Meine Kinder und der Zahnarzt

Seitdem meine Kinder zwei Jahre alt sind gehe ich regelmäßig mit ihnen zum Zahnarzt, 2-3 mal im Jahr. Hauptsächlich deshalb, um sie daran zu gewöhnen und von Anfang an keine Angst vor dem Zahnarzt aufkommen zu lassen. Unsere Zahnärztin und ihr Team sind sensationell. Meine Kinder gehen sehr gerne zum Zahnarzt. Ja, wirklich! Sie bekommen dort nicht nur eine absolut einfühlsame Behandlung und ein Geschenk zum Abschied, sondern dürfen einen Film ihrer Wahl gucken während der Behandlung.

Ich erinnere mich, als ich Emma mal nach der Schule gesagt habe, dass wir nun zum Kinderzahnarzt müssen und sie laut jubelte: “Jaaaa! Wir gehen zum Zahnarzt!”. Alle Menschen um uns herum sahen uns total verwundert an, denn so etwas hört man sicherlich selten von Kindern.

Beide Kinder hatten bereits Karies und wurden behandelt, was sie entweder mit Lachgas oder auch mal einen Betäubungssaft super hinter sich gebracht haben. Jede Zahnreinigung wurde ohne meckern überstanden, am Ende sind die Kinder eher verwundert gewesen, dass es schon vorbei ist. Hier und da wurde auch mal ein Backenzahn versiegelt, weil beide Kinder zu Karies neigen, da die Kaufläche der Backenzähne starke Einkerbungen aufweisen. War auch nie ein Problem. Wir haben dort seit Jahren dieselbe Zahnärztin, die alle Behandlungen macht, bis auf die Zahnhygiene, diese wird von ihrem Team von Zahnarzthelferinnen erledigt.

So ging ich also vor kurzem ohne Bedenken und vollkommen entspannt mit zwei Kindern zur Zahnreinigung. Die Kinder nahmen ihre Plätze in dem Doppel-Behandlungszimmer ein, suchten sich einen Film aus, ich nahm zwischen ihnen auf einem Stuhl Platz, etwas abseits, um die Zahnarzthelferinnen nicht zu stören. Alles wie immer.

Ich sagte noch meinen üblichen Spruch auf, den ich immer (bisher unnötigerweise) vor der Behandlung sage: wie froh ich bin, dass meine Kinder gerne zum Zahnarzt gehen und dass das das Wichtigste für mich ist, deswegen bitte eventuell ein paar Trinkpausen bei der Zahnreinigung einlegen.

Ich redete mit der Zahnarzthelferin, die Maxi behandelte. Sie zeigte mir eine eventuell auffällige Stelle in seinem Mund, die mal zu Karies werden könnte und wir redeten über seine Zahnstellung generell, als ich ein Wimmern hinter mir vernahm. Emma lag mit rotem Gesicht, lautlos weinend auf ihrer Liege, während die Zahnarzthelferin weitermachte, als wäre nichts. Ich sprang auf und schrie sie an: “Hören Sie auf! Sie weint doch, sehen Sie das nicht?!” Mit einer Seelenruhe legte sie – mir kam es vor wie in Zeitlupe – ihre Geräte weg, so dass Emma endlich aufstehen konnte. Sie weinte bitterlich und schluchzte laut. Ich war fassungslos.

Während ich Emma im Arm hielt und streichelte, redete ich auf die Zahnarzthelferin ein, dass das noch nie passiert sei, das Kind noch nie geweint hätte, noch nicht mal kurz davor war, was sie nur gemacht habe?? Und warum sie nicht aufgehört hat, verdammt noch mal!

Währenddessen sagte Emma, dass sie ganz viel von einer schrecklich schmeckenden Creme im Mund hatte, die so schlimm geschmeckt hat, dass sie weinen musste. Und anscheinend hatte sie auch die Hand gehoben, wohl, um etwas zu trinken zu bekommen, was aber ignoriert wurde.

Und in einer langsamen, monotonen Sprechweise sagte die Zahnarzthelferin nur, dass DAS KIND ja wohl etwas empfindlich sei, sie habe sich ja schon am Anfang der Behandlung ein wenig ANGESTELLT und man müsse ja die Behandlung zu Ende führen können ohne STÄNDIG zu unterbrechen.

Ich habe sicherlich selten Jemandem so meine Meinung gesagt, wie zu diesem Zeitpunkt.

Am Abend beim Einschlafen sagte Emma dann den Satz, den ich noch nie hören musste und worüber ich so stolz gewesen war: “Ich will nie wieder zum Zahnarzt, Mama.”

So, liebe Zahnarzthelferin. Du hast also nicht nur bewiesen, dass du ganz schlecht in deinem Beruf bist. Dass du nicht emphatisch genug bist, um mit Kindern zu arbeiten. Dass du kein Herz hast und kein Mitgefühl. Du hast darüber hinaus einem kleinen Mädchen das Vertrauen genommen. Das Vertrauen, dass die Menschen, die ihren Mund untersuchen, nur das Beste für sie wollen und auf ihre Bedürfnisse eingehen. Du hast aus einem mutigen Mädchen ein ängstliches Mädchen gemacht. Du hast Unsicherheit und Beklommenheit gestreut. Du hast einer Mutter die Ungezwungenheit genommen, mit der sie Termine beim Kinderzahnarzt gemacht hat. Zum Glück hast du inzwischen die Praxis verlassen (müssen?), so dass ich meinem Kind mitteilen konnte, dass die böse Frau (ja, du!) nicht mehr dort arbeitet.

Ich werde dir nie verzeihen.

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16 thoughts on “Meine Kinder und der Zahnarzt

  1. Sorry aber dieser Post ist zum Fürchten. Ich kann nicht anders als zu schreiben.
    Nimm dich mal ein wenig zurück.

    Sie machte ihren Job. Wenn jemand verantwortlich zu machen ist für die Unsicherheit und Ängstlichkeit eines Kindes, dann sind es die Eltern. Ein wenig Selbstreflexion wäre angezeigt. Nichts für ungut.

  2. Hallo Yolanda, danke für deinen Kommentar. Ich würde dir allerdings raten einen Artikel genauer zu lesen bevor du so einen Kommentar ab schickst.
    Du hast nichts verstanden. Nichts für ungut meinerseits…

  3. Mmmhhh….ich bin zwiegespalten bei der Geschichte.
    Natürlich möchte man, dass seinen Kids nichts Böses widerfährt, dass sie immer sanft und freundlich behandelt werden, dass man auf ihre Bedürfnisse Rücksicht nimmt. Ich spüre auch die Löwenmama in mir, wenn ich den Eindruck habe, meine Mädels werden ungerecht behandelt. Was aber den Zahnarzt angeht, so würde ich da vielleicht einen Gang runterschalten.

    Meine Girls (mittlerweile schon fast 11) waren von Anfang an mit bei meiner Zahnärztin. Die hat eine super super schöne Praxis mit tollem Wartezimmer. Eine spezielle Kinderzahnärztin ist sie nicht. D.h.: es gibt keine Filme, keine besonderen Betäubungsmethoden oder dergleichen. Die Kinder werden sehr freundlich aber ansonsten ganz normal behandelt. Das war mir wichtig, weil ich nicht bei jeder Kleinigkeit, die gemacht werden musste (meine Kinder neigen leider auch zu Karies…es musste schon ein paar Mal gebohrt werden, Backenzähne werden standardmässig versiegelt), einen “Aufriss veranstalten muss”.
    Das heisst in der Praxis: bei Löchern in Milchzähnen wird ohne Betäubung kurz gebohrt. Das geht ja wirklich ruck zuck, wenn die Löcher sind nicht tief. Ebenso lies sich eine der beiden einen schon ganz schief im Mund sitzenden Milchzahn ohne Theater ziehen. Beim ersten Mal Bohren hat lief auch ein Tränchen die Backen runter, aber nur ganz kurz und danach wurde sie sehr sehr gelobt für ihre Tapferkeit und war stolz wie Bolle.

    Wenn die Löcher mal tiefer sein sollten, bekommen sie natürlich eine Betäubung, es wird niemand gequält.

    Meine Beiden gehen supergern zum Zahnarzt, auch wenn es da manchmal kurz wehtut und nicht immer alles angenehm ist. Ähnlich geht es mir auch mit Zahnärzten.

    Ich denke, die Zahnarzthelferin hat in der Tat ihren Job gemacht. Sie war nicht superfreundlich, aber sicher auch nicht gemein und hinterhältig. Wahrscheinlich dachte sie sich, dass es besser ist, schnell fertig zu werden, als jetzt lange rumzumachen und die Sache in die Länge zu ziehen. Sie eine “böse Frau” zu nennen, finde ich nicht richtig.

    Alles Gute für euch

  4. Okay, eventuell habe ICH mich nicht richtig ausgedrückt. Meine Tochter hat bereits länger geweint und die ZAH hat einfach weiter gemacht ohne auf sie einzugehen. Vielleicht ist es bei eurem Kinderzahnarzt normal, dass die Kinder so behandelt werden. Bei meinem Zahnarzt war es das bisher nicht. Ich habe ja geschrieben dass meine Kinder schon sehr oft beim Zahnarzt waren und nie schlecht behandelt wurden. Vielleicht habe ich meinen Artikel ja auch nicht verständlich genug geschrieben? Meine Tochter hat es stark signalisiert dass etwas nicht in Ordnung ist und sie wurde ignoriert. Sorry Leute, ihr könnt es sehen wie ihr wollt. Das, was da passiert ist, war nicht richtig. Und selbst wenn ihr es als richtig anseht, dann tut es mir sehr leid. In meiner Welt und mit meinen Erfahrungen mit dem Kinderzahnarzt, war es nicht richtig. Ich hatte mich auch nicht offiziell beschwert sondern nur gegenüber der ZAH persönlich. Es wird wohl einen Grund gegeben haben warum sie ein paar Wochen später nicht mehr in der Praxis tätig war.

  5. Dein Post ist wirklich sehr verständlich und ausführlich.Ich kann Dich vollkommen verstehen.Ärger Dich nicht über die negativen Posts.

  6. Versiegelungen werden bei allen in meinem Freundeskreis gemacht. Das ist wirklich nichts besonderes. Wir gehen inzwischen aber auch nur noch zur Kinderzahnärztin. Eine meiner Mädels hatte auch ein Loch. Ich hätte es nur ohne örtliche Betäubung machen lassen, wenn die Zahnärztin versprochen hätte, dass es absolut ohne Schmerzen sein wird. Wenn es dann doch weh getan hätte, wäre ich zur Löwin geworden. Absolut!!
    Ich finde es richtig, dass du deine Tochter “beschützt” hast. So hat sie gelernt, dass sie sich nicht alles gefallen lassen muss. Und wenn ausgemacht ist, das bei einem Zeichen gestoppt wird, dann müssen sich alle daran halten. Klar sollen die Kinder lernen auch mal was auszuhalten, aber Bohren ist auch mit örtlicher Betäubung unangenehm genug. Und es gibt oft genug Situationen (bei Ärzten oder sonst) wo Kinder was aushalten müssen.
    Und es muss auch niemand supergern zum Zahnarzt gehen. Ist schließlich kein Ponyhof. Reicht ja wenn es ok und vor allem ohne Angst ist!
    Lieben Gruß und “Daumendrück”, dass der nächste Besuch das Vertrauen wieder herstellen kann.

  7. Na klar kannst du das machen, wie du es für richtig erachtest.

    Wie ich schon sagte, meine Zahnärztin ist keine Kinderzahnärztin.
    Deshalb hat sie auch Lachgas und Betäubungssaft gar nicht im Programm. Bei uns gibts in der Nähe gar keine Kinderzahnärzte, ich hörte aber von Bekannten, die zu welchen gehen, dass die in der Hinsicht “mehr anbieten”.

    Bei größeren Löchern würden die Kids selbstverständlich betäubt (mit Spritze).
    Ich lasse auch niemanden an meine Zähne ohne Spritze.
    Es ging in dem Fall nur um winzig kleine Karies Stellen, die man kurz wegbohrt. Wo das Bohren keine 5 Sekunden dauert. Da ist es sicher nebenwirkungsfreier, nicht extra (eben mit Spritze, was ja sehr unangenehm ist) zu betäuben. Da bin ich wirklich der Ansicht, dass das auch mal ganz kurz minimal wehtun darf. Ist sicher nicht ärger als eine Impfung.

    Die Kids bekommen übrigens immer so ein Spray draufgesprüht, was ganz leicht betäubt.

    Und nochmal betont: meine Mädels lieben den Zahnarzt, das Ambiente, die schönen Räume, sie dürfen bei der Polierpaste aus 5 Geschmacksrichtungen wählen. Da nehmen Sie es der Ärztin nicht übel, wenn es mal kurz wehtut.

    Selbstverständlich sollte eine Zahnarzthelferin kein weinendes Kind ignorieren, von daher sicher richtig, hier einzugreifen und eine Trinkpause zu bewirken.

  8. Hmm, kann es vielleicht sein, das Dein ablehnendes Verhalten am Ende der ZAH gegenüber, Dein Kind mehr beeinflusst hat, als die Situation an sich?
    Ich glaube, Du kannst diese unangenehme Erfahrung beim Zahnarzt relativieren und Dein Kind überzeugen, das es nächstes Mal besser klappen wird. Sie orientiert sich ja auch an Dir.

  9. Hallo Ruth,
    danke für deinen Kommentar, aber das habe ich sicherlich nicht. Im Gegenteil, ich habe Emma zu Hause erklärt, dass die Frau bestimmt nur einen blöden Tag hatte etc., um ja zu vermeiden, dass Emma generell Angst vor dem Zahnarzt bekommt. Ich würde niemals meine Kinder negativ beeinflussen. Dass sie eine “böse Frau” ist, kam nicht von mir.
    Generell muss ich sagen, dass es sicherlich schwer ist, eine Situation nachzuvollziehen, wenn man nicht dabei war. Deswegen sucht ihr alle wohl die Schuld bei mir.
    Schade, dass das so sein muss, ich werde ein solches Thema in Zukunft nicht mehr verbloggen. Ist wahrscheinlich besser so.
    VG

  10. Um Schule geht es nicht.
    Deine Aussage aufgrund des Zahnarztbesuches sind nur sehr vernichtend.
    ” so dass ich meinem Kind mitteilen konnte, dass die böse Frau (ja, du!) nicht mehr dort arbeitet.

    Ich werde dir nie verzeihen.”.

    Das können die meisten hier nicht nachvollziehen.

    Du solltest weiterhin schreiben wonach Dir der Sinn steht.
    Diesmal waren die Leser einfach anderer Meinung. Macht doch nichts.

  11. Also ich finde deine Reaktion echt bewundernswert. Du hast deiner Tochter gezeigt, dass du dich für sie einsetzt und dass sie dir wichtig ist. Meine Eltern haben sich nie so für mich eingesetzt und ich musste zu einem absolut schrecklichen Zahnarzt gehen. Ich hoffe du lässt dich nicht von manchen Kommentaren von deiner Einstellung abbringen.
    Viele Grüße Mara

  12. Naja, der Artikel war eben noch mit Wut im Bauch geschrieben. Ist ja hier ein Blog und kein neutraler Journalismus.
    Mir ist es letztens selber passiert, dass ich diese fürchterliche Paste in den Hals bekommen hab (Zahnärztin wollte es nicht richtig glauben, da eigentlich alles abgedeckt war), aber das Zeug ist wirklich widerlich!!! Musste mich da auch ziemlich zurücknehmen 😉
    Das sie das Weinen nicht mitbekommen hat mag ja meinetwegen an einem schlechten Tag noch passieren. Aber dann noch dem Kind die Schuld zu geben finde ich unmöglich. Man hätte auch sagen können: ‘Oh tschuldigung, das hab ich gar nicht mitbekommen, schmeckt wirklich scheusslich. Ich pass jetzt besser auf’ Denn ich denke das einfach auch dieses abwertende Verhalten Angst auslöst. Meine 5 jährige Tochter hat gerade einen Zahn, der ganz in den Kiefer zurück geschoben war, unter lokaler Betäubung herausgeschnitten bekommen. War fürchterlich, aber sie ist sehr gut behandelt worden. Sie geht jetzt natürlich nicht mehr so fröhlich zum Zahnarzt, aber sie geht immer noch und ist der Zahnaerztin gegenüber auch noch offen. Damit will ich sagen, dass ein abwertendes Verhalten und unverstandener Schmerz einfach viel schlimmer sein können, als eine wirklich heftige Behandlung, bei der das Kind aber zumindest zum Teil versteht, warum das jetzt passiert.

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