Mein Zwillinge-Blog

Funktionieren

August9

Funktionieren. Durchhalten. Weitermachen. Das sage ich mir jeden Morgen.

Es ist nicht einfach im Moment. Max hat Pseudo-Krupp. Emma hat schlimmen Durchfall und Schnupfen. Beide weinen viel, schlafen schlecht, essen nicht. Max hat Anfälle in der Nacht und hohes Fieber.  Mein Mann ist nervlich am Limit, man merkt, die Elternzeit hat ihm Kraft geraubt. Die Krippeneingewöhnung wurde vorerst auf Eis gelegt wegen der Krankheit der Kinder. Und das, bevor sie für 2 Wochen schließt. Das stellt ein großes Zeitproblem für uns dar. Für mich. Denn ich werde mir mehr Urlaub nehmen müssen, um nach dem Krippenurlaub von vorne zu beginnen. Mehr Urlaub als ich nehmen sollte. Aber die Kinder gehen vor. Mit diesen Augen werde ich auch in der Arbeit gesehen. Ich bin eine Zwillingsmutter. Nicht mehr die Hauptverantwortliche Designerin im Hallhuber Donna Team. Jetzt weiß ich auch, warum ich anders gesehen werde. Jetzt sind die Kinder krank, ich werde zu Hause gebraucht, habe nur 3 Std geschlafen. Wenn Basti keine Elternzeit hätte, hätte ich nun schon 3 Tage gefehlt, denn die Kinder können mit Fieber nicht in die Krippe. Sie werden immer vor allem stehen, das Wichtigste sein. Und sie werden oft krank sein.

Ich bin ein sehr belastbarer Mensch. Ich schaffe viel und kann viel auffangen. Irgendwer hat mir mal gesagt, dass Zwillinge „nur zu starken Frauen kommen“. Das muss wohl so sein. Stark bin ich. Ich kämpfe wie eine Löwin, um überall 100% zu geben. Ich werde in der Arbeit gebraucht. Ich werde zu Hause gebraucht, von meinem Mann und meinen Kindern. Der Haushalt muss gemacht werden. In der Arbeit muss ich gestylt und gepflegt erscheinen, zu Hause muss ich gute Laune haben. Und Geduld und Nerven. Ich muss überall pünktlich sein.  Der Druck ist unglaublich.

Zurzeit fühle ich mich sehr einsam. Obwohl ich nie alleine bin. Ich habe niemanden, der sich so fühlt wie ich. Der meine Probleme nachvollziehen kann. Der mir sagt, dass es besser wird. Der mir wirklich helfen kann.

Funktionieren. Durchhalten. Weitermachen. Keine Erwartungen an den Tag haben. Mehr als das ist es nicht im Moment.

Kita-Start

July18

Nun beginnt der „Ernst des Lebens“.  Meine Kinder kommen in die Kinderkrippe. Zum ersten mal werden sie nicht von Menschen betreut, die sie lieben, sondern die dafür bezahlt werden. Die auch auf 12 andere Kinder aufpassen müssen. Die mal genervt sind von ihrem Job, mal unausgeschlafen, verkatert, gereizt oder überfordert  sind. Die ihre Augen nicht überall haben können. Die mir sicherlich mal die eine oder andere Kleinigkeit verheimlichen werden. Ich bin nicht da.

Meine Kinder sollen dort spielen, basteln, raus gehen, neue Dinge lernen, Freunde finden, Spaß haben. Sich entwickeln. Und ich bin nicht dabei.

Es ist keine Krabbelgruppe, in die sie sporadisch gehen können – dort MÜSSEN sie hin, jeden Tag von Montag bis Freitag, fast 8Std. am Tag. Weil ich etwas für mich tun will, etwas anderes tun will, als Kinder zu hüten, weil ich meinen Beruf liebe und weil wir das Geld brauchen. Ich gebe sie dort ab und überlasse sie jemand anderen, den ich nicht kenne, einer fremden Person.

Ich bin nicht für sie da.

Ich fühle mich zerrissen. Egoistisch. Sie sind noch so klein, sie wissen noch gar nichts von der Welt. Sie sind so unglaublich unschuldig.

Ich wünsche euch viel Glück, meine süßen Mäuse. Ich bin froh, dass ihr euch gegenseitig habt. Haltet euch schön aneinander fest und lasst nicht los. Es reicht schon, dass ich das tun muss.