Ein Liebesbrief

Mäxlein, mein Spatz, mein lieber kleiner Mann.

Dir sind so viele Milchzähne fast gleichzeitig rausgefallen, dass du kaum noch Schneidezähne im Mund hast. Du siehst sehr frech aus dadurch, wie ein kleiner Lausbub. Schade, dass deine Haare immer dunkler werden, denn wenn du noch so hellblonde Haare hättest wie als Kleinkind, würdest du aussehen wie Michl aus Lönneberga.

Richtig groß bist du geworden, aber hast immer noch eine Taille wie ein 4-jähriger. Du hast zwar Kleidergröße 122, aber ich muss die verstellbaren Hosen bis aufs letzte Knopfloch enger machen. Dünn bist du, das warst du ja schon immer. Obwohl du gerade wirklich viel isst und nach wie vor ein Süßigkeiten Junkie bist. Bestimmt tausend mal habe ich dir schon erklärt, dass du langsam essen sollst, du schlingst dein Essen hinunter, weil du so schnell wie möglich etwas Süßes im Mund haben willst.

Dieses Faschings-Jahr hast du dich als Polizist verkleidet und hast wundersamer weise in der Schule einen Kostümpreis dafür bekommen (dabei war es gar nicht so originell).

Deine Angst vor dem Sterben hast du zum Glück überwunden. In dieser Zeit hast du viel Körpernähe gebraucht, hast viel gekuschelt und geschmust. Und das Schöne ist, dass die Angst zwar jetzt weg, aber dein Kuschelbedürfnis geblieben ist. Das genieße ich sehr, denn da haben wir beide was nachzuholen. Überhaupt bist du gerade sehr gefühlsbetont und anhänglich. Wenn ich dir sage, dass ich dich lieb habe, habe ich früher nur sehr selten eine Antwort bekommen. Zur Zeit bekomme ich immer eine. Es ist so schön, ein “Ich hab dich auch lieb, Mama” von dir zu hören.

In letzter Zeit malst du gerne und viel, was mich und vor allem Emma sehr freut. Manchmal setzt ihr euch morgens gemeinsam an einen eurer Schreibtische und malt Seite an Seite, noch in euren Schlafanzügen, hört euch dabei ein Hörbuch an und seid pure Harmonie.

Gestern warst du das erste Mal im Taekwondo zur Schnupperstunde. Es hat dir gut gefallen und ich hoffe, dass du dabei bleibst und Spaß dabei hast, denn dich für Sport zu begeistern war bisher gar nicht leicht. Vielleicht haben wir ja endlich etwas gefunden, ich drücke uns beiden die Daumen.

Ich habe die letzten Wochen viel Zeit damit verbracht, einen Musikkurs für dich zu finden, denn da hast du wirklich Talent, du bist ziemlich musikalisch. Woher du das nur hast? Leider habe ich bisher keinen Erfolg, denn für die “musikalische Früherziehung” bist du entweder schon zu groß oder die Uhrzeiten kollidieren mit dem Schulunterricht oder ein Quereinstieg mitten im Jahr ist nicht erlaubt. Jeder Musikkurs hatte irgendeinen Haken, so dass ich leider aufgeben musste. Hoffentlich verlierst du nicht das Interesse, bis ich dich im Schulorchester eintragen kann in der 2.Klasse. Das hättest du dieses Jahr schon machen können, aber ich wollte dich in der 1.Klasse (noch dazu Ganztags) nicht überfordern.

Eine Sache hat sich aber immer noch nicht verändert: nach wie vor liebst du es, zu backen und zu kochen. Das ist deine Lieblingsbeschäftigung, zusammen mit “Hecken schneiden” im Garten. Manche Dinge ändern sich zum Glück nie.

Du bist ein richtig gutes Schulkind und ein so großer Junge geworden, mein Schatz.

Ich bin irrsinnig glücklich, dass du mein Sohn bist. Ich liebe Dich über alles!

3 thoughts on “Ein Liebesbrief

  1. Wunderbar – so soll es sein. Ich freue mich mit dir und für dich. Und wenn solche Gefühle da sind, haben Kinder wirklich alles, was sie brauchen.

    Eine glückliche Kindheit hält ein Leben lang.

  2. Taekwondo ist super für Kinder auf vielen Ebenen: Einerseits der soziale Umgang mit anderen Kindern und der respektvolle Umgang mit dem Trainer und andererseits die sportliche Aktivität und das steigende Selbstvertrauen. Also Dran bleiben! 🙂

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