Nein

Nein ist ein Wort, dass zusammen mit den Kindern in mein Leben trat.

Früher nur selten verwendet, und wenn dann in einem ruhigen, leisen Ton, eher entspannt. Mal ein „Nein, ins Kino will ich heute nicht“ Oder „Nein, ich möchte kein zweites Glas Wein“ oder „Nein, die Schuhe passen wirklich nicht zu diesem Kleid“.

Seitdem ich Kinder habe, verwende nicht nur ich das Wort Nein hundert Mal am Tag, auch meine Kinder tun dies. Ständig. Ich mag dieses Wort nicht mehr.

Kinder zu haben ist etwas wundervolles, Kinder zu erziehen ist es nicht. Es macht Spaß, ihnen etwas beizubringen, ihnen die Welt zu erklären, festzustellen, dass sie immer mehr Zusammenhänge verstehen.

Aber Regeln einzuhalten und ihnen beizubringen, was man darf und was nicht… das empfinde ich als wirklich sehr anstrengend. Es ist immer negativ behaftet. Vor allem, wenn es gerade mal wieder eine Trotzphase hat, das Kind. Und diese wenigen Regeln nicht einhalten will, einfach, weil es keine Lust dazu hat.

Nein, ich will nicht aufstehen. Ich will schlaaaafffeeennn!!!! Geh aus meinem Zimmer raus!!!

Nein, ich will nicht schon wieder Müsli! Ich will was anderes!!

Nein, der Toast soll nicht getoastet sein!

Nein, keine Marmelade! Honig hab ich gesagt!

Nein, ich zieh mich nicht an! Ich hab doch noch gar nichts gespielt!

Nein, ich weiß doch nicht was ich spielen soll!!

Das ist mein Sohn, an jedem Morgen. Zum Glück ist Emma gerade sehr ausgeglichen. Trotzphase hin oder her, ist mir egal. Ich will dieses Theater nicht mehr. Ich werde dann schon auch mal laut oder gucke richtig böse. Hilft bekanntlich gar nichts, denn diese Machtkämpfe machen es nur noch schlimmer.

Aber auch die Mama muss mal ihren Frust loswerden, wieso sollten das nur die Kinder dürfen?

Er sagt „Nein, ich will nicht“ und ich sage „Du musst aber“. Es macht keinen Spaß, streng zu sein. Ich würde viel lieber mit ihm im Bett herumtoben und Kissen werfen, ihn kitzeln und sein bezauberndes Lachen hören, bei dem ich sofort mitkichern muss.

Ich würde ihm gern erlauben, Eis zum Frühstück zu essen und den ganzen Tag den Schlafanzug anzubehalten. Darf ich aber nicht. Und deswegen verwende ich das Wort Nein genauso oft wie meine Kinder.

Nein, du kannst nicht weiterschlafen, es ist nicht Wochenende.

Nein, ich mache dir jetzt keine Pfannkuchen.

Nein, du kannst das Kleid nicht anziehen, es ist heute kalt.

Nein, ihr bekommt jetzt nichts Süßes. Ein Eis auch nicht. Nein!

Nein, ihr bekommt jetzt nichts Süßes. Ein Eis auch nicht. Nein!

Nein, ihr bekommt jetzt nichts Süßes. Ein Eis auch nicht. Nein!

Nein, ihr bekommt jetzt nichts Süßes. Ein Eis auch nicht. Nein!

Nein, ihr dürft nicht im Einkaufswagen sitzen. Wo sollen bitteschön die Lebensmittel hin?

Nein, nicht mit den Straßenschuhen ins Haus laufen.

Nein, man wirft nicht mit Steinen.

Nein, deine Hände sind nicht richtig gewaschen. Wasch sie nochmal. JETZT!!

Nein, du bekommst nicht noch eine Nachspeise! Du hattest schon eine!

Nein, ihr dürft nicht noch eine Folge gucken! Warum fragt ihr mich das JEDEN ABEND?

Nein, wir malen jetzt keine Wasserfarben mehr, es ist Bett Zeit.

Nein, du darfst dir deine Zähne nicht alleine putzen. Ich putze nach.

Nein, nicht toben. Schlafen. Jetzt.

Nein, ich lese jeden Abend nur 2 Bücher, mehr nicht. Warum fragt ihr mich das JEDEN ABEND?

Nun. Ich weiß, wann das Drama angefangen hat. Als meine Kinder bemerkt haben, dass gar nichts Schlimmes passiert, wenn ich bis drei gezählt habe.

Eigentlich will ich mich ja gar nicht beklagen. Hab ich ja im letzten Post geschrieben, und das mein ich auch so.

Es ist nur manchmal frustrierend, weil Kinder eben nicht verstehen, dass ich ihnen vieles nicht erlauben darf oder kann, eben weil ich sie liebe. Weil ich sie beschützen muss und weil ich ihnen zeigen muss, was wie man sich nicht verhalten soll.

Ich sage meinen Kindern jeden Tag, dass ich sie lieb habe. Ich lobe sie bei jedem noch so kleinen Ding, dass sie gemalt oder gebastelt haben. Ich spiele die verrücktesten Dinge mit ihnen und bin gerne albern.

Sie sind ja auch wirklich ganz entzückend. Ich bin verdammt stolz auf sie.

Letztendlich sind wir eine ganz normale Familie. Erziehung ist nicht einfach, es ist eine große Herausforderung. Aber das ist es wert.

 

 

4 thoughts on “Nein

  1. Das Wort hat so eine grosse Bedeutung in de Erziehung Nein
    Ich hab noch eine grosse Tochter mit fast 9 wenn ich nein sage dann fängt sie mit mir an zu diskutieren das ist jedesmal so anstrengend Ich erwische mich als selber das ich aus Bequemlickkeit schnell gern auch mal ja sage nur das ich nicht am Morgen diskutieren muss Gott sei dank wenn ich zu unseren kleinen Zwillingen fast 5Nein sage dann bocken sie ab und zu aber das empfinde ich oft weniger anstrengend als mit der grossen zu diskutieren Manchmal wird ja auch ein Nein vor allen akzeptiert und dann ist mann ein wenig erleichtert und denkt für sich kein Wiederspruch super
    Ich wünsche einen entsannte Zeit mit wenig Wiederspruch der Kinder Alles gute

  2. Meine Zwillingstöchter sind 4 und bei uns ist jeden Tag genauso. Es tut gut zu lesen, das es anderen auch so geht.
    Alles Liebe Ruth

  3. STEP (Systematisches Training für Eltern und Pädogogen) zeigt wunderbar einfache Wege auf, um aus der Nein-Falle rasuszukommen. Einfach mal googeln…

  4. Kenn ich so gut… “Nein aus Liebe” von Jesper Juul hat mir dazu ein paar gute Impulse gegeben.

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