Erziehung hin, Erziehung her

Das ist eine Premiere auf diesem Blog – heute soll es einen Buchtipp geben. Und zwar von einer Mutter, die zwar nur 1 Kind hat, aber mir oft aus der Seele schreibt, was bestimmte Erziehungsregeln angeht.Die Rede ist von Rike Drust und ihrem Buch „Muttergefühle“ (Gesamtausgabe).
Endlich mal Jemand, der ganz öffentlich seinen Frust loswird, wie anstrengend und absolut Nerv-tötend kleine Kinder sein können. Lieben tun wir sie alle, klar. Aber manchmal hassen wir sie auch. Und das hat bisher noch keiner zugegeben. Sie schreibt, dass sie ihren Sohn sehr oft angeschrien hat, dass sie ihm ihr Handy zur Beruhigung übergibt, dass sie manchmal in Kissen prügelt vor Frust etc. etc.

DAS ist das wahre Mutterleben – alle anderen können es nur nicht zugeben.


Und deshalb werde ich jetzt mal berichten, was MEINE Erziehungsfehler sind. Dass ich sie mache heißt aber nicht, dass sie okay sind für mich. Ich kann es einfach manchmal nicht besser, je in welcher Situation ich gerade bin. Aber ärgern tut’s mich immer, jedes Mal.

Hier also meine Schandtaten-Liste, auf die ich nicht stolz bin, aber nun mal Realität ist:

  • Wenn die Kinder nicht essen wollen, biete ich ihnen Ketchup zum Essen an. Dann klappt’s immer.
  • Wenn Emma sich nicht wickeln lassen will, gebe ich ihr mein IPhone in die Hand.
  • Ich schreie sie an, wenn meine Nerven nicht mehr können. Viel zu oft.
  • Ich lasse sie fernsehen, so circa 15min am Tag, nämlich dann, wenn ich mit ihnen nach Hause komme und ich mich kurz in Ruhe umziehen will, mich frischmache und das Abendessen vorbereiten will.
  • Manchmal dürfen sie Schokolade essen, nur damit sie mal still sind
  • Ich bin inkonsequent. Manchmal erlaube ich Dinge und verbiete sie am nächsten Tag
  • Wir essen manchmal bei Mc Donald’s

Gestern an der Supermarkt-Kasse wollte Max unbedingt ein Überraschungsei. „Eiereiereiereiereier“ grölte er gefühlte 15min lang, während ich an der Kasse anstand. Dort sind diese Dinger ja bekanntlich taktisch sehr schlau platziert.

Da ich sehe, dass ich mal wieder an der langsamsten Kasse der Welt anstehe, gebe ich auf. Ich hole mir 2 Eier, lege 1 aufs Band um den Kassierer nachher zu sagen, dass ich insgesamt 2 hatte, mache 1 Ei auf und gebe den Kindern je eine Hälfte.
Sie schmatzen verzückt und glücklich.

Hinter mir höre ich ein kleines Mädchen fragen: „Mami, darf ich auch ein Schoko-Ei haben?“
„Nein. Sowas kaufe ich dir nicht.“ Und wie so oft in meinem kurzen Mutterdasein fragte ich mich, wen diese Frau nun erziehen wollte – ihre Tochter oder mich?



11 thoughts on “Erziehung hin, Erziehung her

  1. Da beginne ich gespannt, deine Liste zu lesen und – sie ist goldig. Und gar nicht schlimm. Das hat nix mit Schande zu tun, sondern mit lebenskluger Überlebenstaktik! Alle machen das!
    Es scheint seit einigen Jahren übrigens einen Aufbruch des Tabus zu geben, mir fallen da noch die Bücher Babykacke und Babybeschiss ein (Autorenehepaar Heilmann und noch irgendwer), Ich will schlafen (Helen Walsh, gerade in der Welt besprochen) und eine Krimiautorin, die täglich bereut, ihren Beruf für ihre Kinder aufgegeben zu haben.
    Nach meinem Empfinden sind die Erwartungen an die Mutter (perfekt, wie alles) und der Mutter an sich selbst einfach irre hoch. Gewöhlich hat mann/frau wenige Kinder und dann soll alles perfekt sein, das maximal pädagogisch wertvolle Spielzeug, immer geduldige Eltern, immer bio-vollkorn usw.
    Wenn wir es schaffen, Abstand von diesen überdrehten Erwartungen zu nehmen, darüber zu sprechen und uns so selbst die Last von den Schultern gleiten zu lassen, uns genügend Zeit für uns geben, damit wir wieder Frau sein können, dann können wir die kleinen Perlen im Alltagsschlamassel wieder genießen.

    Ganz liebe Grüße! Mara.

  2. also ganz ehrlich…ich finde deine Erziehungs”fehler” überhaupt nicht schlimm!
    Diesen ganze Druck den Eltern sich immer machen, weil sie perfekt sein müssen und ihre Kinder so erziehen müssen, wie es andere erwarten, finde ich eh albern. Bei uns gab es das auch nicht und wir sind auch groß geworden.
    Mittlerweile gibt es ja auch durchaus Familienpsychologen, die sagen, dass es für die Kinder eher schädlich ist, wenn Eltern immer versuchen irgendwelche Erwartungen zu erfüllen und sich selbst nicht wohl fühlen.
    Einfach mal öfter auf den Bauch hören, dann macht man schon nichts falsch 🙂 Du bist bestimmt eine tolle Mutter.

  3. Mein böser Trick bei meinen Zwillingsmädchen (4 Monate älter als Deine), wenn die eine etwas nicht essen will: Sagen, dass es dann halt die Schwester isst. Und plötzlich geht das essen ratzfatz runter… Tja, das mit dem Futterneid funktioniert immer… Moralisch nicht einwandfrei, aber gut für die Nerven aller Anwesender! 😉

  4. ich habe das Buch auch gelesen, fand es super!!!! Es spricht mir so aus dem Herzen!!!
    JEDER Mutter mit der ich bisher gesprochen habe, geht es so, dass sie, manchmal ihr Kind am liebsten an die Wand werfen oder zum Mond schießen würde, manchmal total genervt ist, müde, kraftlos, ….
    Zugeben darf man es nicht. Und ich hab noch so eine tolle Schwiegermutter, die mir ständig mit folgendem Kommentar in den Ohren liegt: “Wenn du dein Kind lieben würdest, dann würde es dich nicht nerven, du würdest nicht wieder arbeiten wollen, du bräuchtest keine Zeit für dich, ect. pp.”

    Meine Tochter ist erst 1 Jahr, aber ich habe sie auch schon angeschrien, das tut mir auch wahnsinnig leid.
    Weitere Erziehungsfehler meinerseits sind:
    – für 2 – 5 Minuten im Laufstall schreien lassen, um ins Kissen zu prügeln und Frust abzubauen (danken für den Tipp mit den Kissen ;))
    – wohl ein Klassiker: mit dem Handy spielen lassen, damit sie kurz still ist bzw. beim wickeln liegen bleibt
    – inkonsequent bin ich auch manchmal, dann lass ich sie eben von mir aus mit nem Buch spielen (obwohl nachher Seiten fehlen und ich das hasse), damit sie mal Ruhe gibt

    – Essen haben wir bisher noch keine Probleme, wer weiß, was nch kommt 🙂
    Meine Tochter ist echt das liebste und süßeste Kind der Welt, aber manchmal, wenn sie so ein Schreitag hat, Oh Mein Gott!!! Geht uns wohl allen so?
    Und liebe Schwiegermutter: ich dusche ganz gerne (das bezeichnet sie als Zeit für mich, die ich mir unnötigerweise gönne), ich finde 15 min täglich für die Körperpflege nicht viel und will es weder mir noch meinen Mitmenschen antun, wenn ich sogar darauf verzichte ;). So!

  5. Hey, also dafür, dass Du Zwillingsmama bist, bist Du ja ein LAMM! Ich bin auch eine und weiß, wovon ich spreche. Muttergefühle ist ein tolles Buch, lies auch mal Kinderkacke von Heilmann/ Lindemann, das ist anders, aber auch herrlich ehrlich, darin gehts um zwei Kinder. Und wenn Du Dir unser Zwillingschaos mal zu Gemüte führen willst, bist Du bei Nusenblaten immer herzlich willkommen! Mach weiter so und halt durch!

  6. Hallo , ich habe deinen Blog heute gelesen und denke “ich ” habe die Geschichten ( Wahrheiten) geschrieben . Meine Zwillinge ( Jungs ) sind 3 Monate jünger , aber das kommt mir alles sehr bekannt vor.
    Ich lasse die 2 auch immer mal ” Bob der Baumeister ” anschauen , nur das ich ihr Essen kochen kann.
    Ansonsten habe ich momentan das Problem das sich sich gegenseitig beißen und das ständig.
    Kannst du mir da einen guten Rat geben ?
    Gruss Seidel

  7. Ich habe sehr oft schon hören müßen das ich einiges falsch mache, das meine Kinder am Wochenende zu spät ins Bett gehen usw…. Aber mich stört das alles nicht, meine Familie und ich sind Glücklich so wie wir Leben, was die Gesellschaft alles erwartet, das ist manchmal ein Traum denken und gar nicht 24 Stunden lang zu realisieren… Ich meine mal ganz ehrlich geht mal mit 3 kleine ( 12,6,1 1/2 Jahre ) Kinder einkaufen und erzählt mir dann die Kinder hätten sich Perfekt benohmen, und du hattest genug Zeit um auf alles drauf zu schauen ( Ist das auch vollkorn genug, kalorienarm usw… ) Ein voller Supermarkt, 3 Kinder die ständig nach Mama rufen, und die Einkaufsliste die man abarbeiten muss ist nun wirklich genug streß… Sollen Sie doch ein Ü-Ei kriegen…. Und wenn man mich schief anschaut, dem sag ich…. Hey da ist Milch drinn 🙂

  8. Meine sind 5 Monate alt und ich stelle sie schon mal 5 Min. vor irgendeinen Zeichentrickfilm im Fernsehen! Alles was sich bewegt ist wenn auch nur kurz interessant!
    Da werden einige Übermamis wieder die Hände übern Kopf zusammenschlagen!

    Dafür bekommen sie aber abends wenn sie am unruhigsten sind auch ne Tanzeinlage von der ganzen Familie!(Ich mein Mann und noch 3 Geschwister)

  9. Hallöchen;)

    Also Humor ist wenn man trotzdem lacht. Seit dem ich Kinder, also Zwillinge habe, ist mir das noch bewusster geworden. Zwar bekommen sie mein Handy nicht und ich hatte noch nie das Gefühl von Hass ihnen gegenüber, jedoch habe auch ich meine Tricks.
    Ähm, wie definiert ihr denn Hass einem Kind gegenüber?
    Also hassen kann man Menschen, welche einem physischen oder psychischen Schaden zufügen. Quasi Kriegstreiber und Aufrührer.
    Menschen welche für sich und ihre Umwelt eine unmittelbare Bedrohung darstellen.
    Oh, ach so….
    Ja, aber ich meine doch vorsätzlich;) 🙂 🙂

    Schönen Abend noch,
    Sandra

  10. Hallo Zusammen, ich fühle mich mometan täglich so schlecht und hab ein schlechtes Gewissen. Manchmal habe ich das Gefühl, ich tue nichts anderes als schreien. Sie, meine zwie 3jährigen Jungs, testen mich täglich. Mein Mann meint, ich muss ruhig bleiben und mir immer sagen, sie sind doch erst 3. Dann fühle ich mich doppelt so schlecht. Wie kann man sich selber beruhigen, wenn die nerven doch blank liegen?

  11. Meine Zwillinge bringen mich manchmal auch schier in den Wahnsinn.
    Aber ich denk dann einfach immer an die positiven Sachen, an ein Lächeln das sie mir manchmal schenken und so kann ich ganz gut mit den Stresssituationen umgehen.

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