Ach, Max…

Was war gestern nur los mit dir. Ich denke immer wieder an die Momente zurück, in denen wir uns gestern nicht verstanden haben.  Ich weiß immer noch nicht genau, was los war mit dir… Ich lag heute Nacht lange wach und wünschte mir, dass du neben mir liegst und ich dich ganz feste halten kann. Obwohl gegen Abend schon alles wieder gut war zwischen uns, hatte ich trotzdem mit mir als Mutter zu kämpfen, mal wieder plagte mich mein schlechtes Gewissen.

Wir waren alle 4 im Freibad gestern, denn es war unerträglich heiß. Wir hatten dort einen gemütlichen Tag und ihr hattet viel Spaß. Ihr habt Enrica aus dem Sportkurs zufällig getroffen und mit ihr habt ihr fast den ganzen Tag gespielt. Nachdem wir bereits um 9.30Uhr dort waren, hatten Papa und ich aber um 15.30Uhr keine Lust mehr und packten zusammen. Das war für dich kein Problem, denn du hast dich auf unser Planschbecken im Garten gefreut, du wolltest wieder mit den Nachbarskindern “Wir kämpfen mit den Wasserpistolen” spielen, denn dabei hattest du am Tag zuvor sehr viel Spaß.

Aber als ich dir beim Anziehen sagte, dass wir nun zu Hause noch alle duschen müssen, ging es los. Dass du nicht gerne duschst, weiß ich ja. Aber so ein Theater hast du noch nie gemacht. Dabei weißt du eigentlich, dass wir immer duschen, wenn wir im Schwimmbad waren. Du hast dich fürchterlich aufgeregt und hast nicht mehr aufgehört. Die ganze Fahrt im Auto nach Hause hast du getrotzt, getreten und geweint und dort ging es dann weiter. Als Papa dich duschte, platzte ihm dann der Geduldsfaden, was dein Brüllen und Klagen noch verstärkte.

Nach dem Duschen war es endlich wieder gut. Du hast mit Emma im Kinderzimmer gespielt und wolltest dann aber endlich mit den Nachbarskindern spielen, hast schon mal deine Badehose angezogen und bist zu ihnen gelaufen – und kamst enttäuscht zurück, denn sie waren nicht zu Hause. Von dem Moment an hast du dich nur noch mit Emma gestritten. Es war kaum auszuhalten. Du hast ganz offensichtlich (und sehr “erwachsen”) deine schlechte Laune an ihr ausgelassen, nichts konnte sie dir recht machen – und sie hat es wirklich versucht!

So kam eins zum Anderen. Alle 2 Minuten kamst du, um dich über Emma zu beschweren, und ich hatte bei 35Grad Hitze und einem langen Tag mit viel Geheule einfach keine Geduld mehr. Ich hab es wirklich versucht, ich hab mit dir geredet, dir versucht zu erklären, was Emma gemacht oder nicht gemacht hat, aber es half alles nichts. Du kamst aus deiner Wut-Frustrationsschleife nicht mehr heraus. Du hast nur noch geweint und laut geschrien und dann hab ich auch nur noch geschrien und dich in dein Zimmer bugsiert mit dem Befehl, dass du dort bleiben musst, bis es dir wieder besser geht. Ich wusste tatsächlich nicht mehr weiter, und eigentlich war es auch irgendwie das Richtige in dem Moment.

Aber wie ich nunmal so bin, habe ich sofort, noch beim Türe schließen, ein schlechtes Gewissen bekommen.  Verdammt, du bist doch gerade erst 6 Jahre alt geworden. Warum kann ich nicht anders reagieren? Wäre es besser gewesen, dich mit ins Schlafzimmer zu nehmen um dort einfach nur zu kuscheln und zu reden, bis du wieder klar denken kannst? Ich lieb dich doch so, es macht mich fertig, dich so traurig zu sehen, es bricht mir das Herz!!

Und dann bin ich zu dir gegangen, um dich im Kinderzimmer zu beruhigen und dir zu erklären, was passiert ist, aber es war zu spät. Du wolltest nur noch Papa, so wie immer. Papa ist immer der Held in deinem Leben und ich bin die, die versucht, dir Regeln beizubringen und die manchmal ein bisschen zu streng ist in deinen Augen, weil du so sensibel uns harmoniebedürftig bist, dass alles für dich ein “Schimpfen” ist.

Papa durfte dich dann trösten und dich halten und ich stand mal wieder im Abseits und habe mich richtig beschissen gefühlt.

Später dann haben wir uns wieder vertragen und alles war wieder in Ordnung. Oberflächlich gesehen zumindest. Denn innerlich habe ich noch die ganze Nacht gebrodelt und hätte gerne die Zeit zurück gedreht und ein paar Dinge anders gemacht.

Tut mir leid, mein Schatz. Manchmal bin ich nur Mensch.

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(gestern im Schwimmbad beim Ausruhen im Zelt, als noch alles gut war…)

2 thoughts on “Ach, Max…

  1. Mehr Beiträge, bitte! <3 Deine Texte sind wunderbar und berühren mich immer. Marla und Ben sind fast auf den Tag genau ein Jahr jünger und Deine Einträge sind für mich wie eine Vorschau auf das, was da noch auf mich zukommt. DANKE! Viele Grüße Iris

  2. Ach Katrin, das ist doch alles nur normal 🙂 6jährige Jungs sind Bockies, 6jährige Mädels Zicken. Dann ist es zu heiss und der Geduldsfaden ist auch nicht immer stark genug. Ist halt so. Kopf hoch und durch (schlimmer geht immer). Kann Dich gut verstehen. Ist bei uns auch so.

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