Emma my love

Mäuslein, ich bin dir noch einen Liebesbrief schuldig. Für deinen Bruder habe ich bereits einen verfasst, nun bist du – mit geringer Verzögerung – an der Reihe. Schließlich muss ich als Zwillingsmutter immer gerecht sein und aufpassen, dass sich niemand vernachlässigt fühlt.

Seitdem Papa dir Inlineskates gekauft hat, verging kein Tag, an dem du sie nicht benützt hast. Ja, sogar im Regen bist du gefahren, umso lustiger mit Regenschirm, nicht wahr? Anfangs hast du eisern jeden Tag geübt, bist oft hingefallen, aber sofort weitergefahren. Du hast es wirklich schnell gelernt und ein richtiges Talent dafür.

Du bist ein richtig tolles Schulkind geworden. Ich liebe es, wenn du liest. Nicht nur, weil ich hoffe, dass du und Max Leseratten werden wie eure Mama, sondern weil es auch schön ist, dir dabei zuzuhören. Du liest meistens laut vor, während Max leise für sich liest. Gerade beginnt ihr in der Schule mit der Schreibschrift, was dir sehr gut gelingt, weil du gerne komplexe Dinge mit einem Stift vollbringst. Ich liebe deine kleinen Nachrichten, die du auf deine Bilder schreibst.

Du hast sehr liebe Freundinnen in der Schule und auch ein paar Jungs, die du gerne magst. Du bist ein sehr beliebtes Mädchen und wirst oft gefragt, ob du Zeit hast zum spielen nach der Schule. Heute zum Bespiel nehme ich wieder deine beiden besten Freundinnen mit nach Hause, Estella und Kiana. Ihr drei passt super zusammen. Mit Estella gehst du jeden Montag ins Ballett, was dir großen Spaß macht.

Einfach jeder mag dich, du gehst ganz offen und neugierig auf andere Menschen zu, bist sehr freundlich und kontaktfreudig. Deine Stimmungsschwankungen lebst du eigentlich nur zu Hause aus, da knallt es manchmal ordentlich zwischen uns. Du bist schon immer ein sehr anspruchsvolles Kind gewesen, sehr emotional, temperamentvoll, sehr dickköpfig, aber auch so liebevoll, so anhänglich, so voller Gefühl. Du zeigst und sagst mir jeden Tag, wie sehr du mich liebst und das ist etwas ganz Besonderes. Du trägst dein Herz nach Außen.

Warum ich hier immer seltener schreibe, hat zum Großteil mit dir zu tun. Denn die letzten 2 Monate waren nicht leicht für mich. Wir haben ein Problem mit dir, über das ich nicht öffentlich schreiben werde, das ist zu privat. Wenn du das mal lesen wirst, eines Tages, wirst du wissen, was ich meine. Mich hat dieses Problem sehr stark getroffen, so stark, dass mir jedes anderes Thema zu trivial vorkam, um darüber zu schreiben. Also schrieb ich gar nicht mehr. Das Problem ist noch lange nicht gelöst, aber wir arbeiten daran. Und ich habe es verarbeitet. Akzeptiert, dass es da ist und – hoffentlich nur kurzzeitig – zu unserem Leben gehört.

Aber dahin zu kommen war nicht leicht für mich, Emma.

Resultierend aus diesem Problem haben wir u.a. einen IQ Test mit dir machen lassen und das Ergebnis hat mich nicht sehr gewundert, denn du bist sehr schlau. Wusste ich ja schon immer. Besonders in zwei Bereichen bist du überdurchschnittlich intelligent. Im “logischen Denken” hast du einen Wert von 125 erreicht, und in “Verarbeitungsgeschwindigkeit” einen Wert von 126. Das ist sehr hoch für ein Kind in deinem Alter. Deshalb bekommst du jetzt jede Menge Rätselhefte und Mathehefte, die du sehr gerne durcharbeitest und große Freude daran hast. Während andere Kinder es sicherlich als Bestrafung ansehen würden, nach einem langen Tag in der Schule noch extra Matheaufgaben zu lösen, macht es dir große Freude.

Du warst schon immer ein Kind, dass sehr lange zum Einschlafen braucht. Und generell wenig Schlaf benötigt, also ein “Wenig Schläfer” eben. Schon als Baby hast du beim Spaziergang im Kinderwagen 30-40min gebraucht, um einzuschlafen. Während dein Bruder sofort einschlief und da gerade wieder wach wurde. Das hat sich bis heute nicht verändert, es ist sogar Schlimmer denn je. Wir sind bei 21.30 Uhr angekommen, bis du endlich in den Schlaf fällst. Manchmal sogar 22.00Uhr. Mama hat gar keine Zeit mehr für sich und erst recht nicht für Papa. Es nervt mich, Emma. So kann es nicht weiter gehen. Ich bin mir sicher, du könntest auch 1 Std früher einschlafen, aber du lässt es nicht zu. Du machst dich ganz bewusst wieder wach und kämpfst gegen die Müdigkeit an, erfolgreich. Und ich kann dich nicht zum Einschlafen zwingen, nur begleiten. Ich weiß auch, dass du das nicht machst, um irgendjemanden zu ärgern. Dazu bist du viel zu lieb. Du lebst gerne, du lachst gerne, du bist gerne im Hier und Jetzt, mit allen deinen Sinnen, hellwach und bereit, alles aufzusaugen. Bis spät in die Nacht, wenn es nach dir geht.

Bald werdet ihr 7, ihr zwei beiden. Wir werden euren Geburtstag im Urlaub feiern und eine Kinderparty nachträglich veranstalten. Du erzählst jedem, dass du 4x Geburtstag feiern darfst, ob es derjenige hören will, oder nicht. 1x im Urlaub, 1x mit Omas und Opa, 1x mit deinen Freunden und dann noch 1x in der Schule. Ganz viel Lego wünschst du dir und einen Schokoladenkuchen. Das kriegst du auch, mein Schatz, und noch vieles mehr.

Es ist schwer, Gefühle auszudrücken, die so tief sind, so essentiell. Ich könnte ohne dich nicht mehr leben, Emma. Keinen einzigen Tag. Ich liebe dich mit jeder Faser meines Körpers.

Deine stolze Mami

 

 

Das lang ersehnte Seepferdchen

Ich hatte ein bisschen Sorge, dass meine Mäuse unsere Osterferien doof finden würden, denn eigentlich waren es keine richtigen Ferien im klassischen Sinne – Mama und Papa mussten nämlich beide arbeiten.

Aber da hatte ich sie mal wieder unterschätzt.

Die Ferien standen unter dem Motto „Wir wollen/müssen unser Seepferdchen schaffen“. Den Schwimmkurs hatte ich schon vor Monaten gebucht und nun sollte es endlich los gehen. Wer hier schon länger liest, weiß, dass es unser dritter Schwimmkurs werden sollte. Der erste war viel zu früh und der Schwimmlehrer noch dazu eine Katastrophe – der Kurs war total für die Katz! Der zweite Schwimmkurs war super, obwohl wir aufgrund des 1. Reinfalls bei null anfangen mussten.

Nun hatten wir also jeden Tag um 16.20 Schwimmunterricht, 10 Tage lang. Und – wie der Titel euch schon verraten hat – wir haben es geschafft! 25m frei schwimmen, ins Becken springen und nach einem Reifen tauchen! Check!

Ich war total aufgeregt am letzten Tag, bestimmt deutlich aufgeregter als die Kinder, da ich bei einem meiner Mäuse ein bisschen Bedenken hatte. Aber es klappte hervorragend und ich war so stolz! Bin es noch!

Ich habe so lange hin und her überlegt, ob ich schon wieder einen Kurs machen soll, ob die Ferien wirklich der beste Zeitpunkt sind, ob ich wieder Geld zum Fenster raus schmeißen würde, habe sehr lange nach dem richtigen Kurs (Ort, Tageszeit etc.) recherchiert und am Ende doch einen Volltreffer gelandet. Unsere Schwimmtrainerin war super und der Kurs war genau die richtige Mischung aus „im Wasser spielen und planschen“ und Kondition aufbauen und schwimmen trainieren. Kann ich nur empfehlen.

In der zweiten Ferienwoche waren meine Kinder zum ersten Mal in einer Ferienbetreuung und auch das haben sie ganz toll gemacht! Während andere Kinder sich weigerten, in die Betreuung zu gehen und so lange gezetert haben, bis die Eltern die Kinder zähneknirschend zu Hause ließen (was mir besagte Mutter selbst berichtete), gingen meine Kin der dort sehr fröhlich hin, kamen vergnügt zurück und sagten am letzten Tag sogar, wie sehr sie die Zeit dort vermissen werden. Mann, ich hab echt so tolle Kinder, oder??

Ansonsten durften meine Mäuse endlich mal Mamas Büro sehen und mich dort besuchen kommen und auch dabei zeigten sie sich von ihrer zuckersüßesten Seite! Sie zeichneten ihre ersten eigenen Artworks und meine Kolleginnen waren hin und weg von meinen beiden.

Die Osterfeiertage verbrachten wir wie üblich bei Oma und Opa, wo wir vermutlich das letzte Mal den Osterhasen zelebriert haben, denn werde ich sie demnächst aufklären müssen, wer wirklich die Nester versteckt. 🙂

Aber so schön die Ferien für die Kinder auch waren, wir können alle die Pfingstferien gar nicht mehr erwarten, denn dann kommen wir endlich mal wieder ans Meer!

2017-04-24 14_30_56-Katrin Stein (@katrin.stone) • Instagram-Fotos und -Videos - Internet Explorer

 

Ein Liebesbrief

Mäxlein, mein Spatz, mein lieber kleiner Mann.

Dir sind so viele Milchzähne fast gleichzeitig rausgefallen, dass du kaum noch Schneidezähne im Mund hast. Du siehst sehr frech aus dadurch, wie ein kleiner Lausbub. Schade, dass deine Haare immer dunkler werden, denn wenn du noch so hellblonde Haare hättest wie als Kleinkind, würdest du aussehen wie Michl aus Lönneberga.

Richtig groß bist du geworden, aber hast immer noch eine Taille wie ein 4-jähriger. Du hast zwar Kleidergröße 122, aber ich muss die verstellbaren Hosen bis aufs letzte Knopfloch enger machen. Dünn bist du, das warst du ja schon immer. Obwohl du gerade wirklich viel isst und nach wie vor ein Süßigkeiten Junkie bist. Bestimmt tausend mal habe ich dir schon erklärt, dass du langsam essen sollst, du schlingst dein Essen hinunter, weil du so schnell wie möglich etwas Süßes im Mund haben willst.

Dieses Faschings-Jahr hast du dich als Polizist verkleidet und hast wundersamer weise in der Schule einen Kostümpreis dafür bekommen (dabei war es gar nicht so originell).

Deine Angst vor dem Sterben hast du zum Glück überwunden. In dieser Zeit hast du viel Körpernähe gebraucht, hast viel gekuschelt und geschmust. Und das Schöne ist, dass die Angst zwar jetzt weg, aber dein Kuschelbedürfnis geblieben ist. Das genieße ich sehr, denn da haben wir beide was nachzuholen. Überhaupt bist du gerade sehr gefühlsbetont und anhänglich. Wenn ich dir sage, dass ich dich lieb habe, habe ich früher nur sehr selten eine Antwort bekommen. Zur Zeit bekomme ich immer eine. Es ist so schön, ein “Ich hab dich auch lieb, Mama” von dir zu hören.

In letzter Zeit malst du gerne und viel, was mich und vor allem Emma sehr freut. Manchmal setzt ihr euch morgens gemeinsam an einen eurer Schreibtische und malt Seite an Seite, noch in euren Schlafanzügen, hört euch dabei ein Hörbuch an und seid pure Harmonie.

Gestern warst du das erste Mal im Taekwondo zur Schnupperstunde. Es hat dir gut gefallen und ich hoffe, dass du dabei bleibst und Spaß dabei hast, denn dich für Sport zu begeistern war bisher gar nicht leicht. Vielleicht haben wir ja endlich etwas gefunden, ich drücke uns beiden die Daumen.

Ich habe die letzten Wochen viel Zeit damit verbracht, einen Musikkurs für dich zu finden, denn da hast du wirklich Talent, du bist ziemlich musikalisch. Woher du das nur hast? Leider habe ich bisher keinen Erfolg, denn für die “musikalische Früherziehung” bist du entweder schon zu groß oder die Uhrzeiten kollidieren mit dem Schulunterricht oder ein Quereinstieg mitten im Jahr ist nicht erlaubt. Jeder Musikkurs hatte irgendeinen Haken, so dass ich leider aufgeben musste. Hoffentlich verlierst du nicht das Interesse, bis ich dich im Schulorchester eintragen kann in der 2.Klasse. Das hättest du dieses Jahr schon machen können, aber ich wollte dich in der 1.Klasse (noch dazu Ganztags) nicht überfordern.

Eine Sache hat sich aber immer noch nicht verändert: nach wie vor liebst du es, zu backen und zu kochen. Das ist deine Lieblingsbeschäftigung, zusammen mit “Hecken schneiden” im Garten. Manche Dinge ändern sich zum Glück nie.

Du bist ein richtig gutes Schulkind und ein so großer Junge geworden, mein Schatz.

Ich bin irrsinnig glücklich, dass du mein Sohn bist. Ich liebe Dich über alles!

Ich höre mich selbst

Man soll so vieles mit Kindern nicht tun, so viele Dinge schaden unseren Kindern, prägen sie in irgend einer Form, die wir gar nicht wollten. Die meisten Situationen entstehen Zeitdruck, aus Verzweiflung oder weil wir in einer Sackgasse sind oder weil wir ganz einfach nur Menschen sind. Ich bin nicht nur Mutter, ich bin auch eine Frau mit sehr intensiven Gefühlen, sehr sensibel, schnell überreizt. Ich bin Ich. Nicht nur die Mama. Ich bin müde, ich sehne mich danach, mal länger als nur alle 2 Wochen ein paar Stunden allein zu sein. Ich darf auch mal nicht mehr können. Ich kümmere mich um viele große Dinge und um noch mehr kleine Dinge des Lebens, gehe arbeiten, mache den Haushalt, organisiere unser ganzes Familienleben.

Und so kommt es, dass man manchmal schimpft und schreit. Und viel zu oft droht. Und diese Drohungen haben sich bei uns leider verselbstständigt. Dass heißt, es sind eigentlich Erpressungen, die sich da abspielen.

Wenn du nicht sofort…, dann….!!

Irgendwann gab es wohl mal einen Präzedenzfall. Man drohte dem Kind und bekam sofort, was man gerade verlangte. Speicherte diese Lösung als erfolgreich ab und wiederholte sie. Mir ist das jahrelang nicht aufgefallen, dass wir immer wieder mit negativen Konsequenzen gedroht bzw. erpresst haben. Hauptsächlich mit Fernsehverbot oder Süßigkeiten Verbot oder einfach nur mit “dann gibt´s aber Ärger” oder “dann werde ich gleich soooo sauer”. Es hat sich so eingespielt und ich habe es viel zu spät bemerkt. Dabei lese ich so viel im Internet und auf anderen Blogs über Kindererziehung. Und das man genau das nicht machen darf, denn das Kind lernt dabei nicht, dass man etwas aus Nettigkeit macht, oder weil man verstanden hat, warum es geht, sondern weil man sonst bestraft wird.

Die Kinder lernen von den Eltern, wir prägen sie mit allem, was wir tun. Und so kommt es, dass nun meine Kinder mich erpressen, wenn sie etwas wollen. Ist das nicht schrecklich? Ich höre mich selbst da reden. Und ich mag mich nicht!

“Ich putze jetzt nur meine Zähne, wenn du…”

“Ich komme nur mit, wenn du…”

“Du darfst nur in meinem Zimmer spielen, wenn du…”

Ich bin total traurig deswegen. Und ich versuche, dagegen zu steuern, meine Fehler wieder gerade zu bügeln. Ich erkläre es den Kindern, so gut ich kann. Aber Prägung ist nun mal Prägung, das ist keine komische Angewohnheit, die man sich wieder abgewöhnen kann, sondern eine irreversible Form des Lernens. Das Kind sieht es als richtig an, sich so zu verhalten/das zu sagen/das zu tun. Weil Mama und Papa es ihnen vorgelebt haben.

Mein Mann sagt immer, ich soll mir nicht so viele Gedanken um alles machen, aber so bin ich nun mal. Ich bereue so viele Dinge in meinem Leben als Mutter. Ich hätte es so viel besser machen können! Ich stelle mir oft Fragen wie “Was wäre, wenn wir nicht…”.

Wir formen unsere Kinder, das darf man wirklich niemals vergessen! Man formt sie tatsächlich zu den Menschen, die sie mal werden. Wir entwerfen ihre Erinnerungen! Wir befüllen ihr Gedächtnis! Wenn man also bestimmte Fehler nicht gemacht hätte, hätten sie andere Charaktereigenschaften? Andere Verhaltensmuster? Zum Beispiel, was wäre, wenn wir Max nicht so oft gesagt hätten, dass er sich gleich weh tut, dass etwas passieren kann, wäre er ein weniger ängstlicher Mensch geworden? Und könnte Emma besser mit ihren Emotionen umgehen, wenn mein Mann und ich nicht ein paar mal zu oft vor ihren Augen gestritten hätten?

Letztendlich kann ich es nicht mehr ändern, die Zeit nicht zurück drehen. Wenn, dann würde ich wahrscheinlich ins Jahr 2013 zurück reisen, da waren meine Mäuse 3 Jahre wie auf den Fotos unten, so süß und unschuldig und irgendwie noch viel weniger belastet als heute, so knuffig und immer fröhlich.

Ändern kann ich nichts mehr, aber ich kann es in Zukunft besser machen, und das werde ich auch. Und vielleicht liest ja eine andere Mama meine Gedanken hier mit und adaptiert meine guten Vorsätze für sich selbst. Das wäre schön…

 

Kinder und die Angst vor dem Tod

Max hat Angst vor dem Sterben.

Es kam sehr plötzlich, quasi aus dem Nichts, und ist aber dafür umso heftiger.

Es beginnt gegen Abend, wenn es dunkel wird und er weiß, dass er bald ins Bett muss. Oder es beginnt erst, wenn er bereits im Bett ist, auch wenn er vorher fröhlich ins Bett gegangen ist.

Er weint sehr heftig, steigert sich hinein, manchmal so sehr, dass er sich übergeben muss.

Er hat nicht Angst, dass Jemand Anderes stirbt, sondern es geht um ihn. Er hat Angst davor, was mit ihm passiert, wenn er stirbt.

Mein Mann und ich sind nicht gläubig, wir sind Atheisten und haben unseren Kindern einen Gott nie nah gebracht. Ich glaube an das Leben, an die Schönheit und das Wunder der Natur und deren Kreislauf. Darin liegt ein “Gott” für mich, eben dieses Wunder des Lebens auf unserem Planeten. Und der Tod gehört dazu. Tiere sterben, damit andere Tiere überleben, Pflanzen wachsen und welken wieder, alles in der Natur dient dem Wachstum und Entstehen neuen Lebens.

In der Schule sprechen die Kinder im Unterricht über Gott, und dass sie Engel werden, wenn sie sterben, dann fliegen sie in den Himmel und leben dort weiter. Diesen Gedanken nehme ich ihm natürlich nicht, obwohl ich daran nicht glaube. Aber für einen 6-jährigen ist noch genug Zeit, um andere Gedanken reifen zu lassen, wenn er älter ist.

Was mache ich nun mit meinem Spatz? Er ist so aufgelöst jedes mal, keine Erklärung kann ihn aufmuntern. Ich habe bereits alles durch. Dass er bestimmt 100 Jahre alt wird, ein ganz alter Opa. Dass er noch doppelt so lange lebt, wie Mama und Papa jetzt schon sind. Dass Sterben nichts Schlimmes ist und warum. Ich habe ein Kinderbuch bestellt, dass vom Sterben im übertragenden Sinn erzählt. Das Buch ist total entzückend, aber Max hat es sofort durchschaut und als doof entlarvt. Es hilft nichts. Einen Auslöser gab es übrigens nicht, es ist niemand krank, noch gestorben noch hat er etwas doofes im Fernsehen gesehen…

Ich habe natürlich schon gegoogelt, aber da kommt nicht viel dabei heraus als noch mehr Buchtipps und das Wort Kinderpsychologe.

Im Moment muss ich ihn jeden Abend in den Schlaf begleiten, nur so ist er einigermaßen ruhig.

Hat Jemand einen Rat für mich?

 

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Das deprimierte Pausenbrot

Wenn man von einer Kindergarten Mutter zur Schulkind Mutter befördert wird, kommen recht viele Veränderungen auf einen zu, darüber hatte ich ja bereits ein paar mal geschrieben. Die meisten Veränderungen hat man relativ schnell verarbeitet und verinnerlicht. Die Dinge ändern sich nun mal, Kinder werden groß und wir Eltern mit ihnen.

Aber es gibt eine Veränderung, die ich gar nicht leiden kann. Morgens Pausenbrote zu machen.

Nun ja, wenn es nur “Pausenbrote” wären. Ich dachte da zuerst an eine Stulle, die in Alufolie eingewickelt wird, dazu 1 Apfel. Beides könnte ganz unkompliziert im Schulranzen herumfliegen, bis es dann gegessen wird. Schließlich bekommen die Kinder ein 2-gängiges Bio-Mittagessen in der Schule und morgens ein Frühstück bei uns zu Hause. Dann googelte ich mal “Lunchbox” und wurde eines besseren belehrt. Die Mütter überschlugen sich fast vor kreativen Ideen, was nicht alles in der (eigens dafür vorgesehenen) Tubabox enthalten sein könnte. Ich beschäftigte mich also mit dem Thema und arbeitete mich ein, bestellte die entsprechenden auslaufsicheren Tubawaren mit mehreren Kammern und achtete darauf, dass die benötigten Zutaten nie ausgingen.

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Es gab meistens 1 Brot mit wechselnden Belägen, Obst, eine kleine Süßigkeit für die Seele und manchmal noch ein kleines “Extra”, wie z.B. ein Trinkjoghurt oder Salzbrezeln, aber das Extra gab es nicht jeden Tag. Durch die verschiedenen Beläge, wechselnde Obstsorten sowie Süßigkeiten sah die Lunchbox also jeden Tag anders aus, war abwechslungsreich und ausreichend gesund. Ich war damit wirklich zufrieden.

Die Kinder nicht.

Das Brot kam jeden Tag zu mir zurück, jungfräulich und unberührt (und deprimiert). Das Obst meistens auch. Und wer nun sagt, dass er abends die alten Brote der Kinder isst, die seit 8 Std lang ungekühlt und ausgetrocknet sind, nun ja… dem wünsche ich guten Appetit. Ich möchte sie leider nicht mehr essen, also landen sie im Müll, was wirklich ätzend ist. Was für eine Verschwendung!

Und wer nun denkt, dass die Kinder einfach keinen Hunger haben, irrt leider, denn sie haben ja einen langen Schultag von 8Std und in dieser Zeit “nur” das Mittagessen in der Schule. Meine Lunchbox ist für die 2 Pausen vormittags und nachmittags. Und meistens haben sie richtig Hunger, wenn ich sie abhole.

Nun ging ich dazu über, das gesunde Brot mit Toast zu ersetzen, was circa 2 Wochen lang gut ankam, dann wurde auch der Toast verschmäht. Dann hatten wir noch eine Phase, in der ich den Kindern nur recht viel Obst mitgegeben habe – und Geld um sich am Schulkiosk etwas zu kaufen. Etwas nahrhaftes! Und gesund, wenn möglich, habt ihr verstanden?  Und natürlich hatten sie nicht verstanden. Oder taten nur so.

Schokoreiswaffeln sind gesund, oder Mama?

Heute habe ich mir 2 gesunde Müsliriegel gekauft, Mama!

Heute war mein Glückstag, Mama, es gab Lebkuchen am Kiosk!

Das war also auch nichts. Neue Methoden mussten her, also googelte ich wieder und ging mit kreativen Ideen und neu erworbenen Ausstechformen total motiviert ans Werk.

Jetzt gibt es u.a. Wurstblumen am Spieß , Leberwurst-Stinkefüße, Salami Schmetterlinge und belegte Brotmännchen. Dazu verschiedene Obstsorten, auch gerne am Spieß, und ein kleines Extra. Im Moment sind die Kinder so begeistert davon, dass sie zum Abendessen genau das Gleiche nochmal wollen, was sie in der Lunchbox hatten.

Mal sehen, wie lange das anhält… 🙂

 

 

Stolze Mama

Gestern hatten wir in der Schule das Lernentwicklungsgespräch. Dieses Gespräch bzw. die Unterlagen dazu ersetzen das frühere Zwischenzeugnis, das es so nicht mehr gibt.

Die Kinder mussten vor 2 Wochen einen 3-seitigen Fragebogen ausfüllen, in dem sie sich selber einschätzen sollten, was sie gut können und was nicht. Dieser Fragebogen beinhaltete 48 Fragen und 4 verschiedene Antwortmöglichkeiten:

  • das kann ich super
  • das kann ich gut
  • das muss ich noch üben
  • das kann ich noch nicht

Dabei waren die Hauptthemen das Verhalten in der Klasse, das Arbeits-und Lernverhalten, Schreiben, Lesen, Mathe, Sport, HSU und Kunst. Den Fragebogen musste man wieder abgeben, so dass alle Lehrer, die mit den Kindern arbeiten, ihre Einschätzung jeweils daneben schreiben konnten. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Kinder sich selbst gegenüber ehrlich und kritisch sind, sondern auch um eine Leistungseinschätzung seitens des Lehrers, ähnlich wie Noten.

Im Lernentwicklungsgespräch unterhält sich dann der Lehrer einzeln mit dem Kind und bespricht die Ergebnisse. Die Eltern sind zwar dabei, dürfen aber nicht interagieren, sondern nur zuhören. Am Ende soll sich das Kind ein Ziel überlegen, dass es bis zum Schuljahresende erreichen möchte.

Emma hatte von den 48 Fragen 45 Übereinstimmungen, was total selten und sehr besonders ist, Max hatte auch hervorragende 34 Übereinstimmungen. Er hat sich selbst oft kritischer gesehen als die Lehrerin.

Beide haben bis auf wenige Ausnahmen ein “kann ich schon super” und ich bin wirklich stolz, vor allem aber erleichtert, dass es so gut läuft, nach den anfänglichen Schwierigkeiten und meiner Bedenken bezüglich der Ganztagsklasse. Sie sind beide sehr beliebt, haben Freunde, kommen sehr gut im Unterricht mit, werden von den Lehrern gemocht und haben ihren Platz in der Klassengemeinschaft gefunden.

Sie gehen gerne in die Schule. Und das macht mich wahnsinnig glücklich…

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