Ich trage dein Herz

Manchmal bin ich erschüttert über die große Liebe, die ich für meine Kinder empfinde. Manchmal macht es mir Angst. Angst davor, sie zu verlieren.  Ich könnte ohne sie nicht mehr existieren.  Ich bin nicht mehr ich selbst, ich bin zu dritt. Meine Kinder und ich sind eins, sie sind in meinem Kopf allgegenwärtig. Niemals hätte ich gedacht, dass es so sein würde. Ich habe vor meinen Kindern schon tiefe Liebe empfunden – ich liebe meinen Mann über alles, meine Eltern, meine Schwester. Trotzdem ist man aber dabei ein selbstständiger Mensch. Mit meinen Kindern ist das anders. Man sagt ja, Kinder sind ein Teil von dir, da sie deine Gene in sich tragen, von dir gezeugt wurden. Aber das ist damit nicht gemeint, glaube ich. Deine Kinder SIND du. Ich bin nur ein Ganzes, wenn sie bei mir sind. Sie haben ein Stück von mir genommen und halten es fest in ihren kleinen Händchen. 

Meine Schwester hat mir mal prophezeit, dass ich eine Glucken-Mutter werde, was ich strikt von mir gewiesen habe – lächerlich, ich doch nicht! Aber genau so ist es gekommen. Ich bin unruhig und angespannt, wenn sich jemand anders um meine Kinder kümmert. Niemand kann ihnen das geben, was ich ihnen gebe, niemand weiß so genau wie ich, was sie brauchen, was sie zum Lachen bringt, wie sie einschlafen wollen, welches ihr Lieblingsspielzeug ist. Deswegen bin ich immer bei ihnen – sie sollen glücklich sein, 24 Stunden am Tag.

Dass diese Einstellung nicht normal ist – und wahrscheinlich auch nicht gesund – weiß ich selbst. Ich würde es gerne lernen, das Loslassen. Ich weiß nicht, wie. Ich habe jetzt schon Angst vor der Kinderkrippe, in die sie mit gerademal 13 Monaten gehen müssen. Zum ersten mal bin ich nicht mehr für sie da, verpasse ihre Fortschritte, weiß nicht, ob sie auch mal lachen, wie es ihnen geht. Ich bin nicht dabei, wenn sie spielen, andere Kinder kennen lernen, mit der Erzieherin kuscheln, einer mir fremden Frau. Mir graut so sehr vor diesem Gedanken, dass ich ihn ständig verdränge. Zum Glück macht mein Mann die Eingewöhnung während seiner Elternzeit – ich könnte das nicht. Ich will wieder arbeiten, ich liebe meinen Beruf. Und das ist der Preis, den man zahlt, wenn man beides haben will, Karriere und Kinder. Man kann für nichts davon mehr hundert Prozent geben. Ich fühle mich, als ob ich meine Kinder abschieben würde. Mein schlechtes Gewissen nagt an mir und ich habe Schuldgefühle.

Wie gesagt, ich würde es gerne lernen, das Loslassen. Ich weiß nicht, wie.

Ich bin so dankbar für das, was ich habe. Mein kleine süße Familie. Meine kleinen Engel – ich liebe euch über alle Maßen.

Ich trage dein Herz bei mir.

Ich trage es in meinem Herzen.

Nie bin ich ohne es.

Wohin ich auch gehe, gehst du, meine Liebe.

Ich fürchte kein Schicksal, weil du mein Schicksal bist, mein Liebling.

Ich will keine Welt, weil du, meine Schöne, meine Welt bist.

Hier ist das tiefste Geheimnis, um das keiner weiß.

Hier ist die Wurzel der Wurzel.

Und die Knospe der Knospe.

Und der Himmel des Himmels, eines Baumes namens Leben.

Der höher wächst , als unsere Seele hoffe, unser Geist verstecken kann.

Das ist das Wunder, das den Himmel zusammen hält.

Ich trage dein Herz.

Ich trage es in meinem Herzen.

(E.E. Cummings)

7 thoughts on “Ich trage dein Herz

  1. Muss man Kinder-Babies!- denn in dem Alter schon loslassen? Kinder brauchen eine feste Bindung, brauchen Wurzeln. Wie sollen sie die denn schlagen, wenn der wichtigste Mensch in ihrem Leben sie fast den ganzen Tag fremd betreuen lässt. Unter einer Glucke verstehe ich etwas anderes! Schade, dass”nur” Mama-sein die wenigsten glücklich macht. Dabei brauchen uns unsere Kinder doch sowieso nur eine begrenzte Zeit so intensiv. Können Beruf und “Selbstverwirklichung” nicht auch mal zumindest 3 Jahre warten?

  2. Liebe Tanja,
    Anscheinend kann DEIN Beruf 3 Jahre lang warten. Anscheinend verdient dein Mann auch genug, um dir die Wahl zu lassen. Und anscheinend bist du wenig tolerant gegenüber Menschen, die das alles nicht können.

  3. Liebe Zwillingsmama,
    Ja mein Beruf kann warten, weil mir meine Kinder wichtiger sind. Ich seh mich in erster Linie als Mama und nicht als Karrierefrau -was im übrigen sowieso die wenigsten sind. Die meisten Frauen haben ganz normale Berufe, die sie auch nach 3 Jahren wieder aufnehmen könnten.
    Und ja wir können uns die 3 Jahre leisten, oder besser wir wollen sie uns leisten. Was im übrigen auch immer noch die meisten könnten. Dann muss man halt mal am Urlaub, dem neusten Wagen oder vielem anderem Schnick Schnack sparen.
    Und ja ich bin wohl nicht sehr tolerant,weil es mich nervt, dass der Staat über die Köpfe von uns und unseren Kindern hinweg entscheidet, dass Frauen spätestens 1 Jahr nach der Geburt wieder der Wirtschaft zur Verfügung stehen sollen, gänzlich ignorierend, dass die ersten 3 Jahre eine feste Bezugsperson so enorm wichtig ist. Ständig wird uns vorgegaukelt, dass die Krippe das aller beste für unsere Kinder ist. Ich kann’s nicht mehr hören. Können sich jetzt schon Fremde besser ums eigene Kind kümmern? Die Kleinen haben ja schon richtig lange Arbeitstage!
    Wer wirklich arbeiten muss, für den ist die Krippe ein notwendiges Übel. Und manche Kinder sind dort vielleicht auch besser aufgehoben als zu Hause. Aber sie ist bestimmt nicht der Ort an dem ich als Kind gerne gewesen wäre. Und meine Kinder sollen die ersten Jahre auch zu Hause sein dürfen-wie ich damals als Kind auch. Und wie fast alle anderen Mamas, die jetzt kleine Kinder haben.Auch wenn so eine Krippe echt auch mal praktisch wäre. Kinder zu haben ist nun mal anstrengend und heißt auch auf vieles zu verzichten, sich einfach mal etwas zurück nehmen zu können. Die wenigsten Mütter sind dazu aber noch bereit. Am besten geht das Leben für sie mit Kind genauso weiter wie zuvor. Tut es aber nicht.
    Was ich täglich mit meinen Kindern erleben darf ist unbezahlbar. Schade, dass so viele Mütter freiwillig auf diese tolle Zeit verzichten. Und ich würde es begrüßen, wenn die Gesellschaft diese “Arbeit” auch wieder honorieren würde.
    Beste Grüße
    Tanja

  4. Liebe Tanja,
    auf diese Diskusion lasse ich mich nicht ein. Warum nicht? Weil du mich und unsere familiären Verhältnisse nicht kennst und trotzdem meinst, über mich zu urteilen und mich belehren zu können. Du hast nichts verstanden.

    Ich könnte dich jetzt noch fragen, wiher du deine Kita-Weisheiten hast, wenn weder du noch deine Kinder dort waren. Ich könnte dich auch fragen, ob du wirklich so naiv bist zu glauben, dass wir nur auf ein neues Auto verzichten müßten, und schon wären wir finanziell in der Lage auf meinen Job zu verzichten. Ich könnte dich fragen warum du denkst, dass du eine bessere Mutter bist als ich.
    Aber das alles interessiert mich nicht.
    Nicht nach dieser Antwort von dir, bei der mir echt nur noch die Worte fehlen.
    Ich danke dir trotzdem für deinen Kommentar.
    In meinem Blog darf jeder sagen, was er zu sagen hat. Und ich auch.

  5. Wenn man so einen Blog hat, dann muss man es auch aushalten können, dass es Menschen gibt die anderer Auffassung sind.
    Alles Gute,
    Tanja

  6. Dein Post ist zwar schon 3 Jahre her, aber ich fühle zur Zeit genauso. Meine Zwillinge sind mit 14 Monaten in die Krippe, damit ich wieder studieren kann und meinen Traumjob einmal ausüben kann. Ich habe die Eingewöhnung selbst gemacht und oft geweint und mich gefragt was ich meinen Kindern da antue. Von Gewissensbissen zerfressen habe ich es einfach durchgezogen und nun gehen sie von 9:00 bis 15:00 in die Krippe und ich ab nächster Woche an die Uni. Und uns geht’s gut. Sie spielen dort, essen und schlafen. Und wenn sie wach werden bin ich auch schon fast da um sie abzuholen. Und das ist so ein toller Augenblick. Da freu ich mich den ganzen Tag drauf. Ich bin sowieso den ganzen Tag in Gedanken bei ihnen. Wir genießen dann “unseren” Nachmittag in vollen Zügen! Ach, ich hab euch einfach so lieb. Toller Blog. Kann ich fast alles unterschreiben…

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