Baby Blues

Über den Baby Blues liest man ja so einiges während der Schwangerschaft. Und hofft dabei, dass es einen selbst nicht trifft. Nach der Geburt war ich so glücklich, dass ich mir sicher war, dass ich verschont bleibe. Aber pünktlich am dritten Tag – wie von sämtlichen Baby- Büchern vorhergesagt – trafen mich die Gefühle wie ein Hammerschlag und meine Welt brach zusammen. Dabei habe ich festgestellt, dass der niedliche Ausdruck “Baby-Blues” auf mich nicht ganz zutraf. Es war eine richtige Wochenbettdepression! Eine absolut tiefe, tiefe Verzweiflung, große Angst und Panikattacken und eine vernichtende Traurigkeit – diesen Gefühlscocktail muss man verarbeiten und gleichzeitig aber funktionieren, schließlich hat man zwei Babys zu versorgen.

Der Grund ist wohl wie bei jeder jungen Mutter primär die Hormonumstellung. Ich glaube aber, dass die Tatsache, auf einmal zwei kleine Menschen versorgen zu müssen, die man noch gar nicht kennt, das Hauptproblem dabei ist. Man hat zwar theoretisch 9-10 Monate Zeit zur Vorbereitung, aber wenn die Babys da sind, ist die ganze Vorbereitung dahin – darauf, wie es wirklich ist, ist meiner Meinung nach niemand vorbereitet! Es ist wunderschön sein Baby im Arm zu halten und in diese fragenden Augen zu blicken – man empfindet eine sehr tiefe Liebe, die anders ist, als alle Gefühle, die man je für jemanden empfunden hat.  Aber trotzdem war es für mich erstmal ein Schock. Ich war so traurig über das verlorene alte Leben, so verzweifelt, mich nun für immer und ewig nur noch um die Kinder kümmern zu müssen, hatte eine riesige Angst davor, diese Verantwortung tragen zu müssen, wusste nicht, ob ich das überhaupt wollte, wollte alles rückgängig machen, wusste nicht, ob ich meine Kinder je richtig würde lieben können, wollte es manchmal gar nicht.

Es ist eine Zwischenwelt, eine Art Schwebezustand zwischen dem alten und dem neuen Leben. Dabei habe ich tagelang geweint, konnte gar nicht mehr aufhören. Ich habe auch jetzt noch verzweifelte Stunden oder Momente, vor allem nachts, wenn ich alleine mit den Babys bin. Ich habe vor so vielem Angst und bin total unsicher, ob ich alles richtig mache. Ich bin nervös, schlafe schlecht und natürlich sehr wenig und habe nach wie vor diese Panikattacken. Ich hoffe, dass es sich noch bessern wird. Ob Wochenbettdepression oder Baby-Blues – egal wie man es nennt, es ist eine kleine Hölle, durch die man gehen muss, bevor das neue Leben richtig beginnen kann. Ich hoffe für alle Mütter, die genauso darunter zu leiden haben, dass sie einen so lieben Ehemann haben wie ich, mit viel Verständnis und offenen Ohren und genauso gute Freundinnen. Denn darüber zu reden ist das Wichtigste und das Einzigste, das hilft. Man muss zu seinen Gefühlen stehen und sie nicht verstecken. Mir hat auch ein homöopathisches Mittel gegen Unruhezustände geholfen, namens Hoggar Balance. Schlafen kann ich immer noch nicht richtig, da ich ständig auf „Hab-Acht-Stellung“ bin, wer als nächstes was von mir fordert. Aber es wird bestimmt mit jedem Tag besser werden – schließlich habe ich die süßesten Babys der Welt  geboren…

12 thoughts on “Baby Blues

  1. Kopf hoch 😉 Hast halt jetzt irgendwie 9 Monate vollkontakthormoncoctail hinter dir, da kannich mir durchaus vorstellen das des dann am ende a) ein böses erwachen aka runterkommen ist und b) auch noch sowas wie Entzugserscheinungen gibt. Alles zusammen gäbe das einen Kinoreifen “cold turkey”. Ich stell mir grad vor wie das ernüchtern nach einem 9 monate anhaltenden Rausch ist.
    Irgendwie stimmts aber schon mit der Zwischenwelt, is irgendwie schwer dir was aufmunterndes zu schreiben des ned komisch oder aufgesetzt wirkt … nunja dann mal schönen Abend und eine lange Nacht.

  2. Hallo!

    Ich hoffe, Du bist mittlerweile über den Babyblues weg und im Normalstreß mit Deinen Kleinen.
    Ich selber bin auch aus München, 24. Woche mit eineiigen Buben, und Dein Blog hat mir in den ersten Wochen riesig geholfen. Habe jeden Eintrag verfolgt und mich mit Dir gefreut. Danke dafür!!

  3. Liebe Evi,
    das ist sehr nett von dir und freut mich richtig! Wenn du magst, schreib mir doch einfach auch mal, wie es dir so geht in deiner SS. Wer weiß, vielleicht können wir uns ja eines Tages mal treffen – zu sechst? 😉 Ich wünsch dir alles Gute!
    LG, Katrin

  4. “Ich war so traurig über das verlorene alte Leben, so verzweifelt, mich nun für immer und ewig nur noch um die Kinder kümmern zu müssen, hatte eine riesige Angst davor, diese Verantwortung tragen zu müssen, wusste nicht, ob ich das überhaupt wollte, wollte alles rückgängig machen, wusste nicht, ob ich meine Kinder je richtig würde lieben können, wollte es manchmal gar nicht.”

    Exakt diese Gefühle hatte ich/ habe ich noch, die ich gerade am Anfang meiner Schwangerschaft stehe … aber ich hoffe, dass mit der Zeit diees Gefühle verschwinden und eingetauscht werden mit den Gedanken: “Wenn ich das geschafft habe, dann ist der Rest eine Kleinigkeit!”

  5. Genau so ging es mir, als meine kleinen Monster vor 10 Monaten geholt werden mussten… Sir waren 7 Wochen zu früh und dementsprechend klein. Wir haben noch vier Wochen im Krankenhaus verbringen müssen und es war einfach nur schrecklich: Das Gefühl, als kümmere man sich mechanisch um fremde Kinder und mit dem Wissen zu leben, dass man die jetzt behalten muss. Ich habe die Entscheidung bereut und mich gleichzeitig gehasst, weil eine Mutter ihre Kinder doch lieben MUSS. Ich hatte eine solche Angst, dass ich sie niemals lieb haben werde…. Das ganze dauerte 3 Wochen, viele Tränen und gefühlt ein ganzes Leben lang. Mein Mann war toll, auch wenn ihn meine Aussagen ein bisschen verstörten.
    Ich bin so froh, deine Worte zu lesen und zu sehen, dass ich keine schlechte Mama bin. Heute lieb ich die Beiden über alles….

  6. Genau so ging es mir, als meine kleinen Monster vor 10 Monaten geholt werden mussten… Sir waren 7 Wochen zu früh und dementsprechend klein. Wir haben noch vier Wochen im Krankenhaus verbringen müssen und es war einfach nur schrecklich: Das Gefühl, als kümmere man sich mechanisch um fremde Kinder und mit dem Wissen zu leben, dass man die jetzt behalten muss. Ich habe die Entscheidung bereut und mich gleichzeitig gehasst, weil eine Mutter ihre Kinder doch lieben MUSS. Ich hatte eine solche Angst, dass ich sie niemals lieb haben werde…. Das ganze dauerte 3 Wochen, viele Tränen und gefühlt ein ganzes Leben lang. Mein Mann war toll, auch wenn ihn meine Aussagen ein bisschen verstörten.
    Ich bin so froh, deine Worte zu lesen und zu sehen, dass ich keine schlechte Mama bin. Heute lieb ich die Beiden über alles….

  7. Hallo Blackcat,
    sich um fremde Kinder kümmern kenne ich so gut!
    Meine 2 sind jetzt 4 Monate alt und ich möchte sie niemals missen, aber die ersten paar Wochen waren der Horror. Ich hab genau das gleiche Gefühlt wie Du und ich habe schon 3 Kinder! Das hat mich aber nur noch mehr verunsichert, denn bei denen verlief es anders!
    Heute ist zum Glück alles vorbei und neulich sagte meine Tante zu mir, ich hätte einen Orden verdient und ich kann nur sagen: wir Zwillingsmamas haben alle einen Orden verdient!!!

  8. Hallo, all ihr Lieben!

    Auch wir haben Zwillinge, die im Januar bereits 6 Jahre alt werden. Die erste Zeit war sehr sehr anstrengend. Ab dem 2. Lebensjahr war alles besser und seit ca. 2 Jahren werde ich für all die Anstrengung damit belohnt, dass die beiden sehr viel miteinander spielen und auch mit ihrem großen Bruder, 9, sehr gut klar kommen. Manchmal merke ich überhaupt nicht, dass sie im Haus sind. Sie sind sehr selbstständig und lernen viel voneinander. Drum, Kopf hoch, solange alles gesund und munter ist, die schwere Zeit geht vorbei!!

  9. Ich bin ehrlich erleichtert dass diese Gefühle “normal” sind. Ich hab meine beiden Racker (auch ein Pärchen) am 13.01.13 geholt bekommen, 6 Wochen zu früh. Bei mir hat’s leider hormonell richtig gekracht, ich war sechs Wochen ab Anfang März sogar stationär in Behandlung 🙁 ich hätte es mir und uns anders gewünscht. Bin bis heute in Behandlung und der Begriff Wochenbett Depression ist leider bisher mein Begleiter. Wer hätte das gedacht? Ich wünsche es niemand…

  10. Liebe Katrin,
    Dein Beitrag ist schon alt – ich weiß 🙂 Aber ich habe eine Interview-Reihe zu diesem Thema ins Leben gerufen (warum, erfährst Du im Link). Das Thema ist mir wichtig und geht mir selbst sehr nahe. Da ich viele Mütter erlebe, die damit nicht klar kommen oder die in eine Depression (ohne Behandlung) geraten, möchte ich Erfahrungen dazu sammeln und später (wenn viele mitmachen) ein eBook zu diesem Thema machen.
    Was meinst Du? Würdest Du mitmachen?

    LG
    Petra von Allerlei-Themen.de

    Hier gehts zu meiner Einleitung:
    http://www.allerlei-themen.de/einleitung-interviewreihe-babyblues/

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