Manchmal

Manchmal sitze ich neben deinem Bett, wenn du eingeschlafen bist und betrachte dein Gesicht.

Manchmal siehst du im Schlaf aus wie mein kleines Baby das du damals warst. Tagsüber bist du nicht mehr mein kleines Baby, denn du weißt und siehst alles. Manchmal kannst du ganz schön erwachsene Dinge sagen. Manchmal kommt es mir vor, als ob du mir noch was beibringen könntest und nicht umgekehrt. Aber wenn du schläfst, denke ich an die Tage zurück als noch ein kleines Baby warst und deine Gesichtszüge sind genauso wie damals, so unschuldig und entspannt, du hast eine so glatte Haut und ein süßes Gesichtchen.

Manchmal staune ich über die Dinge die du schon kannst und weißt. Und manchmal überlege ich, ob ich dir viel zu spät manche Dinge beigebracht habe.

Manchmal frage ich mich ob ich für dich eine gute Mutter war und bin, manchmal bin ich mir dessen sehr sicher.

Manchmal freue ich mich dass du noch so kindlich bist und so verspielt und die Welt noch nicht kennst mit all ihren Schrecken, manchmal frage ich mich ob ich dir zu spät sage und erkläre was die Welt so für dich bereithält.

Manchmal kann ich dich einfach nicht leiden. Und meistens liebe ich dich über alle Maßen.

Manchmal zeigst du mir indirekt was ich alles falsch gemacht habe und 2 Minuten später beweist du mir das Gegenteil.

Manchmal wundere ich mich darüber dass du mein Kind bist, weil du so perfekt und so wunderschön bist. Manchmal bin ich so wahnsinnig dankbar, dass du einfach nur gesund bist, gesund und glücklich in meiner Nähe und in meinen Armen.

Manchmal kann ich es gar nicht fassen dass ich eine Mutter bin, du sitzt auf meinem Schoß und ich tröste dich, und es fühlt sich surreal an, dass du tatsächlich mein Kind bist. Ich war doch gerade selber erst noch ein Kind, ich war doch gerade selber erst noch eine junge Frau, die sich selbst am nächsten war und die nur sich und ihre eigenen Probleme zu bewältigen hatte. Nun sitzt du auf meinem Schoß und bist mein Kind. Ich bin Mutter von zwei Kindern.

Manchmal, da staune ich darüber, dass ich tatsächlich zwei so wunderbare Menschen erschaffen habe, zusammen mit eurem Papa. Ihr seid ein Teil von ihm und ein Teil von mir, und manchmal wenn ich Zeit habe, dann sitze ich einfach nur da und betrachte eure Gesichter, und staune.

Manchmal, da bin ich so unsagbar voller Angst. Voller Angst, dass es ein Leben geben könnte, in dem ihr nicht mehr seid und ich noch sein muss.

Manchmal, erinnere ich mich an die Zeit bevor ihr da wart, und es fühlt sich an wie ein Leben, das 100 Jahre her ist.

Manchmal geht ihr mir unsagbar auf die Nerven, und ich schimpfe euch alle 5 Minuten weil ihr euch ständig streitet und so wahnsinnig laut seid. Und trotzdem kann ich mir niemals ein Leben ohne euch vorstellen.

Denn nicht nur manchmal, sondern immer, ist es grenzenlose Liebe die uns verbindet. Ich liebe euch so abgöttisch.

Für immer, nicht nur manchmal, bin ich stolz eure Mutter sein zu dürfen.

 

 

 

Kindermund

Emma heute, als ich die Kinder vom Kindergarten abholte:

“Mama! Wir hatten heute einen Glückstag!

Heute Morgen haben wir einen Marienkäfer gesehen, als wir ins Auto gestiegen sind.

Dann hatte Ben heute Geburtstag und es gab Schokoladenkuchen!

Und später haben wir vier Regenwürmer im Garten gefunden! Vier Regenwümer, Mama!

Ist das nicht ein Glückstag, Mama?”

Die Welt aus Kinderaugen. Unvergleichbar.

The days are long but the years are short

Wer in der letzten Zeit meinen Blog verfolgt hat, weiß, wie sehr ich gerade verarbeite, wie schnell meine Kinder groß geworden sind. Und dann das. ich stoße zufällig im Netz auf diesen Satz:

The days are long, but the years are short.

Das Zitat von Gretchen Rubin hat mich fast umgehauen, trifft es doch meine momentane Gefühlslage auf den Punkt.

Wie lang, nicht enden wollend waren die Tage in den ersten zwei Jahren. Wie froh war ich manchmal, wenn die Kinder endlich im Bett waren. Ich liebte meine Kinder abgöttisch, aber das Mutter-sein, das mochte ich manchmal nicht. Ich habe zu wenig Zeit in der Gegenwart verbracht, zu wenig reflektiert, zu wenig den Moment erlebt. Ich erlebte nicht bewußt genug. Zu sehr beschäftigt, mit Dingen, die noch getan werden müssen, was erledigt werden muss, was in der Arbeit zu tun ist, wie der nächste Tag aussieht.

Die Jahre vergingen, ohne dass ich am Ende des Jahres wusste, was ich eigentlich getan hatte. Ich habe meine Kinder erzogen, gearbeitet und den Haushalt geführt. Ich habe Probleme gelöst und Entwicklungsschritte begleitet, kleine Erfolge gefeiert und war zufrieden mit mir. Ich war glücklich und hatte glückliche Kinder. Aber wirklich festgehalten, habe ich sehr wenige Momente. Die ersten Schritte natürlich, der erste Muttertag, die Kita Eingewöhnung, der erste Schnee, Geburtstage, Urlaube etc. Das Meiste verschwimmt in einer Soße aus Alltagstrott, Spielplatz Erlebnissen, Krankheiten, Play Dates, viel Liebe, viel Trotz, Ausflügen, Sommer im Garten, Schlafmangel, Routine.

Ich denke, dass es vielen Müttern so geht, vor allem Mehrlingsmamas, denn wie soll man auch wirklich jeden Moment festhalten können, wie soll man sich an alles erinnern können, vor allem, wenn viele Tage sich so sehr gleichen, manchmal sogar austauschbar sind.

Wehmütig wird man erst dann, wenn die schwierigste Zeit vorbei ist. Wenn man auf einmal inne hält und sich bewusst wird, dass die Kinder einen gar nicht mehr so brauchen. Nicht mehr so hilflos sind und sich selbst beschäftigen können. Kurz um, wenn man wieder Zeit für sich selbst hat. Auf einmal sind die Kinder “groß” und gehen bald in die Schule. Und nun vermisse ich meine Babys, meine Kleinkinder. Ich würde gerne die Zeit zurück drehen und bewusster leben.

Deswegen, liebe Mamas, geht raus zu euren Kindern, küsst sie und spielt mit ihnen fangen. Genießt den Moment und haltet ihn fest. Kinder zu haben ist das Schönste auf der Welt.

 

Zeiten ändern sich

Als die Kinder noch klein waren habe ich jeden Moment herbei gesehnt, als sie nicht an meinem Bein geklebt haben und ich ein bisschen Ruhe hatte. Diese Zeiten haben sich geändert, denn ich genieße jede Sekunde, in der meine Kinder Körperkontakt zu mir suchen. Wahrscheinlich weil ich weiß, dass es nicht mehr lange dauert, bis sie ihre Mama doof finden.

Manchmal weiß ich nicht, wo die Zeit geblieben ist. Ich habe eins meiner Kinder auf dem Schoß und da ist gar kein Baby Speck mehr, nur lange schlanke Beine und Füße, Kinder die mir so erwachsen erscheinen. Sie sind so schwer geworden, dass ich sie nicht mehr hochheben kann.

Und da gibt es auch kein zurück mehr, denn der Schock sich von heute auf morgen um zwei kleine Babys zu kümmern war so groß, dass die Frage nach einem dritten Kind gar nicht mehr im Raum stand. Wenn ich die Kinder früher bekommen hätte, dann wäre ich jetzt bereit für ein drittes Kind.

Es gab Zeiten, in denen meine kinderlosen Kolleginnen mir einen wunderschönen Nachmittag gewünscht haben, als ich nach Hause gegangen bin um meine Kinder abzuholen. Und ich nur gedacht habe, wie gerne ich in der Arbeit bleiben würde, denn es gibt nichts Entspannenderes im Vergleich dazu, den ganzen Nachmittag Zwillinge zu hüten, die gerade sauber werden und/oder in der Trotzphase sind.

Aber darüber bin ich hinaus. Ich freue mich so sehr meine Kinder abzuholen, ich möchte dass jede Minute ein bisschen quality time ist. Ich möchte meine Kinder genießen können, solange sie noch Interesse an ihrer Mutter haben. Im Moment bin ich noch ihr Mittelpunkt, und das genieße ich jetzt. Früher hat es mich fast erdrückt.

Im Juni werden sie 6 Jahre alt, noch 3 Monate Kindergarten, dann ist diese Lebensphase zu Ende.

Während ich das hier schreibe, spielen die Kinder vor mir auf dem Rasen Tennis, der Grill ist vorbereitet, wenn mein Mann nach Hause kommt gibt es Essen. Es ist so schön gerade. So relaxed. Es ist die bisher schönste Phase in meinem Leben als Mutter.

Und trotzdem bin ich manchmal wehmütig. Weil sie mich nicht mehr so arg brauchen. Genau diesen Freiraum habe ich mir die ersten Jahre gewünscht. Nun habe ich ihn endlich und vermisse auf einmal etwas. Verrückt, ich weiß. Zeiten ändern sich eben. Und als Mutter muss man versuchen, daran zu wachsen und sich anzupassen.

Ich vermisse den Babyspeck und das Kuscheln und das Kindliche. Kleine piepsige Stimmchen, die kaum sprechen können, tapsige Schritte.

Loslassen nennt man das wohl. Das muss ich erst lernen…

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Der böse Geist im Flur

Es war einmal eine kleine, fröhliche Familie, die lebte in einem Haus. Da gab es die Eltern und ihre zwei Kinder und alle hatten sich sehr lieb. Bis eines Tages ein böser Geist in das Haus einzog.

Der Geist setzte sich in den Flur, gleich neben der Haustüre. Dort lebte er von nun an, unsichtbar und unentdeckt. Und wartete jeden Tag auf seine Opfer. Der Geist wollte Unfrieden stiften, denn das war sein Job. Er wollte Tränen sehen, Geschrei hören, er wollte, dass geschubst wird und gekniffen, gemotzt und gejammert, denn nur dann fühlte sich der Geist wohl.

So kam es, dass sich die beiden kleinen Kinder jeden Tag an ein und derselben Stelle stritten. Im Flur neben der Garderobe, vor der Haustüre. Jeden Tag, bevor sie mit ihrer Mutter das Haus verließen.

Der Geist dachte sich jeden Tag etwas Neues aus. Mal stritten sich die Kinder, wer zuerst die Tür aufmachen sollte, mal schubste ein Kind das andere zur Seite, mal zwickte sich ein Kind die Finger in der Tür ein, mal wollte ein Kind seine Schuhe nicht anziehen, mal knallte ein Kind mit dem Kopf gegen die Wand, weil es über die Füße des anderen Kindes stolperte. Mal wollte ein Kind den Regenschirm mitnehmen, obwohl es gar nicht regnete. Mal wollte ein Kind Sandalen anziehen, obwohl es viel zu kalt war. Mal war die Mütze total doof, der Schal sowieso. Mal bezeichnete ein Kind das andere als Pupskopf, mal sagte ein Kind dem anderen, dass es nie wieder mit ihm spielt.

Es gab viele Tränen. Sehr viele Tränen. Und immer nur an dieser einen Stelle im Haus.

Irgendwann wurde das so auffällig, dass die Mutter etwas ahnte. Sie spürte die negativen Schwingungen.

Und entlarvte den Geist. So hatte der Geist keine Macht mehr über die Kinder. Denn immer wenn der Geist es erneut versuchte, rief die Mutter “Vorsicht, der Flurgeist will euch ärgern!”

Dann hörten die Kinder sofort auf, beruhigten sich und waren ein Herz und eine Seele.

Und der Geist ärgerte sich sehr, denn er hatte von nun an nichts mehr zu Lachen.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann ärgert er sich noch heute.

 

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