Mamakind

Emma ist vom ersten Tag an nur bei mir gewesen. Max eher bei seinem Papa. Irgendwie ergab sich diese Aufteilung so, ganz zufällig. Am Tag der Geburt wurde Max in die Arme meines Mannes gelegt, Emma in meine.
Bis heute hat sich daran nichts geändert. Es ist, als ob sie auf das jeweilige Elternteil geprägt worden wären. Wie kleine Entenküken. Emma kommt nachts in mein Bett, Max geht zu meinem Mann.

Max ist dabei aber nicht das Problem, denn er akzeptiert mich genauso zu 100%. Schließlich bringe ich ihn oft genug ins Bett, wenn mein Mann nicht da ist, ich bringe sie in die Kita, ich hole sie ab, ich verbringe jeden Nachmittag mit ihnen.

Aber mit Emma ist es anders.
Sie akzeptiert nicht, dass sie irgendwer anderes ins Bett bringt, nur die Mama. Nur ich darf sie aufwecken. Nur ich darf sie trösten. Als ich vor Kurzem 1 Nacht auf Geschäftsreise war, hat sie sich 1std lang in den Schlaf geweint. Obwohl ihr Papa da war.

Und dies bricht mir aus 2 Gründen das Herz. Erstens, weil ich oft die Enttäuschung im Gesicht meines Mannes sehe und er mir leid tut. Er liebt sein Mädchen so sehr. Und er ist – neben meinem eigenen Papa – der beste Vater der Welt. Wie oft habe ich schon von Emma ein “Papa geh weg!” gehört oder ein “Nein! Nur die Mama!”. Das tut nicht nur meinem Mann weh.

Nachdem ich weiss, dass Emma lange weint und verzweifelt nach mir ruft, kann und will ich abends nicht ausgehen. Ich kanns einfach nicht! Cocktails in einer Bar schlürfen, lachen und quatschen? Sehr gern! Aber nicht wenn dafür mein Kind leiden muss.

Viele Menschen haben mir schon gesagt, dass “Emma das lernen muss”. Auch mein Mann. Ich seh das nicht so. Wir haben es oft probiert. Ohne Erfolg. Ich möchte es ihr nicht mehr antun.

Eines Tages wird sie sich von mir lösen und ihre eigenen Wege gehen.
Und bis dahin bin ich für sie da, wenn sie mich braucht. Ich bin ihre Mama. Und als Mama ist man nicht austauschbar.

7 thoughts on “Mamakind

  1. Hallo! 🙂
    Ich bin selbst noch keine Mutter, finde es aber großartig wie du mit deinen kleinen umgehst!
    Und aus Erfahrung kann ich dir sagen, das dir die Kleinen dafür danken werden, denn sie erinnern sich später auch an solche Situationen 🙂

    Als kleines Beispiel:
    Meine Mutter ist leider sehr früh verstorben, aber ich erinnere mich daran wie sie einmal ein “Kinderfreies Wochenende” plante. Also ging es ab zu Oma und Opa. Kaum dort angekommen passte mir irgendwas nicht, so das ich mich mit meinen 3 Jahren vor meiner Oma aufbäumte und sagte “Kinder gehören zu ihrer Mutti!”
    Damit war das Wochenende natürlich beendet, aber sie fand diese Feststellung so goldig, das dieser Satz auch Jahre später immer wieder fiel.
    🙂

  2. oh das kenne ich nur zu gut… meine Tochter ist zwar erst 1 aber die Tendenzen gehen auch in die Richtung… sie lässt sich nurnoch von mir trösten abends und nachts und schaut den Papa an als wäre er ein ungeheuer – er meint, am schlimmsten treffen ihn die blicke, nicht, daß sie sich wegwendet oder schrecklich heult. ich war auch noch nicht weg und kann mir auch nicht vorstellen, das in absehbarer zeit zu tun… und früher war ich ständig auf Konzerten oder in der disse. ich finde es sehr schön, daß du so denkst und deine Tochter wird schon irgendwann von alleine so weit sein; vermutlich gehört sie einfach zu den Kindern, die etwas mehr “Nestwärme” brauchen als andere, das kann nicht verkehrt sein!

    liebe grüße

  3. Ein Super toller Blog-genial geschrieben. Wir haben selber zwillinge, 16 Monate und ich finde sehr viele Parallelen;-))) dein letzter Beitrag hat mich sehr sehr gerührt – man will diesen kleinen Menschen einfach nur liebe, Schutz und ganz viel Geborgenheit geben-auch wenn man selbst eine sehr lange zeit zurück stecken muss…..
    Aber es wird besser und es kommt schneller als man denkt und sie gehen ihren eigenen weg und brauchen uns nicht mehr!

  4. Der einzige Rat, den ich je angenommen habe:
    “Sie werden als Mutter viele gut gemeinte Ratschläge bekommen. Hören Sie zu, nicken Sie und bedanken Sie sich. Und dann vergessen Sie es und machen Sie genau das, was Sie für richtig halten.”
    Von unserem Kinderarzt. Ein wundervoller Mann.
    Alles Gute!

  5. Wunderbar. Das unterschreibe ich ohne zu zögern, genau so geht es mir auch mit meinen Kindern. Lieber bleibe ich noch JAHRE abends zu Hause, als dass ich irgendwo sitze und weiß, dass sie nicht zur Ruhe kommen.

    Dein Text ist sehr rührend.

  6. Hallo,
    ich bin auch eine Zwillismami.
    Bin durch Zufall auf deinem Blog gekommen und finde ihn einfach superklasse. Sehr schön, wie du schreibst.

    Das kenne ich nur zu gut. Bei der Geburt hatte ich den Erstgeborenen Niclas, nur einen kurzen Moment gesehen und dann wurde er sofort auf die Frühchenstation gebracht. Mein Mann, war dann noch kurz bei ihm.

    Den Zweitgeborenen Tobias, haben sie mir für einen winzigkleinen Moment auf die Brust gelegt.

    Es hat sich bei uns auch so ergeben, dass mein Mann, fast immer N. hatte und ich T.

    Und ich muss sagen, dass Tobias die ersten Monate, ach ich glaube fast das ganze erste Jahr, gar nicht von meinem Mann beruhigt werden konnte.

    Noch heute, sie sind mittlerweile 3 3/4, ist N. öfters bei meinen Mann und T. bei mir, aber das Verhältnis zu Tobias und meinem Mann hat sich sehr gebessert.

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