Ich könnte…

Ich schreibe zur Zeit extrem wenig und frage mich oft warum. Denn im Geiste blogge ich täglich, ganze Artikel sogar, aber meist gerade wenn gar keine Möglichkeit besteht, irgendetwas davon festzuhalten.

Wenn ich dann vor dem Bildschirm sitze habe ich alles vergessen und der Rest meiner Gedanken kommt mir zu belanglos vor, viel zu unwichtig, um es irgendjemandem zuzumuten, das zu lesen. Ich weiß, dass das ja keiner muss. Aber ich zumindest muss das lesen wollen und dazu reicht es nicht.

Mich beschäftigen sehr persönliche Dinge zur Zeit, die auf diesem Zwillings-Tagebuch nichts zu suchen haben. Ich würde so gern über Vieles schreiben, aber das würde zu weit gehen.

Wie zum Bespiel, dass ich zur Zeit Angst vor dem Tod habe, vor einer schlimmen Krankheit, die mir diagnostiziert wird, weil ich nämlich seit 20 Jahren rauche und es verdammt noch mal nicht schaffe, aufzuhören. Ich habe 14 Kilo abgenommen, was mich einiges an Überwindung und Verzicht gekostet hat, aber auf die Sch… Zigaretten kann ich nicht verzichten. Dafür hasse ich mich, denn ich habe eine Verpflichtung und ich möchte meinen Kindern erst mit 80 sagen müssen, dass ich bald sterben werde.

Dann könnte ich auch darüber schreiben, dass Jemand, den ich sehr lieb habe, aufs Übelste betrogen und verlassen wurde und nun deprimiert und einsam ist und Angst vor der Zukunft hat. Und ich ihr gerne helfen würde, aber nicht weiß wie.

Ich könnte darüber schreiben, dass mein Mann und ich uns zu viel streiten und warum wir es nicht schaffen, dieselben Erziehungsansichten zu haben. Über meine Ehe und wie sie sich verändert hat, seitdem wir Eltern sind, wollte ich schon sehr oft schreiben, aber das ist zu privat.

Manchmal würde ich auch gerne über mein schlechtes Gewissen schreiben, wie intensiv es mich manchmal quält und im Geiste eine schlechte Mutter nennt, obwohl ich das ja gar nicht bin. Aber ich bin Perfektionistin und will IMMER eine gute Mutter sein und war es einfach zu oft nicht. Ich habe geschrien, war ungerecht und habe falsch reagiert. Ich war zu oft inkonsequent und zu ungeduldig. Ich habe zu viele Fehler gemacht. Und mein schlechtes Gewissen ist zu sensibel um einfach zu sagen „So what? Machen andere genauso!“

Ich könnte auch darüber schreiben, dass es mir eigentlich immer egal war, wie alt ich bin. Ich hatte damit kein Problem bis zu dem Tag, als ich vor Kurzem 42 wurde. Ich fühle mich so unglaublich alt auf einmal, von einem Tag auf den Anderen. Ich kann mich so gut an meinen 30igsten Geburtstag erinnern, was ist in den letzten 12 Jahren passiert außer dass ich Mutter wurde? Wo ist meine Zeit geblieben?

Ich könnte darüber schreiben, dass ich meine zwei besten Freundinnen vermisse, die irgendwie aus meinem Leben verschwunden sind, die eine plötzlich, die andere schleichend. Und dass ich denke, dass ich ganz schön allein bin. Dabei hatte ich mal einen echt großen Freundeskreis und zwei beste Freundinnen über mehr als 15 Jahre hinweg. Menschen kommen und gehen in meinem Leben und das ist meistens auch okay. Und manchmal eben nicht.

Ich könnte auch schreiben, dass ich ein bisschen Angst vor den vielen Veränderungen habe, die dieses Jahr auf uns zukommen. Umzug und Einschulung zugleich, das wird heftig. Dabei habe ich mich früher immer über Veränderungen gefreut. Da haben wir´s wieder – das ist das Alter.

Nein, das schreib ich alles lieber nicht.

Stattdessen erzähle ich euch von meinen zuckersüßen Kindern, die zur Zeit so brav sind, das man es kaum glauben kann. Sie wachen von ganz allein auf, machen sich in ihrem Kinderzimmer ein Hörspiel an und spielen zusammen Lego oder malen. Sie warten bis ich oder mein Mann zu ihnen kommen, um guten Morgen zu sagen. Ich kann mich nochmal kurz umdrehen, wenn mein Wecker klingelt und ganz langsam aufstehen und erst mal ins Bad gehen. Und muss nicht Sekunden nach dem Aufwachen sofort funktionieren, weil Kind(er) neben meinem Bett stehen und Hunger!Pipi!Spielen! rufen. Das ist so schön, ich bin ganz sprachlos.

Meine Kinder verbringen seit mehreren Wochen die meiste Zeit in ihrem Kinderzimmer, das bis vor kurzem noch verwaist war. Und zwar freiwillig und gerne, ohne dass wir es ihnen gesagt hätten. Ich habe das Zimmer etwas umgestellt und mehr Platz geschaffen, aber daran kann es nicht nur liegen. Egal, zumindest ist es der Hammer, denn ich habe endlich wieder Zeit! Für mich! Ich lese wieder. Ich koche wieder. Ja, ich backe sogar Brot. Ich lackiere meine Nägel und shoppe online, mache Fotos und poste sie auf Instagram. Alles während meine Kinder zu Hause sind. Noch dazu bleiben die Mäuse nachts im Bett, gehen ganz allein auf Toilette und legen sich danach wieder hin und ziehen sich jeden Morgen allein an ohne viel Gezeter. Ich genieße diese Zeit, denn das kann ja nur eine Phase sein, oder? 🙂

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11 thoughts on “Ich könnte…

  1. … Und sooo ist es überall. Bei uns genau so! Meine Twins kommen auch diesen Sommer in die Schule mein Mann wechselt den Job nach langer Krankheit … Alles auf einmal das schlägt einen auf dem Magen, dieses ungewisse, die einzige “Aufregung” die ich mich Vertrage ist, Bestell ich ne Mista oder Tonno mit extra Käse…. Mach dir keinen Kopp ums rauchen, klar ist das nicht gut, ist auch doof wegen Vorbildfunktion … Aber wenn DAS dein Anker ist zum Ausgleich im Alltagssturm- es sei dir gegönnt, denk doch dann einfach an unsern Helmut Schmidt und seine Frau…. Evtl kannst du es reduzieren, wenn der Stress vorbei ist… Setzt dir feste ” raucherpausen” aber unter Druck geht das alles nicht.
    Es ist auch schwer wenn man sich in einer Beziehung ” nur ” wegen den Kindern zankt, jeder will und weiß es besser…. Und hat es geholfen es als Job zu sehen( was es ja auch ist…) da mein Mann die meiste Zeit arbeitet, ist er hier zuhause nuuur Teilzeit beschäftigt ^^ aber soooo ist das nun mal… Damit geht’s besser…. Als paar sind wir glücklich, an uns selbst und den Umgang miteinander finden wir Ansich gut.
    Evtl kann man sich ja wieder an die Freundinnen anschleichen, die davon schlichen, mitunter haben Sie ähnliche Probleme und sind zuseht mit sich selbst beschäftigt und man verliert dann oft den Blick dafür…. Evtl einfach mal ne Nachricht hinterlassen ….
    Ich kann’s soooo nach empfinden. Was du schreibst kommt mir immer sooo bekannt vor, egal ob dieser post oder zB Schwimmkurs….
    Da gibt’s ein tolles Lied, ich glaub vom bourani…” Hey…. Sei nicht so hart zu dir selbst….” 👍 Ein schlechter Tag ist noch kein schlechtes Leben! 😉 neuer Tag neue Chance

  2. Ich verstehe nicht ganz,warum dir deine Eheprobleme zu privat sind (Probleme zwischen zwei Erwachsenen,mündigen Menschen) aber alles über deine schutzlosen Kindergibst du dem Internet preis.
    Fotos, persönliche Geschichten und Geschmäcker.
    Glaubst du etwas deine Kinder werden sich irgendwann freuen zu sehen was von ihnen veröffentlicht wurde?
    Ich denke oft,dass solche Mamablogs eigentlich verboten gehören. Deine Kinder sind schutzlos und werden hier an den Pranger gestellt. Richtig was dagegen tun können sie erst in einem Jahrzehnt wenn sie auch das Ausmaß begreifen. Nur bis dahin haben Millionen von Fremden ihre Babygesichter gesehen, ihre Geschichte gelesen.
    Mir würde es das Herz verkrampfen wenn ich gezwungen wäre das meinen von mir abhängig Kindern anzutun, aber bloggende Mamas wie du machen es freiwillig.
    Liest du solche Kommentare und denkst darüber nach oder löscht du es einfach?
    Wenn du bloggen willst,blog über dich aber nimm die Privatsphäre eines auf dich angewuesenen Menschen nicht mit. Über deinen Mann blogst du ja auch nicht,warum? Weil er erwachsen ist, es versteht und sagen kann “Nein, ich möchte das nicht.”
    Aber deine Kinder werden hier zerlegt.
    Als Mutter solltest du sie schützen und nicht im Internet an den Pranger stellen.
    Bitte denk darüber nach und nimm es nicht als “Hate” was es nicht ist.

  3. Hallo liebe Mama,

    Ich muss leider sagen dass ich dem Kommentar zustimmt.
    Ich meins wirklich nicht böse, aber warum seine Kinder im Internet bloß stellen?
    Das begreife ich auch nicht, das tut meinem Mamaherz weh :/

  4. http://www.zwillinge-blog.de/1724/zuruck-zu-den-wurzeln

    In diesem Post habe ich erst geschrieben, dass ich genau das Gegenteil tue von dem, was mir hier vorgeworfen wird.
    Ich bin keine Mutter, die intime Dinge von ihren Kindern preis gibt. Ich achte ganz genau, was darauf, was man schreiben kann und was nicht. Guckt doch mal bei anderen Blogs vorbei, die sogar im Detail darüber schreiben, wann ihre Kinder sauber geworden sind oder was sie für Probleme in der Schule haben oder sogar Fotos von Windelbabys (nackt bis auf Windel) posten.
    Ich finde, ich bin die Falsche für diese Diskussion. Und überhaupt, wenn ihr Mamablogs nicht mögt – warum LEST IHR SIE DANN?

  5. Beim Blogs durchstöbern kommt man oft über Umwege auf Blogs die man ansonsten eher nicht liest (als Beispiel, Moni die eine Beautybloggerin war und erst als sie das erste Mal schwanger war einen Babyblog draus gemacht hat) und nur weil man etwas stöbert heißt es ja nicht dass man den Blog regelmäßig verfolgt oder so.

    Ich denke, dass man seine Meinung sagen darf auch wenn sie kein blümchenschäumendes Kompliment ist und in meinem Fall war es aufkeinenfall Hate.

    Ich sorge mich nur wirklich um unsere Kinder. Ein Erwachsener wie zB ein Ehepartner kennt das Ausmaß und kann es verbiezwn.
    Unsere Kinder können erst nach Jahren “Stop” sagen und das Internet ist nicht ungefährlich :/

    Auch wenn es “nur” Bilder sind, denke ich, ist es dennoch ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Dein Kind kennt das Ausmaß und die möglichen Probleme oder dataus resultierenden Folgen nicht.
    Eine Mutter muss ihr Kind schützen.

    Ich denke zB, warum kein privater Blog mit Passwort für Artikeln mit Bildern der Kinder? Wäre das nichts? 🙂
    Denn hier würde das Argument dass Mamas ja “für sich als Tagebuch” bloggen hinhaum. Ich sehe nicht ein warum eine Mama die als Tagebuchersatzt bloggt dann aber nicht ein bisschen was für den Schutz ihrer Kinder macht..?

  6. Ich lese deinen Blog schon sehr lange und ich war richtig traurig und zugleich wuetend die beiden Kommentare zu lesen. Der Blog ist absolut liebevoll gestaltet und enthaelt keinerlei Information, die zu viel von den Beiden preis geben. Ich bin absoluter Fan, weil du die Sachen zum Punkt bringst und einfach so authentisch schreibst. Bitte lass dich von diesen beiden Kommentaren nicht runterziehen. Deine Kinder werden in jeder Zeile lesen koennen, was fuer eine tolle Mutter du bist, die so reflektiert ist, dass sich Viele eine Scheibe davon abschneiden koennten. Danke fuer alle Beitraege!

    P.S.: Unsere Zwillinge sind 4,5 Jahre, auch ein Paerchen.

  7. Vielen Dank Anett, deine Worte tun mir sehr gut. Ich bekomme zZ sehr viele negatife Kommentare, so dass ich gar keine Lust mehr habe zu schreiben. Kommen meistens von denselben Personen…
    Vielen Dank also für die Motivation!

  8. Als du diesen Beitrag veröffentlicht hast, habe ich einen langen Kommentar geschrieben-und wieder gelöscht. Ich hab dir geschrieben wie sehr unsere Leben sich ähneln und das ich dich verstehe. Aber dies ist dein Blog. Scheinbar machen sich andere nicht so viele Gedanken.

    Ich liege mit einer Lungenentzündung neben meinem Mann der Grippe hat. Ich habe mich erinnert, bei dir einen ähnlichen Fall gelesen zu haben. Ich wollte nun in dieser panischen Situation Kraft schöpfen. Andere schaffen das auch und danach kommen sicher leichtere Tage. Es hilft mir durchzuhalten.

    Jetzt lese ich das. Es macht mich wütend! Ich hoffe von Herzen mein Kommentar wiegt ebenso schwer wie die Oben.

    Ach ja, erst seit ich durch dich darüber nachgedacht habe, gebe ich jedem Obdachlosen etwas. Damit die gemeinen”lieben”Omas dieser Welt nicht gewinnen. Und das ist etwas real Gutes, was du durch deinen Blog bewirkt hast.

    Viel Kraft und Mut wünsche ich dir, dein Leben weiterhin so authentisch zu gestalten

  9. Fakt ist, dass durch dich viele Fotos deiner Kinder im Internet sind und somit von aller Welt gesehen werden können. Den harmlosen Menschen, wie auch von denen die sie möglicherweise aus ganz anderen Gründen ansehen.

    Ich persönlich wäre am Boden zerstört, würde ich als Erwachsener wissen dass meine Mutter mich und Geschichten von/über mich im Internet in solchen Ausmaß verbreitet hat.

    Ich persönlich denke, dass es eine Verletzung der Menschenrechte ist, denn Babies und auch Kinder haben keine Möglichkeit sich selbst dagegen zu wehren ins Internet gestellt zu werden.

    Möglich dass es heutzutage kein Ding mehr ist, Mamablogs schwirren leider wie Fliegen im Netz herum. Aber ich finde das macht es nicht weniger gefährlich, verletzend und schlimm.

    Ich versuche nett zu bleiben und dich einfach zu bitten, darüber nachzudenken.
    Ich möchte nicht haten oder eine Mutter die sich anscheinend viel bemüht fertig machen.
    Du alleine hast die Verantwortung darüber und nur du kannst es entscheiden, pass auf deine Kinder auf.

  10. Liebe Katrin,

    ich lese deinen und auch einige andere Mamablogs schon lange und möchte dich beruhigen: Ich finde du hast ein sehr gutes Gespür dafür, was hier veröffentlicht wird und was nicht. Da gibt es ganz andere Kandidaten!
    Ich lese deinen Blog wirklich unheimlich gerne, auch wenn ich selbst noch gar keine Kinder habe, und hoffe sehr, dass du dich durch die Kommentare nicht beeinflussen lässt, sondern deinen bisherigen Weg, den du ja wie du selbst schreibst gut überlegst, beibehälst.

    Viele liebe Grüße,
    Ann-Kathrin

  11. Liebe Katrin,

    auch als nicht Zwillings-Mami, lese ich Deinen Blog so gerne und er gibt mir so oft Kraft, denn vieles was Du schreibst, deckt sich so sehr mit den eigenen Gedanken und Problemen. Ich glaube ganz ehrlich, dass Deine Kinder sich irgendwann mal ganz dolle freuen werden so ein authentisches “Tagebuch” lesen zu können, vor allem wenn sie selbst mal Eltern werden. Wenn ich hier lese wie kritisch manche hier dazu Stellung nehmen, finde ich es seh schade und anmaßend. Wer sagt denn das ihr alles richtig macht. Ich kenne solche Eltern von unseren Spielplatzbesuchen. Sie meckern über alles und jeden, merken dann aber nicht, dass ihre Kinder mit Hundekacke spielen, weil immer wenn sie sich unbeobachtet fühlen, nicht das Kind, sondern das Handy so viel wichtiger sind. So haben wir alle unsere Fehler. Umso mehr sollten wir uns manchmal mit unseren Anmaßungen zurücknehmen. I h finde Katrin, dass Du eine tolle, menschliche Mami bist und ich finde es so nachfühlend echt wie Du schreibst. Ich habe viele Jahre hier still mitgelesen und habe mit Dir gelacht, gelitten, geweint und habe mich an Euren Fortschritten gefreut. Ich kann auch Deine aktuellen Ängste verstehen, denn mir geht es ganz ähnlich und noch mehr kann ich nachfühlen wie es sich anfühlt, wenn man merkt das die Kleinen doch gar nicht mehr so klein sind und das man zwar die mehr und mehr wieder gewonnene Freiheit genießt, jedoch auch traurig ist, all die süßen kleinen Momente nicht mehr zurückdrehen zu können. Lass Dich nicht beirren… Du bist eine tolle Mami und Deine Kinder werden Deinen Blog irgendwann genauso lieben wie viele der stillen Leserinnen und Leser hier 🙂

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