Ich höre mich selbst

Man soll so vieles mit Kindern nicht tun, so viele Dinge schaden unseren Kindern, prägen sie in irgend einer Form, die wir gar nicht wollten. Die meisten Situationen entstehen Zeitdruck, aus Verzweiflung oder weil wir in einer Sackgasse sind oder weil wir ganz einfach nur Menschen sind. Ich bin nicht nur Mutter, ich bin auch eine Frau mit sehr intensiven Gefühlen, sehr sensibel, schnell überreizt. Ich bin Ich. Nicht nur die Mama. Ich bin müde, ich sehne mich danach, mal länger als nur alle 2 Wochen ein paar Stunden allein zu sein. Ich darf auch mal nicht mehr können. Ich kümmere mich um viele große Dinge und um noch mehr kleine Dinge des Lebens, gehe arbeiten, mache den Haushalt, organisiere unser ganzes Familienleben.

Und so kommt es, dass man manchmal schimpft und schreit. Und viel zu oft droht. Und diese Drohungen haben sich bei uns leider verselbstständigt. Dass heißt, es sind eigentlich Erpressungen, die sich da abspielen.

Wenn du nicht sofort…, dann….!!

Irgendwann gab es wohl mal einen Präzedenzfall. Man drohte dem Kind und bekam sofort, was man gerade verlangte. Speicherte diese Lösung als erfolgreich ab und wiederholte sie. Mir ist das jahrelang nicht aufgefallen, dass wir immer wieder mit negativen Konsequenzen gedroht bzw. erpresst haben. Hauptsächlich mit Fernsehverbot oder Süßigkeiten Verbot oder einfach nur mit “dann gibt´s aber Ärger” oder “dann werde ich gleich soooo sauer”. Es hat sich so eingespielt und ich habe es viel zu spät bemerkt. Dabei lese ich so viel im Internet und auf anderen Blogs über Kindererziehung. Und das man genau das nicht machen darf, denn das Kind lernt dabei nicht, dass man etwas aus Nettigkeit macht, oder weil man verstanden hat, warum es geht, sondern weil man sonst bestraft wird.

Die Kinder lernen von den Eltern, wir prägen sie mit allem, was wir tun. Und so kommt es, dass nun meine Kinder mich erpressen, wenn sie etwas wollen. Ist das nicht schrecklich? Ich höre mich selbst da reden. Und ich mag mich nicht!

“Ich putze jetzt nur meine Zähne, wenn du…”

“Ich komme nur mit, wenn du…”

“Du darfst nur in meinem Zimmer spielen, wenn du…”

Ich bin total traurig deswegen. Und ich versuche, dagegen zu steuern, meine Fehler wieder gerade zu bügeln. Ich erkläre es den Kindern, so gut ich kann. Aber Prägung ist nun mal Prägung, das ist keine komische Angewohnheit, die man sich wieder abgewöhnen kann, sondern eine irreversible Form des Lernens. Das Kind sieht es als richtig an, sich so zu verhalten/das zu sagen/das zu tun. Weil Mama und Papa es ihnen vorgelebt haben.

Mein Mann sagt immer, ich soll mir nicht so viele Gedanken um alles machen, aber so bin ich nun mal. Ich bereue so viele Dinge in meinem Leben als Mutter. Ich hätte es so viel besser machen können! Ich stelle mir oft Fragen wie “Was wäre, wenn wir nicht…”.

Wir formen unsere Kinder, das darf man wirklich niemals vergessen! Man formt sie tatsächlich zu den Menschen, die sie mal werden. Wir entwerfen ihre Erinnerungen! Wir befüllen ihr Gedächtnis! Wenn man also bestimmte Fehler nicht gemacht hätte, hätten sie andere Charaktereigenschaften? Andere Verhaltensmuster? Zum Beispiel, was wäre, wenn wir Max nicht so oft gesagt hätten, dass er sich gleich weh tut, dass etwas passieren kann, wäre er ein weniger ängstlicher Mensch geworden? Und könnte Emma besser mit ihren Emotionen umgehen, wenn mein Mann und ich nicht ein paar mal zu oft vor ihren Augen gestritten hätten?

Letztendlich kann ich es nicht mehr ändern, die Zeit nicht zurück drehen. Wenn, dann würde ich wahrscheinlich ins Jahr 2013 zurück reisen, da waren meine Mäuse 3 Jahre wie auf den Fotos unten, so süß und unschuldig und irgendwie noch viel weniger belastet als heute, so knuffig und immer fröhlich.

Ändern kann ich nichts mehr, aber ich kann es in Zukunft besser machen, und das werde ich auch. Und vielleicht liest ja eine andere Mama meine Gedanken hier mit und adaptiert meine guten Vorsätze für sich selbst. Das wäre schön…

 

6 thoughts on “Ich höre mich selbst

  1. Liebe Katrin,

    du solltest vielleicht weniger das Geschehene bereuen und mehr die Zeit mit deinen Kindern in der Gegenwart genießen, sonst bereust du in ein paar Jahren nur, dass du zuviel Zeit mit dem Bereuen vergeudet und zu wenig genossen hast. Wir sind alle nur Menschen….Unsere Kinder lernen dann hoffentlich aus unseren Erziehungsfehlern ;-D

    LG

  2. Ich stimme Manja zu. Und was ein Fehler war zeigt sich eh erst im Laufe der Zeit. Du sollst sie auf das selbstständige Leben vorbereiten und auch darauf, dass sie Konfliktsituationen aushalten können. Außerhalb Deiner liebevollen Lernumgebung namens Zuhause wird es solche Situationen später mit Sicherheit geben.

    Ich finde übrigens ein wenn…dann…als logische Konsequenz nicht unbedingt nachteilig (anders natürlich, wenn es zur Manipulation eingesetzt wird). Das eine wissentliche Grenzüberschreitung bei Dir zu erkennbaren Unmut führt, finde ich sehr verständlich. Das geht jedem so in gewissen Fällen. Deine Kinder müssen auch lernen, die persönlichen Grenzen von anderen, einschließlich Dir zu erkennen und zu respektieren. Zum authentisch sein gehört ja auch, dass erkennbar ist, wenn Dich etwas ärgert.

    PS: Dein Blog ist für mich sehr oft ein kleiner Rettungsring. Ich habe ein 3 1/2 jähriges Zwillingspärchen…..sehr lebhaft, phantasievoll udn sensibel. Viele Situationen haben wir genauso oder ähnlich. Es hilft, darüber zu lesen und sich nicht allein zu fühlen.

    Es lebe der Imperfektionismus! 😉

  3. Ehrlich gesagt glaube ich, dass es nichts anderes ist als eine ‘komische Angewohnheit’ oder ein ‘Mittel zum Zweck’, aber auf jeden Fall keine Prägung. Prägung würde für mich bedeuten, dass sie entweder wirklich Angst vor einer Strafe entwickeln oder aber denken, dass man bestimmte Dinge nur bekommt, wenn man etwas dafür tut (man muss für alles belohnt werden). So hört es sich aber bei Euch nicht an. Sprich doch mal mit ihnen und sage ihnen, dass es Dich traurig macht, wenn sie sowas sagen und vor allem warum es Dich traurig macht. Sag ihnen, dass Du es auch manchmal machst, aber aus Hilflosigkeit und dass Du es schön fändest, wenn ihr alle eine nettere Art fändet über die Dinge zu reden, die ihr gerne vom anderen möchtet. Und vielleicht könnt ihr Euch ja sogar darauf einigen, dass ein ‘wenn…dann’ passieren darf, aber eben aus Hilflosigkeit und nicht als Standardweg. Und ehrlich gesagt finde ich ein ‘wenn … dann werde ich wütend’ einfach eine Statusaktalisierung. Du wirst ja nicht wütend, um sie zu bestrafen, sondern Du merkst dass Du wütend wirst und teilst es ihnen schon kurz vorher mit. Finde ich fair, sie können dann entscheiden, ob es ihnen wichtig genug ist, Deinem Ärger die Stirn zu bieten oder ob sie bei dieser Sache lieber nachgeben, weil es ihnen doch nicht so wichtig ist. Das läuft ja andersherum auch nicht viel anders (jedenfalls bei uns, sie sind 4 Jahre). Ich kann aber andersherum sehr gut verstehen und erleb es auch immer mal wieder, dass es nicht schön ist, wenn die Kinder eine unserer Verhaltensweisen spiegeln, die wir selber an uns nicht mögen.
    Sehr schöner Blog übrigens, ich lese hier auch öfter mal rein!

  4. Hallo Katrin,
    Du schreibst : ich höre mich selbst.
    Wenn ich deine Gedanken und Grübeleien lese, dann lese ich mich selbst. Auch wenn meine gerade 4 geworden sind, so spiegeln sie auch jetzt schon unwahrscheinlich viele Angewohnheiten – leider fallen mir auch eher meine Schwächen und Fehler dabei auf. Und genau dein Gedankenkarusell dreht sich auch bei mir. Und leider schaffe ich es nicht aus diesen Verhaltensweisen raus zu kommen, da es viel zu verselbstständigte Reaktionen und Handlungen sind- was wiederum erst im Nachhinein wieder bewusst wird.
    Ich stehe da manchmal auch eher hilflos gegenüber und hoffe es irgendwie besser machen zu können – beim nächsten Mal.
    Ich möchte dir aber Danke sagen. Danke, dass du mir das Gefühl gibst, doch eine normale Mama zu sein. Leider habe ich das Gefühl im Freundeskreis die einzige mit selbstzweifeln und Fehlern zu sein. Da du so grundauf ehrlich von der Seele schreibst, holen mich deine Beiträge immer wieder in die ehrliche Realität.
    Weißt du, ich denke so oft: ich mache alle Fehler “beim ersten Kind” gleich zweimal, da es Zwillinge sind. Dieses ” beim zweiten macht man es dann besser/anders ” gibts halt nicht. Vielleicht ist das auch ein Grund dass wir uns so viele Gedanken machen?

    Liebe Grüße Tina

  5. Ihr Lieben, vielen dank für eure Kommentare und die sehr lieben Worte! Danke vor allem an Silke und Tina, es freut mich jedesmal so sehr, wenn ich lese, dass ich euch Mamas da draussen mit meinen Artikeln berühre oder es euch sogar besser geht, wenn ihr sie gelesen habt. Das ist wirklich schön zu hören.
    Und Tina, du hast wirklich so recht. Bei uns gibt es auch kein “zweites Mal” bzw. eine zweite Schwangerschaft. Ich kann meine Fehler beim nächsten Kind nicht besser machen, es anders machen. Das denke ich mir auch sehr oft. Und dass ich gleich ZWEI Menschen verkorkse, wenn ich was falsch mache. Du bist also mit diesen Gedanken gar nicht allein, im Gegenteil.
    Ich bin übrigens auch die Einzige, die sich ständig Sorgen und Gedanken macht und wegen jedem Pups ein schlechtes Gewissen hat. Na und? So bin ich und es wird schon einen Grund dafür geben. Jeder ist anders. Denk dir also nichts dabei. Es ist doch schön, wenn die Kinder wissen, dass Mama so empathisch ist und sie deshalb immer zu uns kommen können, weil wir sie verstehen! 🙂
    Alles Liebe,
    eure Katrin

  6. Hallo Katrin,

    heute bin ich erneut auf einen Artikel der Huffington Post gestoßen, den ich für mich sehr hilfreich finde:
    “7 Erziehungsfehler, die zu “Arschlochkindern” und “Tyrannen” führen”
    Vielleicht hilft er auch Dir, nicht zu streng mit Dir selbst zu sein.

    Liebe Grüße,
    Silke

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