Bayern sagt man: Wer zahlt, schafft an!
    Was ich damit sagen will ist, dass es vielleicht doch Zeit wird, etwas bestimmter auf den Tisch der Leiterin zu klopfen! So kann das doch wirklich nicht weitergehen, das ist ja richtig schlimm! Ihr tut mir leid.
    Herzliche Grüße von der großen roten Frau

  5. Liebe Katrin,

    das würde mir an deiner Stelle auch wirklich Angst machen!!! Ein Kind hat nicht grundlos solche Angst. Man will ja niemandem etwas unterstellen, aber wenn Emma so krass reagiert, fallen mir da auf Abhieb ganz viele schreckliche Geschichten ein…
    Es sieht ja auch nicht so aus, als würde sich das Problem von selber lösen.
    Ich würde folgendes tun:ich nehme mal an, einen anderen Kita-Platz werdet ihr so auf die schnelle nicht bekommen. Wie sieht das aus, ist das eine städtische Kita? Wenn ja, hättest du sicher die Möglichkeit über das Jugendamt Hilfe von einem Heilpädagogen/Psychologen zu bekommen. Versteh das nicht falsch, ich meine nicht, das Emmas Verhalten fragwürdig ist, sondern es wäre jemand neutrales, der dir im “Kampf” mit der Kita-Leitung zur Seite steht.
    Emma hat ganz sicher keine zu großen Trennungsängste, sowas äußert sich in einer ganz anderen Dimension, also lass dich da nicht verrückt machen!
    Falls die Möglichkeit nicht besteht, würde ich wenn möglich mir auch frei nehmen und das ganze Geschehen in der Kita einmal beobachten.
    Alles keine richtigen Lösungen, ich weiß…..
    Aber vielleicht ein Ansatz?

    Ganz liebe Grüße, Daniela

  6. Liebe Katrin,

    ich bin eher eine stille Leserin aber seit dem ich den Vorfall von Emma gelesen habe, musste ich dir einfach schreiben.
    Ich bin im letzten Jahr meiner Erzieherausbildung und das Verhalten von Emma erinnert mich an mein Praktikum in einer Kita.
    Ich war noch nicht lang in diese Kita tätig, da bemerkte ich schon, dass eine Erzieherin einen autoritärer Erziehungstil an den Kindern ausführte. (Bestrafungen, Beschimpfungen….) was meiner Meinung ein NO GO ist.
    Viele Kinder weinten, als sie in die Gruppe der Erzieherin musst, mir brachte es Bauschmerzen, die Kinder so leiden zu sehen aber ich als Praktikantin konnte nichts machen! Wurden die Kinder aus der Gruppe abgeholt, war sie freundlich und lieb zu den Kindern aber sobald die Eltern weg waren wurde sie zu einer Erzieherin, die den Kindern Angst machte.
    Ich möchte dir keine Angst machen aber ich als “Mutter” würde mein Kind vill. ohne das jemand es weiß beobachten, zeig Emma, dass du sie versteht und das du ihr Bestes willst! Spreche vill mit beiden deiner Kinder über den Kita- Alltag. Sie gehen ja beide in die gleich Gruppe. Jedes Kind reagiert anders auf andere Mensch und Emma ist wie es aussieht sehr sensible. Aber ein steht fest Kinder sagen immer die Wahrheit!
    Ich hoffe, dass Ihr beide du und Emma bald mit einem sicheren Gefühl in die Kita geht und sie wieder freunde dran findet.

    Liebe Grüße Ina

  7. Liebe Katrin,
    ich kann dich nur ermutigen, dran zu bleiben und nicht auf zu geben.
    Emma hat Angst, der Grund in Person von Anton hat sich bestätigt. Kein Kind kann Erwachsene so an der Nase herumführen, nur weil es jemand einfach nicht mag. Schließlich ist dieser Anton ja nicht alleine in der Gruppe. So hätte sie – wenns nur an rein ” ich mag den einfach nicht” liegen würde – ja noch andere Erzieherinnen. Lass Emma vielleicht mal ein Bild malen von sich und dem Kindergarten … So Scheinen Kinder sich ja auch gut mitteilen zu können.
    Wenn die Leiterin der KiTa dich und vor allem Emma nicht ernst nimmt, dann Wende dich an den Kindergarten Träger und bitte dort um Hilfe. Oder zumindest “drohe” der Leiterin damit, wenn sie sich nicht bemüht der Ursache auf den Grund zu gehen, du weitere Schritte einleiten wirst.
    Oder Wende dich an das Jugendamt und Frage nach Hilfe wie du Vorgehen solltest.
    Eine andere , außergewöhnliche Möglichkeit – hört sich vielleicht zu sehr nach TV an – Privatdetektive einschalten. Vielleicht findest du jemand, der jung genug ist um da mal als Praktikant nach dem rechten zu sehen.
    Ich hoffe dass irgendwas dabei ist, was deine Gedanken neu ordnen hilft. Ich drücke ganz fest die Daumen!
    Ich befürchte das Emma sich erst wieder wie vorher verhält wenn dieser Anton nicht mehr in ihre Nähe kann.

  8. Spielt ind malt Emma wirklich jetzt mit Anton? Das würde ich erst mal nicht zulassen, sprich untersagen, und das so lange, wie Emma das nicht von sich aus heraus möchte!

    Solange das Kind keine Nähe zu Anton wünscht, sprich einverstanden und angstfrei ist, muss das respektiert werden von der Kita(Leitung). Alles Liebe von Sonne

  9. Hallo Katrin,
    hast Du Dich schon an den Elternbeirat des Kindergartens gewandt? Der ist doch genau für solche Probleme da. Vielleicht haben die Leitung und Du über die Vermittlung des Elternbeirats die Möglichkeit ins Gespräch zu kommen und eine gemeinsame Lösung zu finden.
    Ich wünsche Emma und Dir alles Gute!

  10. Liebe Katrin,
    es tut mir wahnsinnig leid, dass bei eurem Problem noch keine Besserung eingetreten ist – und ich fühle so sehr mit dir und deiner kleinen Emma!
    Ich hatte vorher schon meinen Senf dazu gegeben, als du das erste Mal von den Problemen berichtet hattest (meine acht Monate alten Zwillinge, der Junge so völlig anders als mein kleines sensibles Mädchen, blablabla…).
    Gute Ratschläge kann ich dir leider keine geben, ich wünsche euch nur von ganzem Herzen, dass sich bald eine Lösung für euch findet!
    Und vor allem möchte ich dir ans Herz legen, die Schuld wirklich nicht bei dir zu suchen. Meine Tochter ist ja noch so klein – und sie war schon immer so, genau wie mein Sohn. Sie sind einfach schon als kleine Persönlichkeiten zur Welt gekommen. Als wir die Probleme hatten, dass für meine Kleine in unserem PäPKi-Kurs die Welt unterging, habe ich mich vor den anderen Müttern tatsächlich irgendwie geschämt… Ich dachte: jetzt denken alle, ich habe irgendetwas mit meiner Tochter falsch gemacht, dass sie sich so anstellt… Aber dann dachte ich: mein Sohn ist doch so völlig anders! Daran sieht man doch eigentlich, dass es nicht an mir liegen muss. Denn ich gehe zwar so gut wie möglich auf jeden ein, aber ich behandle sie ja auch nicht völlig unterschiedlich.
    Ich denke, dass meine Tochter – genau wie deine kleine Emma – genau richtig ist wie sie ist, diese kleine besondere und sensible Persönlichkeit. Ich finde diese Charakterzüge im Prinzip sogar schön, nur werden die sensiblen Mäuschen es damit leider immer schwer haben in ihrem Leben.
    Ich wünsche dir bzw. euch alles erdenklich Gute!!!

  11. Jede kita ist organisatorisch einer sog stadtquartiersleitung unterstellt. Bitte wende dich umgehend an diese.
    Wer das für deine kita ist, kann dir auch das Rathaus sagen.
    Ich würde nicht mehr mit der Leitung reden, sondern sofort jemanden von weiter oben mit einbeziehen.
    Ich bekomme schon Beklemmungen, wenn ich das lese.
    Ich würde meine beiden Mädls (zwillinge 4 Jahre alt, München) da nicht mehr abgeben.
    wer auch immer dieser Anton ist, er tut deiner Tochter ganz und gar nicht gut.
    Passt auf euch auf!

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