The days are long but the years are short

Wer in der letzten Zeit meinen Blog verfolgt hat, weiß, wie sehr ich gerade verarbeite, wie schnell meine Kinder groß geworden sind. Und dann das. ich stoße zufällig im Netz auf diesen Satz:

The days are long, but the years are short.

Das Zitat von Gretchen Rubin hat mich fast umgehauen, trifft es doch meine momentane Gefühlslage auf den Punkt.

Wie lang, nicht enden wollend waren die Tage in den ersten zwei Jahren. Wie froh war ich manchmal, wenn die Kinder endlich im Bett waren. Ich liebte meine Kinder abgöttisch, aber das Mutter-sein, das mochte ich manchmal nicht. Ich habe zu wenig Zeit in der Gegenwart verbracht, zu wenig reflektiert, zu wenig den Moment erlebt. Ich erlebte nicht bewußt genug. Zu sehr beschäftigt, mit Dingen, die noch getan werden müssen, was erledigt werden muss, was in der Arbeit zu tun ist, wie der nächste Tag aussieht.

Die Jahre vergingen, ohne dass ich am Ende des Jahres wusste, was ich eigentlich getan hatte. Ich habe meine Kinder erzogen, gearbeitet und den Haushalt geführt. Ich habe Probleme gelöst und Entwicklungsschritte begleitet, kleine Erfolge gefeiert und war zufrieden mit mir. Ich war glücklich und hatte glückliche Kinder. Aber wirklich festgehalten, habe ich sehr wenige Momente. Die ersten Schritte natürlich, der erste Muttertag, die Kita Eingewöhnung, der erste Schnee, Geburtstage, Urlaube etc. Das Meiste verschwimmt in einer Soße aus Alltagstrott, Spielplatz Erlebnissen, Krankheiten, Play Dates, viel Liebe, viel Trotz, Ausflügen, Sommer im Garten, Schlafmangel, Routine.

Ich denke, dass es vielen Müttern so geht, vor allem Mehrlingsmamas, denn wie soll man auch wirklich jeden Moment festhalten können, wie soll man sich an alles erinnern können, vor allem, wenn viele Tage sich so sehr gleichen, manchmal sogar austauschbar sind.

Wehmütig wird man erst dann, wenn die schwierigste Zeit vorbei ist. Wenn man auf einmal inne hält und sich bewusst wird, dass die Kinder einen gar nicht mehr so brauchen. Nicht mehr so hilflos sind und sich selbst beschäftigen können. Kurz um, wenn man wieder Zeit für sich selbst hat. Auf einmal sind die Kinder “groß” und gehen bald in die Schule. Und nun vermisse ich meine Babys, meine Kleinkinder. Ich würde gerne die Zeit zurück drehen und bewusster leben.

Deswegen, liebe Mamas, geht raus zu euren Kindern, küsst sie und spielt mit ihnen fangen. Genießt den Moment und haltet ihn fest. Kinder zu haben ist das Schönste auf der Welt.

 

Zeiten ändern sich

Als die Kinder noch klein waren habe ich jeden Moment herbei gesehnt, als sie nicht an meinem Bein geklebt haben und ich ein bisschen Ruhe hatte. Diese Zeiten haben sich geändert, denn ich genieße jede Sekunde, in der meine Kinder Körperkontakt zu mir suchen. Wahrscheinlich weil ich weiß, dass es nicht mehr lange dauert, bis sie ihre Mama doof finden.

Manchmal weiß ich nicht, wo die Zeit geblieben ist. Ich habe eins meiner Kinder auf dem Schoß und da ist gar kein Baby Speck mehr, nur lange schlanke Beine und Füße, Kinder die mir so erwachsen erscheinen. Sie sind so schwer geworden, dass ich sie nicht mehr hochheben kann.

Und da gibt es auch kein zurück mehr, denn der Schock sich von heute auf morgen um zwei kleine Babys zu kümmern war so groß, dass die Frage nach einem dritten Kind gar nicht mehr im Raum stand. Wenn ich die Kinder früher bekommen hätte, dann wäre ich jetzt bereit für ein drittes Kind.

Es gab Zeiten, in denen meine kinderlosen Kolleginnen mir einen wunderschönen Nachmittag gewünscht haben, als ich nach Hause gegangen bin um meine Kinder abzuholen. Und ich nur gedacht habe, wie gerne ich in der Arbeit bleiben würde, denn es gibt nichts Entspannenderes im Vergleich dazu, den ganzen Nachmittag Zwillinge zu hüten, die gerade sauber werden und/oder in der Trotzphase sind.

Aber darüber bin ich hinaus. Ich freue mich so sehr meine Kinder abzuholen, ich möchte dass jede Minute ein bisschen quality time ist. Ich möchte meine Kinder genießen können, solange sie noch Interesse an ihrer Mutter haben. Im Moment bin ich noch ihr Mittelpunkt, und das genieße ich jetzt. Früher hat es mich fast erdrückt.

Im Juni werden sie 6 Jahre alt, noch 3 Monate Kindergarten, dann ist diese Lebensphase zu Ende.

Während ich das hier schreibe, spielen die Kinder vor mir auf dem Rasen Tennis, der Grill ist vorbereitet, wenn mein Mann nach Hause kommt gibt es Essen. Es ist so schön gerade. So relaxed. Es ist die bisher schönste Phase in meinem Leben als Mutter.

Und trotzdem bin ich manchmal wehmütig. Weil sie mich nicht mehr so arg brauchen. Genau diesen Freiraum habe ich mir die ersten Jahre gewünscht. Nun habe ich ihn endlich und vermisse auf einmal etwas. Verrückt, ich weiß. Zeiten ändern sich eben. Und als Mutter muss man versuchen, daran zu wachsen und sich anzupassen.

Ich vermisse den Babyspeck und das Kuscheln und das Kindliche. Kleine piepsige Stimmchen, die kaum sprechen können, tapsige Schritte.

Loslassen nennt man das wohl. Das muss ich erst lernen…

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Der böse Geist im Flur

Es war einmal eine kleine, fröhliche Familie, die lebte in einem Haus. Da gab es die Eltern und ihre zwei Kinder und alle hatten sich sehr lieb. Bis eines Tages ein böser Geist in das Haus einzog.

Der Geist setzte sich in den Flur, gleich neben der Haustüre. Dort lebte er von nun an, unsichtbar und unentdeckt. Und wartete jeden Tag auf seine Opfer. Der Geist wollte Unfrieden stiften, denn das war sein Job. Er wollte Tränen sehen, Geschrei hören, er wollte, dass geschubst wird und gekniffen, gemotzt und gejammert, denn nur dann fühlte sich der Geist wohl.

So kam es, dass sich die beiden kleinen Kinder jeden Tag an ein und derselben Stelle stritten. Im Flur neben der Garderobe, vor der Haustüre. Jeden Tag, bevor sie mit ihrer Mutter das Haus verließen.

Der Geist dachte sich jeden Tag etwas Neues aus. Mal stritten sich die Kinder, wer zuerst die Tür aufmachen sollte, mal schubste ein Kind das andere zur Seite, mal zwickte sich ein Kind die Finger in der Tür ein, mal wollte ein Kind seine Schuhe nicht anziehen, mal knallte ein Kind mit dem Kopf gegen die Wand, weil es über die Füße des anderen Kindes stolperte. Mal wollte ein Kind den Regenschirm mitnehmen, obwohl es gar nicht regnete. Mal wollte ein Kind Sandalen anziehen, obwohl es viel zu kalt war. Mal war die Mütze total doof, der Schal sowieso. Mal bezeichnete ein Kind das andere als Pupskopf, mal sagte ein Kind dem anderen, dass es nie wieder mit ihm spielt.

Es gab viele Tränen. Sehr viele Tränen. Und immer nur an dieser einen Stelle im Haus.

Irgendwann wurde das so auffällig, dass die Mutter etwas ahnte. Sie spürte die negativen Schwingungen.

Und entlarvte den Geist. So hatte der Geist keine Macht mehr über die Kinder. Denn immer wenn der Geist es erneut versuchte, rief die Mutter “Vorsicht, der Flurgeist will euch ärgern!”

Dann hörten die Kinder sofort auf, beruhigten sich und waren ein Herz und eine Seele.

Und der Geist ärgerte sich sehr, denn er hatte von nun an nichts mehr zu Lachen.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann ärgert er sich noch heute.

 

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Seit ich Mama bin…

 

  • Rufe ich in öffentlichen Toiletten „Nichts anfassen!“
  • Weiß ich, wer Rainbow Dash ist
  • Gehen mir nie die Kekse aus
  • Habe ich permanent Angst
  • Habe ich eine geringe Ekelschwelle
  • Kann ich drei Menschen gleichzeitig antworten
  • Bin ich permanent und jede Sekunde müde
  • Ist mein Medizinschrank doppelt so voll
  • Kann ich Haare schneiden
  • Fühle ich mich manchmal furchtbar alt
  • Shoppe ich nicht mehr für mich, sondern nur noch für die Kinder
  • Habe ich für „Stress“ eine neue Definition
  • Bin ich nie allein
  • Bin ich angreifbar und sensibel
  • Habe ich viele Fehler gemacht
  • Bin nicht mehr ich das Kind bei meinen Eltern
  • Bin ich „die beste Mama der Welt“
  • Bin ich eine „gemeine Pupsmama“
  • Bin ich bei allem was ich tue furchtbar schnell
  • Lebe ich ein anderes Leben
  • Trinke ich literweise Kaffee
  • Wundere ich mich über Menschen, die Anna und Elsa nicht kennen
  • Esse ich Reste
  • Kenne ich jeden Spielplatz
  • Weiß ich, wie intensiv man lieben kann

 

 

Ab in den Urlaub…

Als ich das letzte mal im Winter in den Süden geflogen bin, war ich gerade mit den Mäusen schwanger. Nun sind sie schon fast 6 Jahre alt und es geht zu viert nach Spanien, während hier der Winter nochmal dicke zugeschlagen hat. Um genau zu sein, wir fliegen nach Lanzarote.

Erst jetzt, 4 Tage vorher, kommt Vorfreude auf, denn bislang hatte mich der Alltagsstress fest im Griff und es war kaum Zeit, über den Urlaub nachzudenken. Vor allem, weil die Abflugzeiten eine Katastrophe sind. Wir müssen tatsächlich um 3Uhr nachts aufstehen. Nicht, dass ich das nicht schaffen würde. Ich habe nachts um 3 schon ganz andere Sachen gemacht, seit ich Zwillingsmutter bin, die wesentlich schwieriger und nervenzerreißender waren. Wenn man jammert, dass man nachts um 3 ein Bett frisch überziehen muss, weil ein Kind den Noro Virus hat, dann ist das voll okay. Wenn man jammert, dass man nachts um 3 in den Urlaub fliegen muss, dann ist das Jammern auf hohem Niveau und sicherlich nicht salonfähig. Also jammere ich nicht, sondern versuche, es aus den Augen meiner Kinder zusehen: die freuen sich nämlich darauf, “endlich mal die Nacht zu sehen”. Sie freuen sich, dass sie “die ganzen Lichter sehen können, wenn es draußen stockdunkel ist”. Nun, dann freu ich mich eben auch.

Und nachdem es der einzige Urlaub in diesem Jahr sein wird, werde ich jede Sekunde genießen. In diesem Sinne – tschüss Winter, hola Sonne 🙂

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Ich könnte…

Ich schreibe zur Zeit extrem wenig und frage mich oft warum. Denn im Geiste blogge ich täglich, ganze Artikel sogar, aber meist gerade wenn gar keine Möglichkeit besteht, irgendetwas davon festzuhalten.

Wenn ich dann vor dem Bildschirm sitze habe ich alles vergessen und der Rest meiner Gedanken kommt mir zu belanglos vor, viel zu unwichtig, um es irgendjemandem zuzumuten, das zu lesen. Ich weiß, dass das ja keiner muss. Aber ich zumindest muss das lesen wollen und dazu reicht es nicht.

Mich beschäftigen sehr persönliche Dinge zur Zeit, die auf diesem Zwillings-Tagebuch nichts zu suchen haben. Ich würde so gern über Vieles schreiben, aber das würde zu weit gehen.

Wie zum Bespiel, dass ich zur Zeit Angst vor dem Tod habe, vor einer schlimmen Krankheit, die mir diagnostiziert wird, weil ich nämlich seit 20 Jahren rauche und es verdammt noch mal nicht schaffe, aufzuhören. Ich habe 14 Kilo abgenommen, was mich einiges an Überwindung und Verzicht gekostet hat, aber auf die Sch… Zigaretten kann ich nicht verzichten. Dafür hasse ich mich, denn ich habe eine Verpflichtung und ich möchte meinen Kindern erst mit 80 sagen müssen, dass ich bald sterben werde.

Dann könnte ich auch darüber schreiben, dass Jemand, den ich sehr lieb habe, aufs Übelste betrogen und verlassen wurde und nun deprimiert und einsam ist und Angst vor der Zukunft hat. Und ich ihr gerne helfen würde, aber nicht weiß wie.

Ich könnte darüber schreiben, dass mein Mann und ich uns zu viel streiten und warum wir es nicht schaffen, dieselben Erziehungsansichten zu haben. Über meine Ehe und wie sie sich verändert hat, seitdem wir Eltern sind, wollte ich schon sehr oft schreiben, aber das ist zu privat.

Manchmal würde ich auch gerne über mein schlechtes Gewissen schreiben, wie intensiv es mich manchmal quält und im Geiste eine schlechte Mutter nennt, obwohl ich das ja gar nicht bin. Aber ich bin Perfektionistin und will IMMER eine gute Mutter sein und war es einfach zu oft nicht. Ich habe geschrien, war ungerecht und habe falsch reagiert. Ich war zu oft inkonsequent und zu ungeduldig. Ich habe zu viele Fehler gemacht. Und mein schlechtes Gewissen ist zu sensibel um einfach zu sagen „So what? Machen andere genauso!“

Ich könnte auch darüber schreiben, dass es mir eigentlich immer egal war, wie alt ich bin. Ich hatte damit kein Problem bis zu dem Tag, als ich vor Kurzem 42 wurde. Ich fühle mich so unglaublich alt auf einmal, von einem Tag auf den Anderen. Ich kann mich so gut an meinen 30igsten Geburtstag erinnern, was ist in den letzten 12 Jahren passiert außer dass ich Mutter wurde? Wo ist meine Zeit geblieben?

Ich könnte darüber schreiben, dass ich meine zwei besten Freundinnen vermisse, die irgendwie aus meinem Leben verschwunden sind, die eine plötzlich, die andere schleichend. Und dass ich denke, dass ich ganz schön allein bin. Dabei hatte ich mal einen echt großen Freundeskreis und zwei beste Freundinnen über mehr als 15 Jahre hinweg. Menschen kommen und gehen in meinem Leben und das ist meistens auch okay. Und manchmal eben nicht.

Ich könnte auch schreiben, dass ich ein bisschen Angst vor den vielen Veränderungen habe, die dieses Jahr auf uns zukommen. Umzug und Einschulung zugleich, das wird heftig. Dabei habe ich mich früher immer über Veränderungen gefreut. Da haben wir´s wieder – das ist das Alter.

Nein, das schreib ich alles lieber nicht.

Stattdessen erzähle ich euch von meinen zuckersüßen Kindern, die zur Zeit so brav sind, das man es kaum glauben kann. Sie wachen von ganz allein auf, machen sich in ihrem Kinderzimmer ein Hörspiel an und spielen zusammen Lego oder malen. Sie warten bis ich oder mein Mann zu ihnen kommen, um guten Morgen zu sagen. Ich kann mich nochmal kurz umdrehen, wenn mein Wecker klingelt und ganz langsam aufstehen und erst mal ins Bad gehen. Und muss nicht Sekunden nach dem Aufwachen sofort funktionieren, weil Kind(er) neben meinem Bett stehen und Hunger!Pipi!Spielen! rufen. Das ist so schön, ich bin ganz sprachlos.

Meine Kinder verbringen seit mehreren Wochen die meiste Zeit in ihrem Kinderzimmer, das bis vor kurzem noch verwaist war. Und zwar freiwillig und gerne, ohne dass wir es ihnen gesagt hätten. Ich habe das Zimmer etwas umgestellt und mehr Platz geschaffen, aber daran kann es nicht nur liegen. Egal, zumindest ist es der Hammer, denn ich habe endlich wieder Zeit! Für mich! Ich lese wieder. Ich koche wieder. Ja, ich backe sogar Brot. Ich lackiere meine Nägel und shoppe online, mache Fotos und poste sie auf Instagram. Alles während meine Kinder zu Hause sind. Noch dazu bleiben die Mäuse nachts im Bett, gehen ganz allein auf Toilette und legen sich danach wieder hin und ziehen sich jeden Morgen allein an ohne viel Gezeter. Ich genieße diese Zeit, denn das kann ja nur eine Phase sein, oder? 🙂

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