Terror am Morgen verbreitet Kummer und Sorgen

Manchmal kann man so gut vorbereitet und ausgeglichen sein wie man möchte. Und es kommt trotzdem alles anders als man denkt.

Mein Mann ist auf Geschäftsreise. Und ich organisiere mich, damit der Morgen reibungslos abläuft. Bevor ich die Kinder wecke, steht bereits das Frühstück auf dem Tisch. Die Outfits der Kinder liegen bereit, als auch die Zahnbürsten und Emmas Haarspangen. Sogar ein kleiner Legoturm ist aufgebaut, damit die Kinder sofort anfangen können zu spielen und begeistert weiter bauen. Ich bin angezogen und geschminkt, kann also los gehen.

Ich wecke die Kinder um 7Uhr und alles läuft reibungslos, wir spielen, frühstücken und sind guter Laune.

Danach wird es langsam Zeit fürs Anziehen. Es ist 7.30Uhr. Emma möchte jetzt aber lieber „Party spielen“. Das bedeutet, dass auf dem Boden eine Decke ausgebreitet wird, auf der das Kindergeschirr, alle Zutaten aus dem Verkaufsladen und mehrere Servietten ausgebreitet werde. Mama muss meistens auch noch Luftballone aufpusten und dann spielen wir „Geburtstagsparty“. Ein sehr kreatives und lustiges Spiel, dass sich meine Mäuse irgendwann mal ausgedacht haben. Aber es ist auch ein sehr zeitintensives Spiel, und das bedeutet, dass wir es morgens an einem Werktag ganz sicher NICHT spielen können.

Ich erkläre. Ich verspreche, es nach der Kita zu spielen. Ich bleibe ganz ruhig, auch wenn jetzt gebockt wird und Emma und Max mir die Kindertüre vor der Nase zuknallen und einfach loslegen wollen, trotz der mehrfachen klaren Ansage meinerseits.

Ich werde ein kleines bisschen strenger und zum Glück ist wenigstens 1 Kind brav und fängt an sich anzuziehen. Max denkt nicht mal dran. Emma ist bereits fertig angezogen und kämmt sich selbst die Haare. Max weigert sich strikt und ignoriert, dass ich ihn mittlerweile 12x (ja, ich habe mitgezählt!) gebeten habe, sich endlich anzuziehen, gerne auch mit meiner Hilfe. Er versteckt sich im Kinderzimmer unterm Tisch.

Emma ist komplett fertig und ich auch – mit den Nerven!

Jetzt kommt das obligatorische „Ich zähle jetzt bis 3! Und wenn du dann nicht zu mir kommst und dich anziehen lässt werde ich stinksauer und wir werden uns streiten! Willst du das??“

Ich zähle bis drei – Emma zählt mit – aber Maxi kommt nicht.

Mit platzt nun der Geduldsfaden. Ich habe alles versucht, um uns einen schönen Morgen zu ermöglichen, aber jetzt gehen meine Nerven mit mir durch. Erstens muss ich in die Arbeit. Und zweitens gibt es Grenzen, die Max einfach schon im Übermaß überschritten hat.

Ich greife ihn mir, trage ihn ins Wohnzimmer und fange an, ihm den Schlafanzug auszuziehen. Er wehrt sich, weint. Ich schreie ihn an, was das soll und warum er sich so aufführt. Emma ist so empathisch, dass sie mitweint. Nun weinen also beide Kinder und ich weine innerlich mit. Ich bin enttäuscht und frustriert und wütend auf meinen Sohn, der aus einer so simplen Sache ein so großes Ding macht.

Max steigert sich total hinein und hört gar nicht mehr auf zu weinen. Er schreit mich an, tritt nach mir. Vor Wut wirft er seine drei Legotürme um, an denen er 15 Minuten lang gebaut hat. Ich lasse ihn sich kurz alleine ausweinen, beruhige Emma. Dann setze ich ihn mir auf den Schoß und erkläre, warum ich so sauer geworden bin. Wir halten uns im Arm und kuscheln und vertragen uns wieder.

Max ist verzweifelt, weil er die Türme umgeworfen hat. Während ich ihm die Zähne putze, verspreche ich, dass wir nach der Kita weiterbauen.

Ich räume schnell die Küche auf und dann gehen wir.

Im Auto auf dem Weg zur Kita ist alles wieder in Ordnung – in SEINER Welt. Wir reden, hören Musik und machen an der Garderobe der Kita ein wenig Quatsch. Ich verabschiede mich und sage beiden noch, wie lieb ich sie habe.

Zurück bleibt eine total traurige Mama auf dem Weg zur Arbeit, die jedes Detail hinterfragt und der es so leid tut, dass sie nicht kompetenter reagieren konnte.

Der es leid tut, dass bereits morgens so viele Tränen liefen.

Die sich wie eine Rabenmutter fühlt.

8 thoughts on “Terror am Morgen verbreitet Kummer und Sorgen

  1. Ich habe keine Ahnung, ob Dich das interessiert – aber ich glaube, dass das doch gut gelaufen ist. Also, vor allem der Schluss. Ich habe noch keine Erfahrungen mit solchen Situationen, meine Mäuse sind fünf Monate alt. 🙂 Ich finde die Erklärung, das Versöhnen und das Versprechen, alles wieder gemeinsam aufzubauen sehr rührend. Auch Mama ist halt doch “nur” ein Mensch…

  2. Eine “Rabenmutter” würde sich nicht schon vor 7.30 Uhr so viel Mühe geben, damit die Kinder einen schönen Start in den Tag haben! Dieses doofe Worte solltest du ganz aus deinem Vokabular streichen 🙂
    Es ist total frustrierend wenn man das Gefühl hat, dass es total gut läuft, die Situation aber dann kippt und man am Ende die Fassung verliert. Kenn ich auch gut. Auch das schlechte Gewissen.
    Bei uns ist es auch so, dass das Mädchen sich morgens selbst fertig macht und der Junge ganz viel Unterstützung und Aufforderungen braucht.
    Aber es heißt ja, dass der Testosteronspiegel bei einem Vierjährigen aufs doppelte ansteigen kann.. Das erklärt vielleicht das ein oder andere.
    Mach dich nicht so schlecht, ich bin mir sicher du bist eine tolle Mutter !

  3. Kopf hoch! Es gibt einfach diese Tage, da geht es nicht anders. Aber es ist immer wieder schön zu sehen, dass die Kleinen einem das gar nicht übel nehmen. Wahrscheinlich wissen sie selbst, dass sie manchmal anstrengend sind 😉

  4. Sei nicht so streng mit Dir. Du bist auch nur ein Mensch. Ich kenne Deine Gefühle und dieses schlechte Gewissen ganz genau. Ich habe fast exakt die gleiche Situation bereits vor einer ganzen Weile verbloggt (http://familiemotte.de/manchmal-waerich-gern-entspannter/). Und die unglaublichen Reaktionen darauf (in Form von ganz tollen Kommentaren) zeigen, dass wir Mamis das alle kennen und wir uns alle schlecht fühlen. Aber am Ende zählt doch nur, dass wir unsere Mäuse lieben und uns entschuldigen können – den niemand ist perfekt! Liebe Grüße, anna

  5. Du bist definitiv keine Rabennmutter. Das werden dir deine vielen Leser alle bestätigen können!

  6. Oh ja, diese Situation erlebte ich mit Ole und Enie letzte Woche auch. Ich flippte morgens völlig aus. So richtig laut. Die Zwillinge weinten, ich dann auch.
    Ich entschuldigte mich anschließend und versicherte, dass es mir leid tue und versuchte zu erklären, warum ich so sauer geworden bin. Und ich weinte noch den halben Tag, weil ich mich so schlecht fühlte.
    Wichtig finde ich, dass wir uns bei den Kindern entschuldigen. Mir blieb das als Kind verwehrt (also die Entschuldigung der Erwachsenen). Damit können unsere Kinder umgehen. Ganz bestimmt! Auch Deine Süssen. <3

  7. HaLLo
    bist doch keine Rabenmutter
    Aber manchmal verliert man eben die Geduld
    Meine Zwillingsmäddchen die bringen mich manchmal auch zur Verzweiflung die können als auch bocken und meistens dann wird gebockt wenn sie auf den Bus müssten
    Da fühlt mann sich als Mutter find ich hilflos
    alles gute euch

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