Essen mit heiklen Kindern

Wenn ich in einem anderen Familienblog lese, wie gerne “das Kind die Gemüsesuppe, das Sushi und als Nachtisch den Obstsalat gegessen hat”, dann höre ich nach diesem Satz auf, den Artikel weiterzulesen. Hab keine Lust mehr. Ich klicke weg, eventuell aus Neid, eventuell aus Verzweiflung. Egal, ich mag das zumindest nicht mehr weiterlesen.

Wenn ich auf Twitter folgendes lese, dann geht’s meiner Laune wiederum hervorragend:

Bei solchen Kommentaren fühle ich mich irgendwie zu Hause, sozusagen in meinem Frust nicht alleine. Denn ja, ich bin frustriert über das Essverhalten meiner Kinder. Wenn ich sagen würde, sie seien heikel, wäre das noch untertrieben. Und ich verstehe einfach nicht, warum das so ist.

Ich koche gerne. Nein, eigentlich KOCHTE ich gerne. Präteritum. Bevor ich meine Kinder bekam, kochte ich sehr gerne aufwendige Gerichte, sammelte Kochbücher, experimentierte gerne. Alles mit viel Gemüse, ein Salat fehlte selten. Ich habe es meinen Kindern demnach nicht vorgelebt, heikel zu sein. Als sie Babys bzw. Kleinkinder waren, haben sie noch gerne Gemüse gegessen. Irgendwann hörte das auf und steigerte sich soweit, bis sie nur noch Nudeln mit Butter wollten. Oder ein Butterbrot.

Eigentlich ist es auch gar nicht die mangelnde Bereitschaft, Gemüse zu essen, die mich stört. Denn sie essen wenigstens genügend Obst jeden Tag. Mich stört, dass es nur einen BLICK auf das Essen braucht, um ganz klar ein “Bäh, das ess ich nicht, das schmeckt mir nicht!” auszurufen. Dabei sind sie weit davon entfernt, zu wissen, ob es ihnen schmeckt. Und ich rede hier nicht von Couscous Salat mit Schafskäse. Ich rede von kindergerechten Sachen wie einen überbackenen Nudelauflauf. Spaghetti Bolognese. Gnocchi mit Tomatensoße. Hackfleischbällchen mit Kartoffelbrei. Wenn ich Glück habe – SEHR viel Glück – läßt sich eins der Kinder dazu herab, einen Löffel zu probieren. Also nicht wirklich einen Löffel. Eher einen Klecks.

Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, sind meine Kinder, was das Essen betrifft, ganz sicher keine Zwillinge. Eher weit entfernte Verwandte. Denn, was Maxi mag, mag Emma nicht. Und was Emma mag, mag Maxi nicht. Mein Mann ißt keinen Fisch und kein Wild. Ich ernähre mich seit fast zwei Jahren ohne Kohlenhydrate. So. Man stelle sich die gemeinsame Schnittmenge aus dieser vierköpfigen Familie vor. Unser Speiseplan ist so kompliziert und eintönig geworden.

Nachdem ich ein sehr positiver Mensch bin, würde ich das alles einfach akzeptieren. Meine Kinder sollen das Essen probieren, entscheiden, ob es ihnen schmeckt oder nicht. Dann bekommen sie eine Alternative, wie z.B. die Nudeln/Reis/Kartoffeln ohne Soße zu essen oder nur eine der Beilagen oder eben ein Butterbrot, wenn ihnen gar nichts schmeckt. Soweit wäre ich einigermaßen einverstanden (wenn auch immer noch frustriert). ABER…….

Da gibt es noch die Nachspeise. Eine Nachspeise bekommen meine Kinder jeden Abend. Ich finde das nicht toll, gar nicht. Das hat sich so eingeschlichen. Meistens ist es ein Joghurt. Im Sommer ist es ein Eis. Wenn Oma ihnen eine Süßigkeit da gelassen hat, ist es eben die.

Jetzt komme ich zum Finale, zum eigentlichen Problem.

Ein Beispiel: Ich bin stinksauer. Denn ich kochte mal wieder etwas, was den Kindern nicht schmeckt. Halt, nein, was sie nicht probieren wollen! Obwohl ich es FÜR SIE gekocht habe. Denn wenn es nach MIR gehen würde, stünde etwas anderes auf dem Tisch. Die Kinder essen ein paar Gabeln Nudeln ohne Soße. Sind angeblich satt. Und wollen dann eine Nachspeise! Ich verlange von ihnen, den Teller leer zu essen, sonst gibt es heute keine Nachspeise. Konsequenz: zwei heulende Kinder, die sich Nudeln ohne alles in den Mund stopfen. Obwohl sie angeblich satt sind. Kann ich nicht wirklich mit ansehen, Essen soll Freude machen. Ich gebe auf. Sie holen sich ihr Joghurt. Kinder zufrieden. Ich nicht. Ich weiß nicht, was ich falsch mache. Wenn sie schlecht essen, sollen sie eigentlich auch keine Nachspeise bekommen. Aber soll ich sie etwa zum Essen zwingen? Essen soll doch Spaß machen! Essen macht auch Spaß! Ich sage ihnen immer, dass sie nichts essen müssen, wenn sie keinen Hunger haben. Das ist okay! Aber ich gebe ihnen doch kein Eis als Abendessen!

Und sagt jetzt nicht, Mutti kann nicht kochen 🙂  Kann ich, sehr gut sogar, und mein Mann auch. Neben meinen Kochbüchern stehen noch ganz viele kleine andere Kochbücher seitdem ich Kinder habe. “Hits mit Hack für die Kleinen”. Oder “Schnelles für Mutter und Kind”. Oder “Kinderhits in der Küche”. Es mangelt also nicht an Ideen.

Und wie gesagt, wenn das Nachspeisen-Thema nicht wäre, hätte ich auch nicht ein so schlechtes Gefühl. Wie haltet ihr das mit der Nachspeise? Gibt es überhaupt eine? Und falls es mal jeden Abend eine gab, wie habt ihr sie abgewöhnt? Denn das würde ich am Liebsten tun!

Also, wenn das so weitergeht, dann werde ich meine Bemühungen einfach auf ein Minimum reduzieren.

Es gibt Toast, Baby! Morgens, mittags, abends! Yeah!

9 thoughts on “Essen mit heiklen Kindern

  1. Huhu!

    Neuerdings habe ich auch zwei kleine Nörgler am Tisch sitzen. Sie sind ja jünger als deine, ich weiß also noch nicht, was da weiter auf mich zukommt, aber bisher handhabe ich das so:
    Ich koche weiter wie gehabt, gerne auch Sachen, die man selbst zusammenstellen kann, wie Wraps, selbstgemachte Burger, etc. So können sie aussuchen, was sie davon mögen. Wenn sie das Gekochte nicht essen, bekommen sie Brot oder Obst. Nachtisch gibt es selten. Kann man das vielleicht auf einen bestimmten Wochentag reduzieren? Ich möchte trotz Mäkelkindern weiter abwechslungsreich essen, daher weiß ich gerade keinen anderen Weg. Aber wie so oft ist es vermutlich “nur eine Phase”. Durchhalten. 🙂

  2. Huhuu,
    hast du mal versucht sie mitkochen zu lassen
    ich habe auch ein Zwillingspärchen, sie werden nächste Woche 2 Jahre alt und sind was das Essen angeht momentan noch recht unkompliziert……hoffe das bleibt so…..
    Seit ihrem letzten Besuch bei Oma und Opa wollen sie immer mitkochen und haben einen riesen Spass dabei. Zwar endet es fast immer in einer riesen Sauerrei, super anstrengend ist es zudem auch, aber danach essen sie mit einer solchen Freude das sich der Aufwand echt lohnt.
    Vielleicht kann man deine beiden motivierten mal etwas anderes zu essen wenn sie beim Kochen mithelfen. Ich drück dir auf jeden Fall die Daumen und halte durch!!!

  3. Hahaha vor Kurzem habe ich auch darüber geschrieben. Mir geht es ganz genauso. Ich habe einen Verweigerungszwerg und das, obwohl wir auch leidenschaftliche Köche und Genießer sind. Auch der Trick mit dem Mitkochen hat nicht funktioniert. Meine Tochter hilft zwar gerne in der Küche und ist interessiert, doch dann am Tisch schiebt sie den Teller weg. Sehr nervenaufreibend. Ich lass sie jetzt einfach. Bei uns gibt es auch einen Nachtisch, meist Jogurt. Wenn sie nur den isst, dann isst sie eben nur den. Ich hab auch keine Lust, sie zum Essen zu zwingen oder gar Bestrafungen einzuführen. Andere Mamis haben auf meinen Beitrag geantwortet und gemeint, ich soll sie einfach machen lassen. Das tue ich. Sie isst zwar immer noch nicht wirklich, aber ich bin entspannter. Viel Kraft weiterhin
    liebe Grüße
    Susanne

  4. Unsere zwei (23/4) sind nicht viel anders. Essen ist echt kein Spaß. Nur dass beide bis auf Bananen auch kein Obst nehmen. Gemüse – Spinat und wenn ich Riesen Glück habe sogar eine Gemüsecremesuppe. Nur kommt als super Gau noch dazu, dass Hannah seit kurzem Weizenfrei und keine tierischen Eiweiße essen soll, da sie “Neugeborenen neurodermitis” hat und die Heilpraktikerin Unverträglichkeiten festgestellt hat.
    Also ist es mit kochen – ich war noch nie eine Küchenfee – und weiteren Essensangeboten eh schon schwierig genug, nur das hart erarbeitete Ergebnis kommt zu 99% nicht gut an. Wird auch direkt verschmäht 😕 Nachtisch gibt’s bei uns auch keinen. Wir geben auf Nachfrage für Joghurt oder Schokolade die Ausrede: oh, das müssen wir morgen neu kaufen. Das habe ich vergessen. Oder : der LKW hatte keine Schokolade dabei , da müssen wir warten bis er wieder welche dem Geschäft bringt …😏 Das ist nur für mich selbst keine zufriedene Dauerlösung…
    Aber falls mir jemand hier mit Rezepten oder Ideen helfen kann, mit der noch neuen Herausforderung umzugehen- ich wäre auch sehr sehr dankbar 😊

  5. Hallo Sonja, natürlich kochen sie mit, sie sind ja schon 5. Wir haben eine offene Wohnküche und meine Kinder kochen mit seitdem sie laufen können. Jeder gat seinen eigenen Hochtritt in der Küche stehen um alles zu sehen und richtig mitmachen zu können. Kochen und backen finden sie super. Essen trotzdem nicht…

  6. Hallo,

    Bei uns gibt es einen Nachtisch, aber wenn sie nicht vernünftig gegessen haben, darf das nur etwas “gesundes” sein. ZB ein naturjoghurt mit einem TL Marmelade. Oder Obst. Wenn sie vernünftig essen, darf es ein süßer Nachtisch sein, meistens Fruchtjoghurt, Pudding …

    Bei uns sieht es ähnlich aus, mein Sohn hat sich monatelang von Nudeln, Parmesan, Äpfeln und Joghurt ernährt. Keine so schlechte Diät, wenn man es sich überlegt…hat ihm jedenfalls nicht geschadet.

    Liebe Grüße !
    Nadja

  7. Redest du von deiner oder von meiner Familie?! 😉
    Also ich bin ja direkt froh dass es anderen gleich geht, denn auch ich rede mir mittlerweile schon seit einiger Zeit ein dass es ‘nur eine Phase’ ist. Bei uns ist mittlerweile gar nichts mehr genießbar, auch das was sie vor einem Jahr noch gerne gegessen haben. Sogar nahezu geschmacksneutrale Dinge wie Kartoffeln oder Reis sind ‘wäh’. Und Brokkoli ‘schmeckt wie Stinkesocken’. Letztens hat mich mein Kind doch tatsächlich gefragt wann ich ‘mal wieder was gutes koche’. Also ich bin mit meinem Latein am Ende. Oma macht immer für die Jungs Schmetterlingsnudeln mit Sugo, auch da wird mittlerweile alles mögliche aussortiert, Karotten, Fleisch, alles was grün ist… Das mit dem Mitkochen funktioniert nur am Anfang der ‘Esskarriere’. 😉 Und das Problem mit dem Nachtisch kenne ich auch. Wir handhaben das allerdings als Nachmittagssnack, wenn ich Kaffee trinke. Nun wird schon 15 Minuten nach dem Essen gefragt wann ich endlich Kaffeepause mache und wann’s eine Paula gibt und am besten auch eine Milchschnitte. Also nur ungesundes Zeugs… Aber zumindest dürfte noch ein Hungergefühl vorhanden sein. Komisch eigentlich. Vielleicht wirklich in diesem Alter ‘normal’?! Spass macht das Essen so jedenfalls niemanden am Tisch.

  8. ich verstehe dich in ganz vielen Punkten….
    bei uns kommt Gemüsedip mit einer leckeren Curry-Creme Freche und / oder Sauerrahm Sauce immer gut an. Gekocht oder roh.
    Tip für Nachtisch: keine Süssigkeiten am Abend. Der Zuckerpegel steigt enorm an. Kinder die darauf reagieren können ganz schlecht einschlafen. Eventuell könnt ihr die Nachspeise auf das Wochenende (nach dem Mittagessen) verschieben? Oder für den Nachmittagssnack eine Süssigkeit zu den Früchten auswählen lassen?

    Lass dir nicht den Appetit verderben und versuche dein Essen zu geniessen. Wenn die Kinder auch mal nicht viel gegessen haben und auch keine Nachspeise hatten, die verhungern nicht so schnell!

    Unsere essen plus / minus recht gut was auf den Tisch kommt. Dafür essen sie meistens ohne Besteck und die Sauerei ist jeden Tag immens. Und es ist ein Geschrei fast ununterbrochen, da jeder das Gefühl hat, der andere bekomme mehr…. und wenn nicht sofort alles serviert ist dann wird auch gebrüllt 🙁
    Und jeden Morgen derselbe Kampf wegen der Brotrinde die einfach niemand essen will!

    Familientisch ist in den meisten Familien “ein Kampf” – auf welche Art auch immer…

    Ganz liebe Grüsse

  9. Bei uns gab’s gestern zum Abendessen Erdbeeren mit Würstchen. War ein riesen Erfolg 🙂 Sobald jedoch etwas Grünes auf den Tisch kommt, wird das Gesicht verzogen. Ich schau dass sie tagsüber so viel Obst und Gesundes wie möglich essen, dann dürfen sie das Gemüse abends halt stehen lassen. Gut klappt es, wenn ganz viel verschiedenes Essen (Brot, verschiedene Beläge, Joghurt, Rosinen, Nudeln usw) auf dem Tisch steht und jeder sich nehmen kann was er möchte. Ist für mich weniger frustrierend als ewig in der Küche was zu kochen, was die Kinder dann eh nicht anrühren. ( Unsere Zwillinge sind fast 5 ) Irgendwann werden sie hoffentlich bessere Esser werden.

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