Kinder und die Angst vor dem Tod

Max hat Angst vor dem Sterben.

Es kam sehr plötzlich, quasi aus dem Nichts, und ist aber dafür umso heftiger.

Es beginnt gegen Abend, wenn es dunkel wird und er weiß, dass er bald ins Bett muss. Oder es beginnt erst, wenn er bereits im Bett ist, auch wenn er vorher fröhlich ins Bett gegangen ist.

Er weint sehr heftig, steigert sich hinein, manchmal so sehr, dass er sich übergeben muss.

Er hat nicht Angst, dass Jemand Anderes stirbt, sondern es geht um ihn. Er hat Angst davor, was mit ihm passiert, wenn er stirbt.

Mein Mann und ich sind nicht gläubig, wir sind Atheisten und haben unseren Kindern einen Gott nie nah gebracht. Ich glaube an das Leben, an die Schönheit und das Wunder der Natur und deren Kreislauf. Darin liegt ein “Gott” für mich, eben dieses Wunder des Lebens auf unserem Planeten. Und der Tod gehört dazu. Tiere sterben, damit andere Tiere überleben, Pflanzen wachsen und welken wieder, alles in der Natur dient dem Wachstum und Entstehen neuen Lebens.

In der Schule sprechen die Kinder im Unterricht über Gott, und dass sie Engel werden, wenn sie sterben, dann fliegen sie in den Himmel und leben dort weiter. Diesen Gedanken nehme ich ihm natürlich nicht, obwohl ich daran nicht glaube. Aber für einen 6-jährigen ist noch genug Zeit, um andere Gedanken reifen zu lassen, wenn er älter ist.

Was mache ich nun mit meinem Spatz? Er ist so aufgelöst jedes mal, keine Erklärung kann ihn aufmuntern. Ich habe bereits alles durch. Dass er bestimmt 100 Jahre alt wird, ein ganz alter Opa. Dass er noch doppelt so lange lebt, wie Mama und Papa jetzt schon sind. Dass Sterben nichts Schlimmes ist und warum. Ich habe ein Kinderbuch bestellt, dass vom Sterben im übertragenden Sinn erzählt. Das Buch ist total entzückend, aber Max hat es sofort durchschaut und als doof entlarvt. Es hilft nichts. Einen Auslöser gab es übrigens nicht, es ist niemand krank, noch gestorben noch hat er etwas doofes im Fernsehen gesehen…

Ich habe natürlich schon gegoogelt, aber da kommt nicht viel dabei heraus als noch mehr Buchtipps und das Wort Kinderpsychologe.

Im Moment muss ich ihn jeden Abend in den Schlaf begleiten, nur so ist er einigermaßen ruhig.

Hat Jemand einen Rat für mich?

 

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12 thoughts on “Kinder und die Angst vor dem Tod

  1. Liebe Katrin, auf diesen Tag – wenn einer meiner beiden Jungs anfängt zu hinterfragen – “warte” ich schon mit Bangen. Sie sind gerade 5 geworden und ich hoffe, es dauert noch eine Weile, bis genauer nachgefragt wird. Ich habe nämlich leider auch noch keine Lösung, wie man das Unbegreifliche erklärt… Liebe Grüße und viel Kraft!

  2. Der Einzige, der da helfen kann, ist Jesus!! Kauf ihm doch eine Kinderbibel und lies ihm daraus vor, auch wenn du das nicht glaubst. Und ermutige ihn zu beten und seine Sorgen abzugeben, das kannst auch du tun. Erzähl einfach Gott von dem Problem deines Sohnes und sieh zu, wie er ihm wieder Frieden schenkt.
    Ich wünsche Euch, dass dein Sohn bald wieder ganz beruhigt schlafen gehen kann!
    Viele Grüße
    Lilli

  3. Hallo
    Kennst du das Buch “Brüder Löwenherz” von Astrid Lindgren? Dort geht es auch um das Sterben und den Tod, aber dort wird dem Tod finde das schlimme genommen. Nach dem Tod kommt man in eine “neue Welt” und ist wieder gesund und erlebt Abenteuer. Das Buch ist religionsneutral, gibt aber erstmal etwas für nach dem Tod, damit nimmt es finde ich das ungewisse.
    Hoffe es hilft dir weiter.
    Lg Annette

  4. Gerne!
    Sag mal Bescheid ob es deinem Sohn geholfen hat mit dem Thema umzugehen!! Wünsche Euch viel Spaß beim Hören!!!
    LG Annette

  5. Liebe Katrin,
    Ich hoffe Du nimmst mir das nicht übel,
    Aber die offizielle Altersempfehlung vom Verlag für das Buch liegt bei 10 Jahren. Es ist wunderschön aber nicht dass es Deinen Sohn überfordert. Mich hat es als ich Kind war ziemlich durcheinander gebracht. Natürlich kann es sein dass das Hörspiel anders ist.
    Herzliche Grüße,
    Susanne

  6. Liebe Katrin,

    ich kenne das Thema auch… denke aber etwas anders darüber. Es ist für mich eher ein starker Ausdruck, ernst genommen werden zu wollen. Vielleicht, weil man gerade auf einem ganz anderen Gebiet eine Schlappe erlebt hat, weil jemand anderes besser war etc. Kinder in dem Alter (hab auch Zwillinge mit 6) spüren sehr genau, wo sie Erwachsene “aushebeln” können und das Thema Tod, zumal der eigene, ist ein Thema, das natürlich jedem Erwachsenen einen Stich verpasst. Darauf MUSS man eingehen, muss es ernst nehmen, muss auch trösten. Aber vielleicht gar nicht soooo sehr darüber hinaus denken, sondern den Moment erfassen, die Aufmerksamkeit schenken und beruhigen. Es wird ganz schnell auch wieder verblassen, ich drücke euch die Daumen…
    Heike

  7. Liebe Katrin (und lieber Max),

    ich verfolge jetzt Deinen Blog erst seit ein paar Wochen aber finde mich und meine Zwei so oft wieder – ich habe auch einen Jungen und ein Mädcheen und sie zeigen oft vergleichbare Charakterzüge wie Deine Beiden.
    Meine sind erst knapp 4 Jahre und so habe ich dieses Thema noch nicht aber, da ich Deinen BLogg soooo toll finde, wollte ich mal sehen ob ich was hilfreiches finde. Beim Googeln bin ich auf diesen englischen Artikel im The Telegraph gestossen: http://www.telegraph.co.uk/women/mother-tongue/11075311/Children-and-the-fear-of-death.html
    Ich fand die Idee mit der “worry time” nicht schlecht (ziemlich weit unten im Text). Vielleicht hilft das Max ja mit dem Thema und anderen “worries” besser umzugehen oder der Hamster… 😉
    Viel Glück!
    Sabine

  8. Hallo! Unsere Kinder machen eine ähnliche Phase durch. Ich habe auch Zwillinge und mein Sohn beschäftigt sich auch gerade sehr stark mit dem Tod und hat große Angst. In der Kita war jetzt eine Friedhofpädagogin und hat mit den kindern ein Projekt rung um das Buch “Der Baum der Erinnerung” gemacht und auch andere Sachen. Seitdem ist rs etwas besser. Vielleicht könntest du mit igr schreiben?! LG

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