Powerfrauen von gestern

Wenn man oft und gerne andere Mütter-Blogs verfolgt, fällt einem doch auf, wie viel gejammert wird. Ich selber jammere gerne oft und viel.
Wie anstrengend doch das Leben als Mutter ist, was wir alles zu tun haben und an was wir alles denken müssen.

Dabei sind wir alle doch nur Mütter. Etwas ganz normales und alltägliches. Auch wir arbeitenden Mütter dürfen uns eigentlich nicht beklagen. Wir haben es so leicht. Wir haben Autos, eine schöne Wohnung oder Haus, eine Heizung, ein Handy, das Internet, einen Kinderarzt und Notapotheken, Online-Shops, volle Kühlschränke, Windeln und Fieberzäpfchen.
Wir haben alle Möglichkeiten, uns frei zu bewegen, besuchen Babykrappelgruppen, gehen zum Kinderturnen, lesen in Blogs wie es anderen Müttern geht, können Babysitter engagieren.
Dank des Internets sind wir aufgeklärt und voll informiert.

Wir jammern wirklich auf sehr hohem Niveau

Als meine Oma eine junge Mutter war, hatte sie ganz andere Sorgen. Zwei ihrer drei Kinder wurden mitten im 2.Weltkrieg geboren, 1940 und 1942.
Mein Opa war Soldat. 4 Jahre lang war er in Gefangenschaft. Sie wusste nicht, ob er noch lebt und ob er je wieder zurückkommt. Hatte ihn wahrscheinlich schon aufgegeben.

Ich stelle mir oft vor, wie sich das angefühlt haben muss für sie. Ganz allein, in einem zerbombten Deutschland, ohne Mann und Geld, mit 2 kleinen Kindern. Ohne Heizung, Geld für Medizin, kaum etwas zu essen. Welche Sorgen sie gehabt haben muss, was sie nachts gedacht hat, kurz vor dem Einschlafen. Sie hatte nicht die Zeit, sich Gedanken zu machen, ob sie eine gute Mutter ist. Oder dass das Leben ungerecht ist.
Sie musste ihre Kinder durchbringen, ihnen Klamotten stricken, Holz hacken für den Ofen, Essen auftreiben – und überleben. 4 Jahre lang ohne ihren Mann. Was für eine unglaubliche Leistung.
Welche Ängste sie gehabt haben muss, welche Sorgen. Ich glaube, das können wir uns nicht mal im Ansatz vorstellen.

Im Vergleich dazu, sind wir doch tatsächlich ziemlich verwöhnt. Oder?

Dieser Blogpost ist meiner Oma gewidmet. Meine Tochter trägt ihren Namen als zweiten Vornamen – Lina.
Oma, du warst eine bewundernswerte, tolle Frau und die beste Oma der Welt! Ich bin traurig, dass dich meine Kinder nicht mehr kennen lernen dürfen…

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(Dieses Foto trug mein Opa 4 Jahre lang während seiner Gefangenschaft in seiner Hosentasche)

One thought on “Powerfrauen von gestern

  1. Liebe Katrin,

    das wirklich ein ganz toller Artikel. Ja, wir jammern alle und wir haben auch häufig Grund dazu, weil wir wirklich gestresst sind und ein Ventil brauchen, mich natürlich eingeschlossen. Manchmal tue ich mir so Leid, dass ich vor Erschöpfung heulen könnte. Die drei Kinder halten mich wirklich auf Trapp.
    Dann rückt so ein Beitrag alles wieder ins rechte Licht und ich bin froh, hier und jetzt zu leben und glücklicherweise keine existenziellen Sorgen zu haben. Das sollte man sich viel, viel öfter klar machen.
    Manchmal glaube ich nur, das die Welt heute viel komplexer ist und wir ganz andere Sorgen als unsere Großmütter früher haben, u. a. , weil wir ganz andere Möglichkeiten haben. Meine Oma hat wie deine auch die Kinder im Krieg groß gezogen und hatte große Not. Ich bewundere sie für ihren Mut und für alles, was sie in dieser schweren Zeit geleistet hat. Unser Großmütter sind wirklich tolle Vorbilder. Aber sie musste sich niemals um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf Gedanken machen, hat sich z. B. nie darüber Gedanken machen müssen, ob zuviel ipad den Kindern vielleicht schadet…..
    Jede Generation hat ihre eigenen Sorgen und ich finde wir sind alle tolle Powerfrauen und kämpfen für das Wohl unserer Kinder.
    Aber Du hast so Recht, wenn man manchmal unsere kleineren Sorgen mit richtig großen Sorgen wie Krankheit oder Existenznot vergleicht und damit wieder alles richtig bewertet.

    Wir können alle sehr stolz auf uns sein, wir Powerfrauen von gestern und von heute!!!
    Ganz liebe Grüße, mamvondreien

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