Mit 5…

Mein Maxi…

Papa nennt dich Mopso. Ich nenn dich Spätzlein. Das hat sich in 5 Jahren nicht geändert. Aber du hast dich verändert. Du bist so groß geworden, und so schlau.

Mopso heißt du zwar noch, aber einen Grund gibt es schon lange nicht mehr, denn du bist wirklich extrem dünn. Man sieht deine Rippen durch deine Haut blitzen, so dürr bist du. Was daran liegt, dass du einfach extrem wenig isst, außer es handelt sich um Eis, Pudding, Kuchen oder Süßigkeiten. Heikel bist du geworden, du probierst sehr wenig und magst seit Jahren nur die gleichen Dinge.

Du läufst am Liebsten barfuß, genau wie ich.

Du hast meine Augen.

Du liebst es zu backen, du bist quasi süchtig danach. Alternativ – falls ich gerade kein Mehl mehr habe – arbeitest du gerne im Garten. Mit der „Erwachsenen-Gartenschere“ aber nur, schließlich bist du „ja kein Baby mehr“. Damit schneidest du die Hecke und die Büsche, leider auch oft die neuen Knospen ab. Außerdem liebst du alles, was mit Wasser zu tun hat. Abspülen, Blumen gießen, mit dem Gartenschlauch spielen etc. Und natürlich Baustellen. Das ist das allerbeste für dich, entweder zuschauen oder selbst auf die Baustelle klettern und Löcher ausgraben.

Du hast einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, so wie ich. Wenn etwas in deinen Augen ungerecht ist, schreist und weinst du vor Wut. Wütend wirst du zur Zeit sehr schnell und bist dabei gar nicht mehr mein Spätzlein, denn du sagst Dinge, die man zu seiner Mutter nicht sagen sollte. Dabei hast du einen bitterbösen Gesichtsausdruck, der mich manchmal ganz erschrecken lässt.

Das Spucken muss ich dir auch noch abgewöhnen. Du spuckst gerne von einer gewissen Höhe herunter, um zu sehen, was passiert, wenn es unten ankommt. Geht gar nicht, mein Schatz!

Du hast recht wenig Selbstbewusstsein, wie ich als Kind. Du probierst viele Dinge gar nicht erst aus, weil du Angst hast, zu scheitern. Auch wenn ich dir sage, dass man oft üben muss, um etwas zu lernen, weigerst du dich mit dem simplen Ausruf: „Ich kann das nicht.“ Dabei weißt du gar nicht, ob du es kannst oder nicht. Du willst nur nicht versagen. Ich kann das gut nachvollziehen. Ich werde dich bestärken, mehr an dich selbst zu glauben. Du kannst alles, wenn du nur willst.

Dass du ein unglaubliches Gedächtnis hast, habe ich hier schon oft geschrieben. Das hat sich auch nicht geändert, im Gegenteil, du bringst Papa und mich oft zum Staunen.

Du bist sehr sensibel und kannst Streitereien sehr schlecht verkraften. Du brauchst lange, um dich davon zu erholen, auch wenn du dich mit Freunden aus der Kita streitest.

Du magst nicht gerne fotografiert werden. Wenn ich dich dazu überredet habe, schneidest du Grimassen, streckst die Zunge raus oder machst irgendeinen Quatsch. Ein „normales“ Foto gibt’s von dir kaum.

Du erfindest gerne Spiele. Das „Socken-werfen“ hast du dir selbst ausgedacht und das „Polizei-Dieb“ Spiel, als auch das „Betti-hüpfen“. Bei letzterem sitze ich neben dem Bett und halte den Stuhl fest, von dem du aufs Bett hüpfst und Arschbomben oder Bachplatscher machst, oder ich muss dich schupsen. Dabei lachst du aus vollem Hals, machst Purzelbäume und tobst zwischen den Kissen herum.

Du bist eine Schlafmütze. Um 7 Uhr morgens aufzustehen gefällt dir gar nicht.

Du liebst deine Schwester über alles und willst immer wissen, wo sie ist.

Du bist ein Papa-Kind. Ich weiß nicht, ob das so ist, weil du ein Junge bist, oder weil du gar keine andere Wahl hattest. Denn deine Schwester hat viel Zeit in Anspruch genommen, klebte an mir, hat mich für sich beansprucht. Ich würde alles dafür geben, um diese jahrelang andauernde Papa-Max und Mama-Emma Trennung rückgängig zu machen. Ich glaube fest daran, dass du mir das übel nimmst. Papa sagt, das sei Quatsch. Aber ich denke, dass du manchmal so bockig bei mir bist, weil es dich verletzt hat. Und ich arbeite daran, das wieder gut zu machen. Aber weißt du, mein Spätzlein, ihr seid nun mal Zwillinge. Du hast immer schon weniger Aufmerksamkeit gebraucht, hast oft allein gespielt und warst zufrieden damit. Und Emma nicht. Ich habe alles getan, was ich konnte, um gerecht aufzuteilen, um jedem Kind 50% zu geben.  Letzte Woche hast du mir gesagt, dass du nur den Papa lieb hast, mich nicht. Das hat mich schwer getroffen, auch wenn ich als Erwachsenen weiß, dass du so etwas nicht sagst, um mir weh zu tun. Außerdem weiß ich, dass du mich doch lieb hast. Du sagst es nur kaum, sehr selten, fast nie. Warum du es gesagt hast, weiß ich auch, denn du hast gerade deinen Papa vermisst. Wahrscheinlich hat es mich deshalb so getroffen, weil ich dir gegenüber immer ein schlechtes Gewissen hatte. Und weil ich eifersüchtig bin, wenn du mal wieder viel lieber mit Papa spielst.

Du bist in so vielen Dingen mein Ebenbild. Ich liebe dich abgöttisch. Du bist mein kleiner Mann mit einem so großen Herzen. Ich bin sehr stolz, dass du mein Sohn bist.

Ein Geheimgruß für dich mein Schatz. Und ein High-Five. Ich sag auch Aua.

2 thoughts on “Mit 5…

  1. Jetzt musste ich doch glatt ein paar Tränchen verdrücken… Es ist so süß welch passende Worte du für deine zwei findest. Und wie streng du mit dir selber bist und versuchst beiden gerecht zu werden. Als Zwillingsmama kennt man diese Probleme. Ich hab mich als sie noch Babys waren nie getraut den ‘Schreier’ hochzunehmen, weil ich mir gedacht habe es ist unfair seinem Bruder gegenüber, der mich damals viel weniger gebraucht hat. Das tut mir heute leid… Irgendwann gleicht es sich doch immer aus, und man ist für beide da. Sehr sehr schön deine Texte, für beide Kinder… Ich bin sicher dass sie das später mal gerne und mit einem Schmunzeln lesen werden.

  2. Ach, mir kommen gerade die Tränen. Meine Mädels sind 9 Monate. Und auch bei mie hatte eine gar keine andere Wahl als ein Papakind zu werden. Jeden Abend blutet mein Herz, wenn ich “meine” Maus in den Schlaf begleite währenddessen der Papa mit “seiner” Maus im anderen Zimmer verschwindet. Meine ist so anspruchsvoll und hatte in den ersten Monaten rund um die Uhr das Bedürfnis bei der Mama zu sein. Ihre Schwester war wesentlich einfacher weshalb sie meist beim Papa landet(e), nicht nur zum Einschlafen. Ich habe das Gefühl, dass sie mir das jetzt schon übel nimmt. Sie ist extrem anhänglich und kompliziert geworden, ich fühl mich so schuldig aber es sind nun mal zwei…

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