February10
Was habe ich nur falsch gemacht mit meinen Kindern. Das heißt, eigentlich stellt sich die Frage nicht, denn ich kenne ja die Antwort. Ich bin eine unkonsequente Rabenmutter. Das soll jetzt nicht ironisch klingen, ich meine das jetzt ernst. Ich habe keine Geduld und keine Kraft mehr, gegen den sehr starken Willen von zwei Menschen anzukämpfen, vor allem nicht, wenn diese Kämpfe jeden einzelnen Tag aufs neue ausgetragen werden müssen. Ich bin nicht konsequent. Ich bin faul. Mir sind Dinge, die mir eigentlich wichtig sind, ganz plötzlich egal, wenn der Schreipegel ins Unerträgliche angestiegen ist. Dann erlaube ich Dinge, die ich nie für meine Kinder wollte. Dann sind zwar die Kinder zufrieden, aber ich habe ein schlechtes Gewissen.
Es geht ums Fernsehen. Es geht um Süßigkeiten. Beides wollen sie eigentlich ständig haben. Und wenn ich es von Anfang an nie erlaubt hätte, wüssten sie gar nicht, was das ist. Aber sie wissen es dank meines nicht vorhandenen Durchsetzungsvermögens sehr genau und wollen nichts anderes mehr.
Ich habe schon immer viel mit meinen Kindern unternommen, jeden Tag nach der Kita gibt es noch ein kleines Programm. Im Sommer natürlich vor allem diverse Spielplätze. Im Winter je nach Wetter Umweltgarten, Schlitten fahren oder im Einkaufszentrum spazieren gehen. Montags machen wir was mit der Oma. Dienstags ist Kinderturnen, donnerstags Musikgarten. Mittwochs und freitags eines der oben genannten Dinge. Man kann also nicht sagen, dass ich meinen Kindern nichts biete.
Aber kaum sind wir zu Hause, wird gebettelt, dass der Fernseher angemacht wird. Dazu soll es bitte Smarties geben, oder Gummibärlis. Wenn ich nicht wüsste, dass diese beiden Dingen entweder der Gehirnentwicklung oder den Zähnen schadet, wäre es ja prinzipiell in Ordnung, da sie definitiv dabei sehr glücklich und entspannt sind. Das Problem dabei ist aber, dass ich es eben weiß, die beiden nicht. Ich bin in der Verantwortung, zwei kleinen Menschen die Welt zu erklären, die nicht wissen, wie schmerzhaft ein Zahnarztbesuch sein kann. Sie lassen sich beide zum Glück sehr gut die Zähne putzen, aber da finde ich ja schon wieder Ausreden. Die Frage ist doch, ab wann man eine asoziale Mutter ist, ab wann noch nicht, was normal ist, was nicht. Mir fehlen hier einfach die Vergleiche.
Ich kenne Mütter, die nur Bio kochen, immer frisch. Bei denen ein Fruchtzwerg schon als zuviel Zucker eingestuft wird. Die selber gar keinen Fernseher haben. Ich kenne Mütter, deren Kinder gar kein Interesse haben, fernzusehen. Und ich kenne Mütter, deren TV öfter läuft, die sich aber nicht ständig ein schlechtes Gewissen deswegen machen. Also, was ist normal?