Alleine einschlafen – ein langer Weg

Auf einmal ist es soweit. Und es kam aus dem Nichts. Etwas ganz Großes ist geschehen.

(Trommelwirbel)

Meine. Kinder. schlafen. alleine. ein!

Alleine. Ohne mich und ohne Papa. Alleine!

Uns so kam das:

Wir sind umgezogen und jedes Kind hat nun endlich ein eigenes Zimmer. Und zwar mit Hochbett. Unter dem Hochbett befindet sich jeweils eine Kuschelecke aus vielen Kissen und einer kleinen Matratze.

Vor unserem Umzug hatten sich die Kinder ein Zimmer geteilt, schliefen jeden Abend zusammen ein. Und wir als Eltern wechselten uns ab, den Kindern die Gute-Nacht-Geschichte(n) vorzulesen. Man blieb so lange im Zimmer, bis Emma eingeschlafen war, händchenhaltend neben dem Bett. Manchmal dauerte das bis zu 1Std. Ja, so war das, auch wenn es manche bestimmt nicht glauben können. Emma hat den Körperkontakt gebraucht und Max das Gefühl, dass wir da sind.

Im neuen Heim ging das nun nicht mehr wegen der räumlichen Distanz der beiden Kinderzimmer. Also lasen wir abwechselnd eine Geschichte vor, mal in Emmas, mal in Maxis Zimmer, zu dritt unter dem Hochbett in der Kuschelecke. Wenn die Geschichten zu Ende waren, ging das jeweils andere Kind in sein Zimmer hinüber und ins Bett. Da wurde es dann oft schwierig. Max wollte nicht alleine sein, sprach vom “Vermissen” und wollte unbedingt, dass noch jemand bei ihm blieb. Die Tür musste weit offen bleiben und das Licht im Flur musste an bleiben. Emma ging zwar brav in ihr Bett, kam aber circa 10-20min später zu uns ins Wohnzimmer oder wandelte im 1.Stock umher.

Eine Lösung musste her und sie kam von Max selbst. Er wollte ein Hörbuch zum Einschlafen hören und zwar in Emmas Zimmer. Er legte sich also in Emmas Kuschelecke, Emma in ihr Hochbett, Gute-Nacht-Kuss, Licht dimmen, Hörbuch an, Türe zu.

Das war´s. Wenn die Geschichte aus war, wurde der CD Player aus gemacht und geschlafen. So einfach.

Von da an wechselten sich die Kinder ab und schliefen jeweils im anderen Zimmer in der Kuschelecke und suchten sich genauso abwechselnd ein Hörbuch aus. Das klappt nun schon seit 1 Woche hervorragend.

Das ist das, was mein Mann und ich uns immer gewünscht haben. Glückliche Kinder, die alleine und ohne Kampf einschlafen und uns 1Std mehr Zeit am Abend bescheren.

Jetzt ist der Moment endlich da und kam so plötzlich und unerwartet, dass ich gar nicht richtig mitkomme.

Wenn ich doch das lange Warten neben dem Bett nicht vermisse, so vermisse ich aber den Körperkontakt. Ich vermisse meine Kuschel-Emma. Ich vermisse nicht nur das Händchenhalten, sondern auch das Kuscheln am Morgen, dass mir nun aufgrund des (sehr hohen) Hochbetts auch nicht mehr so möglich ist. Ich vermisse auch die kurzen Dialoge dabei, was ihr gerade so im Kopf herumschwebt. Ich vermisse meine KLEINEN Kinder!

Auf einmal geht alles so schnell, ich will das gar nicht. Meine Kinder sind jetzt Schulkinder? Schlafen alleine ein? Sagen lauter kluge Dinge und wissen auf einmal so viel? Wollen nicht mehr mit mir Kuscheln? Wo ist die Zeit geblieben?

Und ja, ich weiß, man kann es mir nicht Recht machen….

 

 

3 thoughts on “Alleine einschlafen – ein langer Weg

  1. Hallo 🙂 ich musste die unbedingt schreiben! Ich habe am Montag erfahren, dass ich Zwillinge bekomme. Ich bin sehr jung, könnte deine Tochter sein 😉
    Ich hab erstmal 3 Tage durchgehend geheult, wusste nicht, wie es weitergeht, hatte ganz schlimme Gedanken und war so verzweifelt wie noch nie. Dann hab ich mich angefangen zu informieren& überall klang es wie ein Todesurteil 2 Kinder zu erwarten.
    Ich bin echt durch die Hölle gegangen.
    Bis ich deinen Blog gefunden habe! Ich war so fasziniert über deine Ehrlichkeit, dass ich jeden einzelnen Post von dir innerhalb von 2 Tagen durchgelesen habe 😄 Du hast mir so viel Hoffnung und Zuversicht gegeben, dass ich mich wirklich auf meine Kinder freuen kann. Ich danke dir von ganzem Herzen dafür! Wenn du willst, dann schreib mir, ich würde mich so sehr freuen. Ich verdanke dir eine Menge, ob du es glaubst oder nicht. Du kannst wirklich stolz auf dich sein. Danke für alles mach weiter so!
    Liebe Grüße, Hannah 🙂

  2. Liebe Hannah, ich will dir nur kurz sagen, dass ich auch Zwillinge habe und alleinerziehend bin. Der Papa existiert in unserem Leben gar nicht. Sie sind jetzt 18 Monate und auch wenn das erste Jahr wirklich furchtbar hart war – jetzt ist es wunderschön und so lieben sich beide so sehr und spielen auch schon toll. Es wird viele Tage geben, wo du heulend am Fußboden sitzt, weil du nicht mehr weiter kannst, aber du wirst weitermachen, weil du ja musst. Und dann wird es mit der Zeit immer mehr Tage geben, wo du einfach nur glücklich bist, dass du Zwillinge hast, weil das eine Bindung ist, die die zwei haben, die unglaublich ist und einzigartig. Und die wunderschönen Tage werden überwiegen. Und noch was: Wenn du als Mama Zwillinge wuppen kannst, dann KANNST DU ALLES andere im Leben auch. Mir gibt das sehr viel Selbstbewusstsein zu merken, was ich eigentlich alles schaffen und leisten kann. Lass deine Angst zu, die ist normal. Aber wann immer es deine Seele und dein Körper zulassen – dann versuch dich zu freuen. Du wirst das schaffen! Liebe Grüße und alles Gute für die Schwangerschaft

  3. Liebe Hannah,
    jetzt wurde ich durch den Kommentar von Anja daran erinnert, dass ich dir unbedingt noch antworten wollte, ich hatte es im Alltagsstress leider vergessen, tut mir leid.
    Dein Kommentar war einer der schönsten in meinen 7 Blogger Jahren und ich danke dir sehr dafür.
    Lass dir bitte deine Freude nicht nehmen, natürlich wird es harte Zeiten geben und Tage, an denen du sehr erschöpft sein wirst, aber es wird besser werden und vor allem wirst du erfahren, wie tief man lieben kann. Es ist wunderschön, Zwillinge zu haben, es ist etwas Besonderes.
    Schaffe dir ein gutes Netzwerk an, evtl können deine Eltern helfen, deine Oma, deine besten Freundinnen etc. Du wirst sehen, alles wird gut! Und die Zeit geht so schnell vorbei, die wirklich stressigen Jahre sind im Vergleich zu einem ganzen Leben wirklich sehr kurz!
    Es würde mích freuen, wenn du mir nochmal schreibst, wenn deine Mäuse da sind!
    Alles Liebe,
    Katrin

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