Warum mein Kind nicht alleine einschläft

Es gibt nichts, was mich in meinem Leben als Mutter mehr beschäftigt hat, als das Schlafen. Es gibt keinen Punkt, worüber ich jemals mehr mit meinem Mann gestritten hätte. Und ich habe mir bisher auch über nichts so viele Gedanken gemacht.

Meine Zwillinge sind sehr verschieden in vielerlei Hinsicht. Besonders extrem aber ist ihr unterschiedliches Einschlafverhalten. Und meine Erfahrung ist, dass sich dieses Verhalten auch nie ändert.

Max hat vom ersten Tag seines Lebens gut und viel geschlafen. Er ist als Baby schon sehr schnell und alleine eingeschlafen. Und es war ihm auch egal, wo er schläft und falls jemand neben ihm lag, wer das war. Er schlief einfach gerne. Und all das ist heute auch noch so. Max braucht 1 Vorlesebuch und nach 10min ist er friedlich eingeschlummert. Wer ihn ins Bett bringt, ist egal. Gerne Papa, auch gerne Mama, ja, Oma ist auch toll. Wenn er müde ist, sagt er, dass er ins Bett will. So einfach ist das mit ihm. Was Schlafen angeht, ist er das absolute Traumkind.

Emma ist ein Wenigschläfer und zwar vom ersten Tag ihres Lebens an. Als Baby schlief sie nur auf meinem Arm ein. Im Kinderwagen schlief sie erst ein, als wir schon fast wieder zu Hause waren und Max gerade wieder aufwachte. Mit 2 Jahren verweigerte sie bereits den Mittagschlaf und war 14std durchgehend wach. Mit circa 2,5 Jahren verweigerte sie ihr Baby Bett. Nur neben mir konnte sie einschlafen. Mit viel streicheln und viel schmusen. Gedauert hat es trotzdem 40min. An schlechten Tagen 1std. Dann kam die Phase, in der sie auch nachts wach war und spielen wollte. 2-3 std lang war sie wach und ich mit ihr. Danach folgten lange Monate mit nächtlichen Besuchen bei mir, jede Nacht. Max folgte ihr, weil er nicht ohne sie schlafen wollte. Ich hatte circa 1 Jahr lang mit wenig Unterbrechungen jede Nacht 2 Kinder in meinem Bett, die mich abwechselnd weckten, im Schlaf traten, mir den Platz im Bett raubten. Und Emma brauchte jede Nacht wieder ihre 40-60min, bis sie wieder einschlief.

Wir bauten unsere Schlafkonstellationen mehrmals um, machten die verschiedensten Versuche um etwas zu verbessern. In den härtesten Zeiten bekam das Kind, das allein im Bett blieb, morgens ein Stück Schokolade. Ja, tatsächlich. So groß war meine Verzweiflung. Erst Ende 2014 wurde es besser. Emma blieb in ihrem Bett und schlief durch.

Aber was sich nie geändert hat, ist, dass sie mich zum Einschlafen braucht. Sie ist 5 Jahre alt. Und trotzdem muss ich neben ihr liegen. 1std lang, jeden verdammten Abend. Ja, ich weiß, dass viele jetzt denken werden, dass ich selber Schuld bin, warum tue ich das immer noch. Ganz einfach, weil ich mir nicht mehr zu helfen weiß. Wir haben alles versucht, aber mit ihrem Papa schläft sie nicht ein. Jedes Mal holt sie mich am Ende schließlich doch, das macht sie wieder wach und es dauert umso länger. Beim Einschlafen Geschichten anzuhören hat auch nichts gebracht. Gutes Zureden sowieso nicht.

Ich begleite meine Kinder gerne in den Schlaf, das tue ich wirklich. Wenn beide so schnell einschlafen würden wie Max, wäre es gar kein Problem. Aber ich liege 1std lang auf dem Teppichboden neben ihrem Bett. Und sie schläft einfach nicht! Ich weiß, sie kann nichts dafür, sie tut das ja nicht mit Absicht. Sie braucht wenig Schlaf und braucht lange, um abzuschalten. So ist sie eben, das gehört zu ihrem Wesen.

Aber manchmal macht es mich so wütend. So unglaublich wütend, dass sie mir meine kostbare Zeit raubt. Zeit, die ich dringend für mich bräuchte. Oder für meinen Mann. Oder für ein Telefonat mit einer Freundin. Ich komme um 21Uhr aus dem Kinderzimmer. Dann habe ich noch circa 1,5std bis ich selber vor Müdigkeit umfalle. 1,5std, das ist zu wenig. Das ist MIR zu wenig! Während ich so neben ihr liege, durchlebe ich eine richtige Gefühlsachterbahn…

Anfangs sage ich mir noch, dass ich mich heute nicht aufrege, sie kann ja nichts dafür. Ich lese 2 Bücher vor, für jedes Kind 1. Max schläft schon lange. Emma braucht ab jetzt noch 40min. Da ist erst mal viel Liebe. ich streichle sie und halte ihre Hand. Da ist Hoffnung, dass es heut vielleicht gar nicht so lang dauert. Da ist Resignation, warum sollte es heute schneller gehen. Da ist Neid. Neid auf meinen Mann, der jeden Tag 1 std mehr Zeit für sich hat. Aber er kann ja auch nichts dafür. Dann kommt die Wut. Wut auf mein Kind, dass immer noch hellwache Augen hat. Sie schaut mich traurig an, weil sie nicht schlafen kann. Und da ist wieder Liebe. Dann kommt die Verzweiflung. Warum muss es so sein. Jeden Abend. Was habe ich nur falsch gemacht. Verbitterung. Das wird immer so weiter gehen. Immer. Emma ist eingeschlafen. Ich schaue mir ihr süßes Gesichtchen an und küsse sie. Und da ist sie wieder, die Liebe.

Ich weiß, dass sie mich braucht. Und wie sehr sie mich liebt und wie intensiv ich sie liebe. Wenn ein Kind zum Einschlafen Nähe braucht, dann sollte man sie ihr nicht verwehren. Sie soll mir Vertrauen können, dass ich für sie da bin. Aber manchmal, da wird es mir einfach zu viel.

16 thoughts on “Warum mein Kind nicht alleine einschläft

  1. Ich kann dich sehr gut verstehen. Bei uns / mir ist es ähnlich, sehr ähnlich. Meine Mäuse brauchen mich auch zum Einschlafen. Sie sind erst 2 aber ich glaube auch nicht, dass das so bald aufhört. Ich liebe sie sehr und ich mache das sehr gern. Zeigt es mir doch jeden Abend wie sehr sie mich brauchen. Aber manchmal ist es auch mir zuviel…
    Liebe Grüße
    Nora

  2. Mit kommen die Tränen wen ich das lese….der Text könnte von uns stammen….unsere Emma ist genauso….noch nie (doch, 3x) Mal hat sie durchgeschlafen…..sie ist 21 Monate alt…..ihre Schwester Maja schlief von Beginn an immer gut alleine. Überhaupt ist sie meine Erdung. Ohne sie hätte ich schon den Verstand verloren…(obgleich sie auch sehr eigen und anstrengend ist). Doch im Vergleich zu Emma ist sie einfach.
    Jeden Abend liegt einer von uns 1 Stunde auf dem Boden vor ihren Betten. Das Gedankenkarussel geht los. Um 20.30h bin ich ( oder mein Mann, der macht/ darf es zum Glück auch) endlich unten. Dann ist der große Junge dran. Er ist 11 und kommt nur noch zu kurz.
    Heute nicht. Ich sitze im Nebenzimmer und sage ” Mama ist da”… Und – diesmal- Maja brüllt sich die Seele aus dem Leib. 10 Minuten. Jetzt ist Ruhe. Sie haben es geschafft. Just lese ich deinen Post und ich muss weinen….jetzt fühle ich mich schlecht…ich möchte doch auch, dass sie mir vertrauen und für sie da sein…

  3. Wir versuchen es gerade mit Homöopathie. Mit dem Ergebnis, daß sie jetzt nicht nur zu uns rübergeholt werden muß, sondern richtig Theater macht. Ich hoffe auf eine Erstverschlimmerung….
    Aber auch das soll irgendwann vergessen sein, haben mir Mütter versichert(ich denke inzwischen nur: ja, dann, wenn ich vor lauter Schlafmangel nur noch Wackelpudding im Kopf habe) LG

  4. Bei uns ging das auch so, bis meine Mädels fast 7 Jahre alt waren. Da habe ich es einfach versucht, ihnen erklärt das wir es jetzt versuchen, das sie allein einschlafen. Zwar dauert es abends immer mindestens eine halbe Stunde bis sie schlafen und sie kommen immer noch mehrmals zu mir rüber, aber ich muss nicht mehr bei ihnen liegen. Die Zeit bringt es einfach, man braucht leider viel Geduld!
    Nachts schlafen die beiden übrigens bis heute nicht durch, ich werde immer noch jede Nacht geweckt….
    Liebe Grüße

  5. Liebe Katrin,

    ich bin vor einiger Zeit auf Deinen tollen Blog gestoßen und lese seitdem regelmäßig. Es ist sogar so, dass ich bei verschiedensten Alltagssituationen mit unseren 2 1/2 jährigen Zwilingsjungs in Deinem Archiv stöbere, ob es bei Euch in der Zeit ähnlich zuging ;-).
    Du sprichst mir so aus der Seele und ich finde es toll, wie treffend Du Gefühle in Worte fassen kannst! Hut ab, für Deine Ehrlichkeit!
    Viele Grüße, Sonja

  6. Liebe Katrin,

    darf ich dir ungefragt einen Vorschlag machen? Vielleicht kannst du diese 40 Minuten für dich positiv nutzen. Vielleicht kannst du es als eine Zeit sehen, die dir gehört, in der du ruhig sein kannst, und nichts tun musst, als neben deiner Tochter zu liegen. Das kann doch auch ein großer Luxus sein, 40 Minuten Auszeit im hektischen Alltag. Vielleicht kannst du eine Meditationsübung lernen, oder progressive Muskelentspannung machen, oder sanfte, fast unmerkliche Übungen für den Rücken. Ich hoffe, das klingt jetzt nicht völlig ausgeflippt. Aber wenn du schon da liegen musst, mach etwas positives daraus.

    Alles Liebe
    Nadja

  7. Ich wünsche dir, dass sich die Zeit bald verkürzt bis sie nur noch so kurz ist, dass du wieder voller Freude beide Kinder ins Bett begleitest!

  8. ps. ich bringe meine beiden Zwillinge auch ca. 1 Std per Einschlafbegleitung abends zu Bett und plane dann im Kopf unseren Hausumbau. Das war anfangs echt schwierig, so ohne mein geliebtes Papier für Notizen und Zeichnung. Nun bin ich trainiert 🙂

  9. Ich habe deinen Blog schon während der Schwangerschaft gelesen, manche Seiten, vor allem über die Zeit nach der Geburt so oft, dass ich sie teilweise auswendig kann… Zuerst wollte ich ehrlich gesagt dann gar nicht weiterlesen, dachte, das ist mir zu “depri” – aber in Wahrheit ist es halt die Wahrheit, die man nicht immer wahrhaben will oder von der Außenwelt (der Welt ohne Zwillinge) hört, was man denn alles anders machen solle etc.

    Meine Zwillinge (allerdings erst 2 Jahre) schlafen exakt wie deine: Junge würde sich wohl auch vom Postboten ins Bett bringen lassen, Mädchen braucht ewig, will sich nur von mir bringen lassen und stellt hohe Ansprüche (nur bestimmte Geschichten/ nur die linke Hand darf sie halten etc.).

    Wie man nun an der Uhrzeit sieht: Seit heute ist das anders. Mein Mann sitzt gerade bei ihr und versucht sie ins Bett zu bringen. natürlich Geschrei, aber ich zwinge mich, nicht hinein zu gehen – noch nicht. ich hoffe, dass es nach ein paar Tagen funktioniert – si war das auch bei der 5 Uhr Flaschen, die meine beiden bis vor 4 Monaten immer um % Uhr getrunken haben und wir diese dann einfach weggelassen haben. Ein paar Tage viel Geschrei und dann wars ok.

    Das hört sich jetzt total easy an, aber der Grund wieso ich das nicht schon früher ausprobiert habe, v.a. mit dem Bettgehen ist der, dass mir abends meist die Kraft fehlte, jetzt hier auch noch was neues, anstrengendes auszuprobieren – am Abend bin ich platt und hab mehr oder weniger hingenommen, dass das Einschlafen so ewig dauert, auch wenn mich das oft an meine Grenzen gebracht hat. So sehr wie man seine Kinder liebt können einen diese auch auf 180 bringen…

    Motiviert hat mich nun dein Eintrag – hört sich komisch an, und wieso er mich motiviert hat weiß ich ehrlich gesagt auch nicht genau – wohl die Aussicht, dass es sich nicht von alleine gibt…

    Danke für deine ehrlichen Einblicke
    Liebe Grüße,
    Elisa

  10. Puh! Kommt mir sehr bekannt vor! Und unser Pärchen ist gerade mal 7 Monate alt… Darf ich fragen, ob ihr es mal mit Globuli (z.B. Chamomilla, Coffea) versucht habt?

  11. Liebe Katrin,

    Ich habe noch gut reden, meine beiden sind erst 5Monate alt, und ich noch voller Enthusiasmus, dass ich das alles mal eben so schaffe 🙂

    Jedenfalls ist es bei uns auch ein klein wenig so, dass er schon seit zwei Monaten richtig gut schläft. Teilweise 6-8 Stunden am Stück. Das einschlafen ist ein Kampf für ihn, aber ein recht kurzer, maximal 30 Minuten.

    Sie ist anders. Sie schläft so drei Stunden am Stück, manchmal auch weniger, und brauch die Mama zum einschlafen. Und sie schläft deutlich später ein.

    Zu Beginn wollte ich sie immer gemeinsam ins Bett bringen, aber inzwischen habe ich verstanden, sie brauch eben weniger schlaf. Also geht sie später ins Bett. Seit ich das akzeptiert habe (und es abgeschrieben habe abends zeit für mich alleine zu haben), klappt es ganz gut. Und sie schlafen dafür morgens beide bis um halb sieben oder sogar später.

    Vielleicht ist das bei Emma auch so, dass sie einfach viel weniger Schlaf brauch. Vielleicht sollte sie einfach eine stunde später ins Bett, oder eine stunde früher aus dem Bett. Vielleicht findet ihr eine Möglichkeit, dass sie sich in dieser Stunde so beschäftigt, dass du ein wenig zeit für deine Dinge hast.

    Ich drücke dir die Daumen dabei!

    Lg lotta

  12. Nachdem mir dein Post noch sehr durch den Kopf gegangen ist, wollte ich mich auch nochmal zu Lottas Kommentar melden, weil ich ganz ähnliche Gedanken hatte. Ich habe sicher nicht alle deine Einträge zum Thema (Ein-)Schlafen im Kopf, daher gefragt: habt ihr es mal mit (Kinder-)Yoga probiert? Also, du und Emma gemeinsam in der Zeit, in der ihr sonst quasi wach nebeneinander liegt? Emma ist ja ein blitzgescheites und sehr sensibles Mädchen, ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Liegen und aufs Einschlafen warten für sie auch nicht eben vergnüglich ist?
    Wir haben hier ja auch so einen kleinen Wirbelwind mit Nervenenden nach außen, die auf Chamomilla und Coffea Globuli sehr gut reagiert. Ich habe da ganz schön mit mir gerungen, es mal zu probieren, schließlich will ich mein Kind nicht “unter Drogen” setzen. Aber sie kommt mit beidem merklich zu Ruhe und bekommt so mehr Schlaf nachts, den sie sonst tagsüber mit einem sehr tagaktivem Bruder sonst nur schwer nachholen kann.
    Ganz liebe Grüße und einen schönen Urlaub!

  13. Ich staune grade wirklich. Wenn sie beide zu euch ins Bett wollen wieso macht ihr nicht ein Familienbett draus ? Also gar nicht erst versuchen sie abends in den eigenen Betten im eigenen Zimmer zum schlummern zu bringen. Ich glaube das macht den meisten Stress oder ?

  14. Da hast du den Artikel falsch gelesen, sie wolle nicht zu uns ins Bett. Sie wollen nicht alleine einschlafen. Die Nacht über bleiben Sie in ihren Betten…

  15. Hallo liebe zwillingsmama
    Wir haben auch ein Zwillingspaar im gleichen Alter, die schlafen jetzt des Friedens und des durchschlafenswillen zusammen in einem Bett. Es ist so für uns die beste Lösung, sie quatschten n zwar noch lang, aber werden nachts nicht mehr wach und wollen zu uns.
    Aber was ich eigentlich erwähnen wollte ist, das mein Räuberjunge Probleme hat sich zu ” entspannen” da er öfters Blockaden im Halswirbelbereich hat, das macht ihm soooo keine Schmerzen, aber ähnlich wie bei uns nach nem Tag am pc oder einer langen Autofahrt ist er dann wie gerädert und findet keine Position zur Ruhe. Bei uns half ein Gang zum ostheropaten und Magnesium Globulins ( die heiße 7) entspannt und fördert den Schlaf, ist auch gut bei Wachstumsschüben. Und du bleibst aber definitiv bis sie eingeschlafen ist? Sonst könnte man auch jeden Tag 1 Minute reduzieren – das bekäme sie ja soooo nicht mit und nach einem Monat wärst du schon 30 min früher raus. Uns hat auch die 3/6/9 Methode sehr g holfen, aber da waren die Kinder noch klein, und konnten nicht ” flüchten” man legt sein Schätzchen uns Bett, sagt gute Nacht wie immer und geht raus- das Kind wird natürlich weinen- man geht wieder nach 3 min rein, beruhigt es kurz, legt es wieder hin und geht wieder raus – alles fängt von vorn an, und man wartet 6 min ab und geht wieder rein …. So geht das die ganze Zeit ….. Bei uns sind wir am 1. Tag eine Stunde gerannt und am nächsten aber nur noch 2x 👍
    Halte durch und lass das mit dem schlechten Gewissen, das frustet dich nur- manchmal geht’s nur ums ” überstehen” und das geht entspannt leichter ;-*
    Lg

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