Ein Schritt in die große Welt

Lieber Max, liebe Emma,

Ich habe Angst, etwas falsch zu machen.

Eigentlich permanent, seitdem ich eure Mutter bin. Und – oh ja – ich habe so viele Fehler gemacht, fast schon unzählbar.

Nun ist meine Angst aber viel greifbarer, da ein Fehler in der jetzigen Situation eine große Tragweite hätte und umso größere Konsequenzen für euch…

Ich musste euch in der Ganztagsschule anmelden. Eigentlich wollte ich das nicht und hatte diese Option schon total ausgeschlossen. Aber wir wurden von Hort und Nachmittagsbetreuung abgelehnt. Ich würde zu wenig arbeiten, um Anspruch auf einen Platz zu haben, bzw. haben andere Mütter, die Vollzeit arbeiten, Vorrang. Und Alleinerziehende sowieso, als auch die Geschwisterkinder. Nun also, wir haben keinen Platz bekommen und nur in der Ganztagsklasse gab es noch 2 Plätze.

Da werdet ihr nun hingehen und diese Entscheidung habe ich für euch getroffen. Eine riesige Verantwortung.

Ich würde so gerne zu Hause bleiben und euch ein warmes Mittagessen bei uns zu Hause servieren, euch ein bisschen spielen lassen und dann mit euch die Hausaufgaben machen. So wie ich es als Kind erfahren durfte.

Aber das geht nicht, ich muss arbeiten und ich will es auch, ich liebe meinen Beruf über alles. Selbst wenn ich das nicht tun würde, wir brauchen mein Gehalt nun mal.

Ich habe alles miteinander verglichen und Pro und Contra gefiltert, auch wenn ich die Wahl gar nicht mehr hatte.

Der Hort bietet euch nach der Schule unglaublich viel Spielfläche, viele Motto Räume, viel Kreativität. Um 16Uhr hätte ich euch aber erst abholen dürfen, auch Freitags. Und ihr hättet nach dem Hort noch die Hausaufgaben mit mir kontrollieren und fertig machen müssen. Denn diese werden im Hort zwar gemacht, aber nicht kontrolliert. Und, der Hort kostet monatlich. Dafür hätte es eine Ferienbetreuung gegeben. Ähnlich wäre es bei der Nachmittagsbetreuung gewesen, allerdings mit flexibleren Abholzeiten.

In der Ganztagsklasse seid ihr nun von 8Uhr bis 16Uhr. Unterrichtsstunden wechseln mit Erholungszeiten, so dass ihr genug Bewegung habt. Pause habt ihr mittags 1,5std. Ihr habt von Montag bis Donnerstag keine Hausaufgaben auf, könnt also ab 16Uhr für den Rest des Tages spielen. Und am Freitag darf ich euch um 13Uhr holen um mit euch einen schönen Nachmittag zu haben. Die Betreuung kostet nichts extra außer dem Mittagessen. Allerdings gibt es keine Ferienbetreuung.

Damit müssen wir nun klar kommen. Ich mag das Konzept sehr gerne. Ich finde es toll, dass ihr keine Hausaufgaben habt und dass ich einen schönen Nachmittag mit euch habe am Freitag. Aber ich habe Angst, dass ihr zu viel still sitzen müsst. Dass es euch zu lange ist. Dass ihr nicht gut genug betreut werdet, da nur die Klassenlehrerein für euch zuständig ist. Es gibt kein großes Betreuungsteam wie beim Hort und der Nachmittagsbetreuung. Es gibt keine Motto Räume. Allerdings einen großen Garten und eine Leseecke und einen Raum für Brettspiele. Mehr nicht.

Ich hoffe, ihr werdet euch wohl fühlen. Nicht überfordert sein, Freunde finden.

Glücklich sein.

Ich muss euch nun wieder ein Stückchen loslassen. Euch in die Schulwelt schicken ohne zu wissen, was ihr dort erlebt. Was ihr zu Essen bekommt. Wer euch hilft oder wer euch stehen lässt. Welche Gefühle ihr habt und ob ihr die Zeit findet, sie zu verarbeiten.

Ich konnte euch bisher intensiv begleiten und ihr konntet einfach nur Spielen, den ganzen Tag. Ihr wart zwar im Kindergarten, aber dort wart ihr immer für mich erreichbar, ich konnte anrufen, wenn etwas war, ich konnte euch früher abholen, ganz egal wie früh. Oder euch einfach mal zu Hause lassen. Und ihr musstet nur spielen. Einfach nur spielen. Kind sein. Ohne Druck, ohne Leistungszwang.

Der erste wirkliche Schritt in die große Welt. Ohne mich.

Ich hoffe, euch macht es Spaß, in die Schule zu gehen.

Ich hoffe, das Lernen macht euch Spaß.

Ich hoffe, ich habe euch genug beigebracht. Ich hoffe, ihr werdet nicht gehänselt, weil ihr irgendwas noch nicht könnt.

Vielleicht hätte ich mehr tun müssen. Können die anderen Kinder schon alle Buchstaben schreiben? Können sie die Uhr lesen? Seit ihr wirklich schon schulreif?

Oder hätte es euch gut getan, noch 1 Jahr im Kindergarten zu bleiben? Noch 1 Jahr mehr Zeit zum Spielen und Entwickeln. Manchmal denke ich, ja, das wäre besser gewesen. Und dann denke ich wieder, dass ich euch nur unterschätze.

Es wird nun so sein. Und ich hoffe für euch, dass alles gut wird. Ich werde versuchen, mich bis September von meinen Ängsten frei zu machen, euch zu ermutigen und zu bestärken und euch meine Unsicherheit nicht spüren zu lassen. Ich weiß wie wichtig es ist, dass man seine Kinder nicht in Watte packt und loslässt. 

Ihr seid zwei so tolle Menschen geworden. Ich bin stolz auf euch und liebe euch über alles…

3 thoughts on “Ein Schritt in die große Welt

  1. Hallo Katrin,
    meine beiden haben vor einem halben Jahr die Schule begonnen. Sie waren gerade fünf geworden ( wir leben im Ausland). Die Wochen davor war für mich eine riesige emotionale Herausforderung. Ich war mir sicher, dass es für die Kinder total schwierig werden wird. Aber es kam ganz anders (ok, ein paar Tränen gab es schon, aber jetzt läuft es super!) Sie haben sich toll eingelebt, Freunde gefunden und kommen gut mit dem Unterricht klar. Die ersten Monaten waren sie nach dem Abholen um 15 Uhr total erledigt und wollten gar nichts mehr unternehmen. Mittlerweile haben sie sich dran gewöhnt und halten bis abends gut durch. Und du wirst überrascht sein, wie schnell und gerne die Kinder ganz viel Neues lernen. Mach dir nicht zu viele Sorgen und ich hoffe sehr, dass euch der Start in die Schule gut gelingen wird!
    Liebe Grüße, Anke

  2. Liebe Katrin
    ich wünsche Emma und Max für die Schule alles Gute das sich wohlfühlen und viel Spass haben
    Deine zwei machen das schon alles was du geschrieben hast sind das richtige SUPER KInder
    Ist doch normal das Du zweifelst bei jeder neuen Entscheidung zweifeln wir erst ob das wirklich das beste ist für unsere Kindr weil wir immer nur das allerbeste für unsere Kinder wohlen Du wirst sehn auch wenn Max und Emma lang weg sind tagsüber wenn sie zur Schule gehn Sie werden auch noch selbständiger und das ist doch aucht gut Das wird alles gut schenke den KInder vertrauen das sie es schaffen Kinder schnell sich an neue Sitationen gewöhnen Und ausserdem sie sie nicht alleine sie haben sich und das ist auch viel wert oder ?
    Alles Liebe Silke

  3. Als meine große Tochter in die Schule kam, hatte ich genau dieselben Sorgen. Ich dachte, mein zartes, sensibles Mädchen wird sicher überfordert sein. Sie wird sich sicher nicht durchsetzen können. Und ich kann nichts machen, weil eben die Schule ein Ort ist, an dem Eltern keinen oder nur noch wenig Einfluss haben.
    Nach ein paar Wochen merkte ich bereits, dass meine Sorgen völlig unbegründet waren. Meine Tochter hat ALLES geschafft. Klar gab es Konflikte, für meinen Geschmack zu viele Proben, gemeine andere Kinder, Streitigkeiten etc. Aber sie bekommt das alles hin. Sie wird richtig groß. Wird selbständig. Noch 2, 3 Jahre, dann kommt die Pubertät…

    Bei meiner kleinen Tochter war ich dann viel entspannter und auch sie meistert die Schule gut. Und das ist eine ganz normale Sprengelschule, Grund und Hauptschule zusammen. Für manche Eltern ist allein so etwas ja schon ein Grund, die Kinder in einer Privatschule anzumelden 😉

    Die Ganztagsschule, die du beschreibst, finde ich prima. Keine Hausaufgaben, super. Nach 16h nämlich noch Hausaufgaben fertig machen müssen ist für Eltern und Schüler der personifizierte Alptraum. Bin froh, dass meine beiden im Hort Hausaufgaben machen und kontrolliert werden. Also schon mal ein Pluspunkt. Einziges Problem sind die langen Ferien. Gute 3,5 Monate, die zu überbrücken sind….unser Hort nimmt übrigens Ferienkinder auf, die früher als Kindergartenkinder in der Einrichtung waren. Eine Erleichterung für viele Eltern.

    Ich hoffe, du schaffst es, einen positiven Dreh zu finden. Deine Kinder werden jetzt selbständig. Sie brauchen dich zwar immer noch, aber nicht mehr so intensiv. Und das ist gut so, denn das lässt sich wachsen, innerlich und äußerlich.

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