Fremderzogen

Man bekommt als Mutter ab und an gut gemeinte Ratschläge. Manche kommen von Menschen mit Erfahrung, manche sind eher ohne kompetenten Hintergrund – und manche sind schlicht weg unverschämt. Alles schon da gewesen im Laufe der letzten drei Jahre.

In den letzten Tagen habe ich aber für meinen Geschmack zu viel davon bekommen, so dass ich nicht mehr darüber lächeln konnte, nein, es hat mich geärgert. Und dass ich mich ärgere, nur weil fremde Menschen denken, sie müssen mich maßregeln, ärgert mich noch mehr.

Am Montag waren wir zum ersten Mal beim neuen Musikkurs. Die Eltern standen im Kreis, die Kinder bei den Eltern und die Kursleiterin tanzte und versuchte, spielerisch zu musizieren. Alle Kinder machten mit.
Meine Kinder interessierten sich nicht die Bohne für Musik, zumindest an diesem Tag nicht (sonst eigentlich schon, wir singen viel und waren bereits 1 Jahr lang im sogenannten Musikgarten).
Sie tobten in der Ecke des Raumes auf einem dort platzierten Matratzenlager. Sie kreischten dabei, rauften und hatten hörbar viel Spaß. Auf meine Ermahnungen, doch bitte mit zu machen und zu mir zu kommen, reagierten sie mit schallendem Gelächter und einem frechen „Nein, Mama!“.
Was soll ich also tun? Zwei Kinder in den Kreis zerren und an meine Beine fesseln? Klar, sie folgen nicht. Sie machen nicht mit. Sie stören die anderen Teilnehmer, weil sie laut sind (laut lachen) und deren Kinder motivieren, ebenfalls den Kurs zu boykottieren.
Aber, kann ich da was dran ändern? Nein. Möchte ich auch nicht. Sie machen ja nichts kaputt, sie haben einfach nur anderweitig Spaß. Ein paar Kinder wollen dem Beispiel von Max und Emma folgen und werden von ihren Eltern zurückgezerrt und auf den Arm genommen.

Ich kann nicht beide Kinder auf den Arm nehmen, ist mir zu schwer, 32kg insgesamt. Ich hätte natürlich auch gerne brave Kinder, die mitmachen, was man ihnen sagt und mir aufs Wort gehorchen. Und ein bisschen peinlich ist es mir auch.
Gegen Ende der Stunde ist es nur noch ein einziges hinundher Gerenne, die Kinder rennen alle abwechselnd zu Max und Emma, verschiedene Eltern schimpfen und ermahnen ihre Kinder, die Leiterin kommt mit ihrem schwachen Stimmchen kaum noch zu Wort.
Als die Kursleiterin am Ende der Stunde sagt: „Also, ich gebe ja schon lange Musikkurse, aber eine so wilde Truppe habe ich noch nie erlebt.“ Sie guckt mir dabei fest in die Augen, scheinbar ziemlich sauer. „Für einige Kinder muss ich mir fürs nächste Mal ein besonderes Konzept überlegen.“
Ich versuche, mein naivstes Gesicht aufzusetzen und lächle in die Runde als wollte ich fragen: „Welches Kind meint sie denn bloß?“

Am Dienstag waren wir beim Kinderturnen. Dort gehen wir schon seit 1,5 Jahren hin. Nur leider hat unsere Kursleiterin Claudia aufgehört, aber ihre Nachfolgerin scheint nett zu sein. Zumindest auf den ersten Blick.
Die Kinder turnen und haben Spaß. Max geht circa 2x während der Stunde in die Ecke der Turnhalle, wo unsere Tasche steht, und ißt dort einen Kecks.
Am Ender der Stunde kommt die neue Leiterin zu mir und sagt: “Ich möchte nicht, dass in der Stunde gegessen wird. 1std werden es die Kinder schon ohne Essen aushalten!”
Ich bin ziemlich irritiert über ihren Ton und sage nur: “Aber er isst doch ganz brav in seiner Ecke und läuft nicht damit herum. Das hat in den letzten 1,5 Jahren niemand gestört…”
Ich werde unterbrochen mit: “Aber mich störts. Das macht doch Krümel.”
Und fort ist sie.

Am Mittwoch gehen Max und ich zur Logopädin, während Emma mit Oma im Einkaufszentrum nebenan ist. Damit Max nicht neidisch auf Emma ist, weil sie etwas Schönes alleine mit Oma machen darf, kaufe ich ihm immer vorher noch ein Eis. Er isst es dann auf dem kurzen Fußweg zur Praxis. Das machen wir schon so, seit wir in Therapie sind. Diese Woche sind wir das erste mal zu spät dran, ich bin immer sehr punktlich normalerweise, überall, trotz der Kinder. Als wir in der Praxis ankommen werde ich sofort angefahren: “Also, dass Sie ihrem Kind ein Eis kaufen, obwohl Sie so spät dran sind….” in Kombination mit einem verständnisslosen Kopfschütteln und einem verärgerten Blick.
Max hat noch ganze 3min für sein Eis gebraucht. Und dass ich schon öfters 15min auf den Termin warten musste, habe ich auch nicht erwähnt.

Am Donnerstag bin ich mit den Kindern in einem Buchgeschäft. Emma wirft unabsichtlich einen Stapel Bücher auf den Boden. Sie ging wohl zu nah dran vorbei und hing mit ihrer Jacke irgedwie fest. Die Bücher hatten kaum den Boden berührt, als ein Mann sich zu mir umdrehte und erbost rief: ” Die müssen Sie aber wieder aufheben!!!”

Was soll ich sagen. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort. Und hat sich mit der falschen Mutter angelegt. Meinen Kindern hätte ich besser die Ohren zugehalten.

One thought on “Fremderzogen

  1. Einfach nicht mehr ärgern, das ist nur eine Selbstbestätigung für die Damen und Herren Besserwisser.
    Schnippisch sein! Z.B.: “Ui, wie schön, dass Sie besser sind als ich. Bitte übernehmen Sie doch mal einen Tag von mir und ich gucke Ihnen dabei zu und lerne!”
    Vorher sollten Sie aber auf den einen Artikel verweisen, in welchem der ganz normale Alltag von Zwillingseltern geschildert wird…
    Ich lerne hier im Blog jedenfalls ziemlich viel und bereite mich so auf meine Aufgaben mit den Zwillingen vor.
    Vielen Dank übrigens dafür!!!

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