Jammertal

Wenn ich andere Zwillings-Blogs lese, könnte ich manchmal eine Krise kriegen. Immer ist alles Friede, Freude, Eierkuchen. Happy Family und nie überforderte oder entnervte Mütter! Deshalb wird es Zeit, mal von den Problemen zu erzählen, die man als Zwillingsmami so hat, damit die werdenden Zwillingsmütter mal wissen, was ihnen blüht.

Das Thema Krankheiten war auf diesem Blog ja leider oft ein Thema. Versteht sich von selbst, dass die Kinder sich immer anstecken und die Krankheiten schön nacheinander bekommen – man fehlt also doppelt so lange in der Arbeit. Das ist noch nicht mal das Schlimmste. Was mich wirklich am meisten beschäftigt – und das täglich – ist die Freizeitgestaltung. 

Meine Kinder sind in einem Alter, in dem sie sich ständig bewegen und laufen wollen. Sie halten es höchstens 20min im Kinderwagen aus, bevor das Gemecker losgeht. Ich habe aber ein schlechtes Gewissen dabei, sie von der Kita zu holen und sofort nach Hause zu fahren. Meine Kinder sollen ja auch mal was anderes sehen, als die üblichen 4 Wände, und frische Luft ist schließlich wichtig. Nun aber zum Problem: was macht man mit Kindern im selben Alter, die ständig in verschiedene Richtungen laufen und selbstmordgefährdete Dinge tun wollen?

Man kann sie nicht aus dem Wagen lassen, wenn man mit ihnen alleine ist, das endet immer im Chaos und Tränen. Ein simples Beispiel: wir sind im Einkaufszentrum, Max rennt in Richtung Lift, der gerade aufgeht. Emma rennt in Richtung Rolltreppe. Wem rennt man zuerst  hinterher und wenn man sie eingefangen hat (im Schweiße seines Angesichts), was ist die Konsequenz? Richtig – sie landen wieder im Kinderwagen, weinend, weil ihnen der Spaß missgönnt wird. Solche und ähnliche Fälle könnte ich zu Hunderten erzählen – das Ende ist immer dasselbe. Mütter mit 1 Kind haben so viele Möglichkeiten, um die ich sie wirklich beneide, ganz ehrlich! Schwimmbad, Spielplätze, Einkaufen gehen, Indoor-Spielplätze, Kindermuseen, Wildpark, Mutter-Kind-Cafés, Zoo usw. Ich bin echt verdammt frustriert ob der wenigen Möglichkeiten, die ich habe.

Oft bestelle ich neues Spielzeug, in der Hoffnung, dass die Kinder sich selbst besser beschäftigen können und ich dadurch mehr Luft habe an den Nachmittagen. Pustekuchen! Denn es gibt Streit! Beide wollen das Spielzeug zuerst haben und untersuchen, und zwar ganz alleine. Meistens gewinnt Max und Emma wirft sich weinend auf den Boden, heult bitterlich und kommt dann angerannt, nach Mamas Unterstützung suchend. Generell streiten sich die Kinder ständig um ihre Spielsachen (im Moment alle 5min!), da Max total besitzergreifend ist und immer nur die Dinge haben will, die Emma gerade hat. Es ist so schlimm, dass Emma bereits eine Weglauf-Methode entwickelt hat. Ganz schnell laufen die Beinchen, ihr Objekt der Begierde fest in den Händen läuft sie Richtung Mama, läßt sich damit auf meinen Schoß plumpsen und wiegt sich in Sicherheit.

Max muss ich leider sehr oft schimpfen, er soll Emma das zurückgeben, was er ihr gerade genommen hat, aber meistens führt das zu nichts. Also versucht Mama gerecht zu sein, nimmt es Max wieder weg, reicht es Emma, die dann aufhört zu weinen, während Max gerade damit anfängt. Super.

Des Weiteren wäre noch zu erwähnen, dass man, wenn man weiß es werden Zwillinge, unbedingt in eine Erdgeschosswohnung ziehen sollte, oder eine Wohnung mit Lift (der Platz für einen Zwillingskinderwagen hat). Das Geschleppe nach der Kita ist nämlich besonders anstrengend. Ich habe eine Handtasche dabei (ich komme ja direkt aus der Arbeit), meistens eine Einkaufstasche mit Dingen aus dem erwähnten Einkaufszentrum und natürlich zwei Kinder mit jeweils 11kg. Wir wohnen im zweiten Stock ohne Lift. Also zuerst Kind 1 hochtragen, mit Tasche über der Schulter. Oben absetzen, vertrösten, dass Mami gleich wieder da ist, Tür zu und runterlaufen um Kind 2 und Tasche 2 zu holen. Schnell zurück, damit Kind 1 in der Zwischenzeit nichts passiert! Äfz. Treppensteigen üben ist unmöglich, obwohl die Kinder das gerne machen würden, aber das jeweils andere Kind müsste entweder im Auto oder in der Wohnung zu lange warten.

Ich hätte ja noch viele andere Dinge, über die ich mich beklagen könnte, aber ich denke, ich lass es nun dabei. Wir wollen bei dem ganzen Gemecker ja nicht vergessen, dass ich die süßesten Kinder der Welt habe. Das sagte ich ja bereits …. oder??!?

8 thoughts on “Jammertal

  1. äh, welche zwillingsblogs liest du denn 😉 , ich hoffe, bei meinem kommt schon durch, wie überfordert ich oft bin… aber: es wird jeden monat besser, stelle ich fest 😉 , halte durch! es kommen auch wieder gute phasen!
    zur freizeitgestaltung noch ein paar ideen:
    in wald und park kann man die zwerge meist laufen lassen, die gefahrenquellen wie fahrstühle, rolltreppen und genervte verkäuferinnen sind da nicht so verbreitet. bei uns gibt es einen oder zwei eingezäunte spielplätze :D, die nutze ich gerne!
    sehr beliebt zur zeit straßenkreide und knete, außerdem badewanne (statt schwimmbad), wir nähern uns aber gerade schwimmbädern an. es gibt auch welche mit sehr kinderfreundlichen schwimmbecken, teilweise sogar abgetrennt von den großen becken. spielzeugberge verwirren nur, lieber viel von einer sorte, klopapierrollen zum beispiel oder holzbausteine. draußen seifenblasen oder frei auf dem spielplatz mit den notfallschokokeksen in der hand 😉 . liebe grüße von einer gestressten mutter zur nächsten, die mara

  2. Schöner Blog! Wie gut, dass meine aus dem Alter raus sind. 😉 Meine sind jetzt 25 Monate und es wird tatsächlich von Tag zu Tag entspannter. Wir haben das meiste Spielzeug doppelt und genau gleich. Es dürfen keine anderen Farben sein und es darf auch nicht ein Auto sein, wo nur die Türen aufgehen, wenn bei dem anderen auch der Kofferraum aufgeht.
    Tip zur Treppe: Versuch mal, sie alleine hochkrabbeln zu lassen (du gehst hinter ihnen hoch und machst die Treppe dicht, falls einer abrutscht). Das machen meine schon eine ganze Weile ziemlich sicher. Dauert zwar anfangs etwas und wenn sie von irgendetwas abgelenkt werden, braucht man eine Weile, sie zum Weiterkrabbeln zu überreden, aber besser als erst einen und dann den anderen hochzuschleppen. Funktioniert auch gut für den Weg runter.

    Spielen tun unsere seit einem Monat etwa wirklich alleine. Es ist ein Traum am WE noch in Ruhe seinen Frühstückskaffee austrinken zu können, während sich die Kinder etwas zum Spielen suchen und sich tatsächlich längere Zeit alleine damit beschäftigen. War vor einigen Woche noch undenkbar.

    Hehe, Notfallkekse hatte ich auch immer. Musste nur Kekse rufen und beide kamen zurück. Das funktioniert jetzt nicht mehr.

    LG & Durchhaltevermögen. 😉

  3. Ich habe vor ein paar Tagen diese Seite entdeckt und schwelge in Erinnerungen…
    Diese Zeit ist bei uns schon “etwas” zurück, denn unsere Kinder sind schon 9 Jahre alt. Jetzt denken vielleicht einige, dass das ja eine Ewigkeit ist, doch eigentlilch kommt es mir vor, als wär das, was ihr hier beschreibt, erst ein paar Monate her. Die Zeit rennt einfach so davon! Irgendwie kommen wir doch nie so recht zur Ruhe und denken nur von einem Durchatmen zum nächsten und dann ist schon wieder ein Jahr um.
    Ich konnte nie nachvollziehen, wenn ich von den Urgroßeltern der Kinder den Rat bekommen habe, ich solle diese Zeit “genießen”. Die konnten nicht wissen, was es bedeutet, sich nicht zerteilen zu können, weil alles andere dem anderen Zwilli gegenüber ungerecht wäre – oder eben auch gefährlich (Problem Fahrstuhl und Rolltreppe – übrigens ein sehr gutes Bild für sehr viele Situationen im Alltag mit Zwillingen).
    Vielen Dank auch, dass Du davon schreibst, wie eingeschränkt die Freizeit eigentlich ist. Mein Radius beschränkte sich in dieser Phase auch auf die Wohnung und die Wege, die noch mit dem Kinderwagen zu erreichen waren, ohne dass es Terror gab. Ich vermute, da das nicht sehr viel Abwechslung geboten hat, sind unsere Kinder heute auch noch nicht sehr offen gegenüber Neuerungen. Dafür lieben sie Bücher umso mehr, denn die haben uns über die Runden gebracht. Und ich hatte dann immer ein schlechtes Gewissen zu denken, “Mensch, wie gut hat es jetzt deine Freundin, die nur ein Kind hat…”
    Es ist sicher kein Trost in schweren Situationen, aber mir hat es manchmal geholfen sich zu sagen, dass alles nur eine Phase ist.
    Und irgendwie haben es die Kinder immer gemerkt, wenn es für mich oder meinen Mann überhaupt nicht mehr ging (z.B. wenn wir gar nicht mehr konnten, weil die Nächte nicht an ausreichend Schlaf zu denken war, weil eine immer krank war oder schlechte Träume hatte oder oder). Da gab es Situationen, in denen wir uns sicher waren, dass wir noch so eine Nacht nicht “überleben” würden und plötzlich konnten wir alle 4 durchschlafen.
    Ich finde es bemerkenswert, in dieser Zeit mit den Kindern, dem Beruf und allem, was sonst noch zum Leben gehört, es zu schaffen, diese Seite zu betreiben. Bitte weiter so, denn ich freue mich darauf zu lesen, wie viele weitere Parallelen es noch gibt!
    Alle Gute und vor allem starke Nerven wünscht Ulli
    PS: Ich habe mal einen tollen Aufkleber an einem Auto gesehen:
    “Zwillinge – einfach kann doch jeder!”

  4. Huhu,
    ich kann dich so gut verstehen…mIch bin Mama einer Tochter und Zwillingsjungs, die alle drei innerhalb von 23 Monaten zur Welt kamen…
    Ohne meinen Humor wäre ich sicher noch öfter an den Rand der Verzweiflung gekommen.
    Aus meinem Humor heraus schreibe ich meinen Blog…Ohne Eierkuchen,naja, zumindest nicht immer.

    http://www.dachbuben.com

    Liebe Grüße
    Karolin

  5. Ja, so ist das wohl. Die Doppelbelastung als Zwillings-/Mehrlingseltern kann man sich vorher in keinster Weise vorstellen. Das doppelte Glück aber auch nicht.
    Das Thema “gleiches” Spielzeug, bleibt einem wohl lange erhalten. Gen 4. Geburtstag wird es auf alle Fälle bei unseren Jungs nicht besser.

    Gruß

    Sven

  6. Hallo!
    Finde ich total klasse wie du das alles beschreibst, du spricht mir aus der Seele. Meine Zwillinge werden Ende Juli , 2 Jahre alt und ich habe mir gerade deine Blog durchgelesen und mußte so oft lachen und schmunzeln, weil ich die Situationen ja auch alle kenne und immer denke , ich bin nur so bescheuert, das passiert doch keiner anderen Mama, aber danke dafür das ich jetzt weiß, dir geht es genauso. :-)) Ich wünsche Euch weiterhin alles gute und werde jetzt öfter deinen Blog verfolgen. Lg

  7. Hallo!
    Ich habe auch ein Pärchen, das vor kurzem zwei Jahre geworden ist und kann jeden Satz von dir doppelt und dreifach unterstreichen!
    Zum Glück verfüge ich über eine unermüdliche Großeltern-Armada, die uns so oft es geht hilft, daher hält sich die Erschöpfung bei mir zum Glück in Grenzen. Aber ich ziehe meinen Hut vor jeder Mehrlings-Mama, die überwiegend auf sich alleine gestellt ist!
    Manchmal kommt bei mir auch der Neid auf Einlings-Mamas hoch, aber es gibt doch so viele lustige Momente, die die nicht haben.
    Am meisten Kraft gibt es einem auf alle Fälle, sich mit anderen Zwillingsmamas auszutauschen, denn es geht allen mehr oder weniger gleich. Was mir sehr geholfen hat, war die Erkenntnis, dass das meiste, was einen gerade stresst (an der Hand laufen geht noch nicht, alleine essen geht noch nicht, Treppe laufen geht noch nicht) plötzlich von einem auf den anderen Tag passé ist und man denkt gar nicht mehr drüber nach.
    Viele liebe Grüße,
    J.

  8. Wow! Deine Art zu schreiben ist einfach so toll. Ich liebe diesen Blog. Und dieser Beitrag ist der absolute Hammer. Als hätte ich ihn geschrieben. Meine Mädels werden nächste Woche 2 und wir haben die ersten 15 Monate auch im 2. Stock gewohnt. Da kommen Situationen, die sich Einlingsmamas wirklich nicht vorstellen können. Bei mir ist es ähnlich wie bei dir, meine “Große” hat oft das Nachsehen wenn es um Spielzeug geht. Aber egal was ich dann auch mache, am Ende weint Eine von Beiden und mein Mama-Herz blutet. Aber es stimmt ja andererseits auch, dass die vielen tollen und schönen Momente das Zwillingselterndasein doch noch überwiegen. Neulich sind sie Arm in Arm in einem Bettchen eingeschlafen. Da stand ich am Bettchen und war der glücklichste und dankbarste Mensch der Welt. Wie toll sowas erleben zu dürfen!!! Dieses Bild ruf ich mir seitdem oft ins Gedächtnis, wenn sie sich zoffen oder ich mal wieder nicht weiß welcher von Beiden ich zuerst hinterherrennen soll 😉
    Liebe Grüße
    Julia

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